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Viele Geschäfte schließen, Tiroler Krisengebiete werden isoliert

Von nachrichten.at/apa   13.März 2020

Um die rasante Ausbreitung des Coronavirus in Österreich zu bremsen, kündigten die Regierungsspitzen am Freitagnachmittag weitere, scharfe Maßnahmen an. "Ab Montag muss die Bevölkerung das soziale Leben auf ein Minimum reduzieren", sagte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Das bedeutet konkret:

  1. Nicht versorgungsnotwendige Geschäfte werden geschlossen, ausgenommen sind etwa Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Drogerien, Tierfutter-Geschäfte oder Post-Filialen.
  2. Restaurants, Bars und Kaffeehäuser werden nur noch bis 15 Uhr geöffnet sein.
  3. Grenzkontrollen zur Schweiz und zu Liechtenstein werden eingeführt.
  4. Flugverbote: Die Flugverbindungen nach Frankreich, Spanien und Schweiz werden eingestellt. Für diese Länder gilt nun die höchste Sicherheitsstufe.
  5. Das Paznauntal und St. Anton am Arlberg werden für die nächsten 14 Tage unter Quarantäne gestellt. Diese Gebiete werden ab sofort isoliert. Wer sich in Ischgl, See, Kappl, Galtür oder St. Anton befindet, werde "selbstverständlich bestens versorgt". Ausländische Urlauber, die sich jetzt dort aufhalten, dürfen abreisen. Sie sollen aber zügig in ihre Herkunftsländer zurückkehren.
  6. Wenn möglich, sollen alle Unternehmer ihre Mitarbeiter ab nächster Woche auf Zeit in Teleworking schicken.

Video: Das Statement von Bundeskanzler Kurz

Die aktuelle Lage: In Österreich gibt es bisher 504 bestätigte Fälle. Am Vortag waren es noch 302. "Es werden kontinuierlich mehr", sagte Gesundheitsminister Anschober (Grüne). Freitagfrüh gab es die meisten Fälle mit 167 in Tirol, in Niederösterreich wurden 63 Personen, in Wien 82, in der Steiermark 52, in Oberösterreich 68, in Salzburg 23, im Burgenland sieben, in Vorarlberg 22 und Kärnten vier positiv getestet. Weltweit sind bereits mehr als 5000 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben.

Um bei Bedarf genügend Krankenbetten in Wien zur Verfügung zu haben, wird die Messehalle in Wien-Leopoldstadt für ein Groß-Lazarett vorbereitet.

Messehalle wird zu Großlanzarett

Im Hinblick auf den erwarteten weiteren Anstieg der Corona-Kranken trifft Wien Vorkehrungen, um bei Bedarf genügend Krankenbetten zur Verfügung zu haben. Die Messehalle in Wien-Leopoldstadt wird deshalb für ein Groß-Lazarett vorbereitet, wie Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Freitag bekannt gab. In einem ersten Schritt werden in der Halle A ab nächster Woche 880 Betten verfügbar sein (mehr dazu hier). 

So breitete sich das Virus weltweit aus 

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Warnung vor "Fake News": Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) warnte erneut vor Falschmeldungen. "All das, was da in den sozialen Medien herumgeistert und kursiert, hat keinerlei Substanz." Zuvor war er Gerüchten entgegengetreten, die Regierung könnte eine Ausgangssperre verhängen oder alle Geschäfte in Österreich schließen. "Es wird natürlich keine Ausgangssperren geben", versicherte Nehammer im Ö1-"Mittagsjournal". (mehr dazu hier).

Gesundheitsminister Rudi Anschober und Kanzler Sebastian Kurz hatten schon am Donnerstagabend versichert, dass Lebensmittelgeschäfte selbstverständlich weiterhin geöffnet bleiben sollen. Als weitere essenzielle Bereiche nannte Anschober Apotheken, Postinfrastruktur und Kommunikationstechnologie. 

Die Maßnahmen im Detail:

  • Mehrere Ausnahmen im Handel

Neben Lebensmittelgeschäften, Apotheken, Drogerien, Banken und Post bleiben etwa auch Trafiken, Tankstellen und der Tierfutterhandel offen. Ausnahmen im Gastgewerbe, das um 15 Uhr schließen muss, gibt es für die bloße Gästebeherbergung und Lieferservices.

