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Innenpolitik

Anschober: "Zweite Etappe wird deutlich schwieriger"

Von nachrichten.at/apa   10. April 2020 11:25 Uhr

Gesundheitsminister Rudolf Anschober.

WIEN. Nachdem der Anstieg an Infektionen mit SARS-CoV-2 deutlich gedrückt werden konnte, nannte Gesundheitsminister Rudolf Anschober die erste Etappe einen "vollen Erfolg", Spitalskapazitäten wurden nicht ausgelastet. Jedoch rief er eindringlich dazu auf, nicht in Normalität zurückzufallen.

Österreichs Kampf gegen das Coronavirus geht in zweite Etappe Nachdem der Anstieg an SARS-CoV-2-Infektionen in Österreich deutlich gedrückt werden konnte, hat Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) die erste Etappe der Bekämpfung am Freitag für beendet erklärt. Weltweit hat die Zahl der Coronavirus-Toten am Freitag die Schwelle von 100.000 erreicht. Mehr als 1,6 Millionen Infektionen sind global registriert, geht aus amtlichen Daten hervor.

Was Österreich betrifft, da werde "die zweite Etappe deutlich schwieriger", aber eine "gesicherte schrittweise Öffnung" des öffentlichen Lebens und deren Kontrolle sollen verhindern, dass die Covid-19-Erkrankungen wieder steigen, hieß es vor dem Osterwochenende. Die SORA-Studie, derzufolge es Anfang April zumindest drei Mal mehr Infektionen als behördlich bestätigte Fälle gegeben haben dürfte, habe die Linie der Bundesregierung bestätigt. So soll es zwischen 10.200 und 67.400 mit SARS-CoV-2 Infizierte gegeben haben, der wahrscheinlichste Wert lag bei 28.500 Infizierten.

Österreichs Auslastung der Spitals-Kapazitäten befindet sich laut Prognose hingegen "auf der