Auch Geschäfte für medizinische Produkte und Heilbehelfe dürfen weiterhin öffnen, ebenso Sicherheits- und Notfallprodukte sowie Wartung. Trafiken und Zeitungskioske schließen ebenfalls nicht, genauso wie Lieferdienste, Reinigungsdienste und der Agrarhandel. Auch der öffentliche Verkehr bleibt aufrecht, genauso Notfall-Dienstleistungen und die Wartung kritischer Infrastruktur.

Die verordnete Sperrzeit in der Gastronomie ab 15.00 Uhr betrifft alle Gasthäuser und -höfe, Hotels und Rasthäuser, mit Ausnahme der Gästebeherbergung und Lieferservices. Ebenso betroffen sind Restaurants, Speisehäuser, Bierstuben, Branntweinstuben, Weinstuben, Buffets, Eisdielen und -salons. Ausnahmen gibt es auch nicht für Cafes oder Kaffeehäuser, Konditoreien und Tanzcafes. Geschlossen bleiben ab 15 Uhr müssen auch Bars, Diskotheken, Nachtclubs.

  • Quarantäne für Tiroler Regionen

Zwei besonders vom Coronavirus betroffene Gebiete in Tirol werden gemäß Beschluss der Bundesregierung für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt. Betroffen sind das Paznauntal mit Tourismus-Hotspots wie Ischgl und Galtür sowie St. Anton am Arlberg. Eine Ausweitung auf andere Gebiete ist nicht ausgeschlossen. Derzeit sei man aber nicht in dieser Situation, so Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne).

  • Flugverbote in drei Länder

Bekannt gegeben wurden auch Flugverbote in die Schweiz, Frankreich und Spanien ab Montag, also Staaten, in denen sich das Virus besonders schnell ausbreite, wie Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) ausführte. An der Grenze zur Schweiz und zu Liechtenstein werden Grenzkontrollen analog zu Italien eingeführt. Der Warenverkehr soll aber aufrecht bleiben, ebenso soll die Grenze für Berufspendler offen bleiben. Die AUA hat nun angekündigt, die Flüge in die betreffenden Länder zu streichen.

  • Reisewarnung für sechs Länder

Das Außenministerium warnt auch vor Reisen nach Frankreich, Spanien, Schweiz, wo sich das Coronavirus in den vergangenen Tagen stark ausgebreitet hatte. Damit gilt die höchste Sicherheitsstufe für insgesamt sechs Länder: Italien, der Iran und Teile Chinas sind bereits betroffen. "Es wird dringend geraten, nicht unbedingt notwendige Reisen zu verschieben bzw. von derzeit noch bestehenden Rückreisemöglichkeiten Gebrauch zu machen", hieß es in den drei Fällen gleichlautend. Im Falle Südfrankreichs wird den Österreichern aber explizit davon abgeraten, über Italien zurückzureisen, da für dieses Land ebenfalls schon eine Reisewarnung gilt. >> Das Außenministerium hat bereits die ganze Welt zu einem Gebiet mit "hohem Sicherheitsrisiko" erklärt

  • Lkw-Fahrverbote außer Kraft

Um die Versorgungssicherheit mit medizinischen Produkten und Waren des täglichen Bedarfs im Lichte der Coronakrise zu gewährleisten, werden die Wochenendfahrverbote für Lkw ab 7,5 Tonnen österreichweit per sofort ausgesetzt. "Wir haben die Wochenendfahrverbote vorerst bis 3. April ausgesetzt", sagte Verkehrsministerin Gewessler (Grüne). 

  • Finanzielle Hilfe für Unternehmen

Der Kanzler forderte auch alle Unternehmen auf, die Mitarbeiter, wo das möglich sei, ab der nächsten Woche auf Zeit in Telearbeit gehen zu lassen. Die drei Regierungsmitglieder versprachen zudem finanzielle Hilfe. Details sollen morgen, Samstag, bekanntgegeben werden. Auch gesetzliche Änderungen seien für all das notwendig. Das Hilfspaket werde gemeinsam mit Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) vorgestellt.

Die Berechnungen der TU Wien zeigen, was passieren würde, wenn die Sozialkontakte jetzt nicht eingeschränkt werden. 

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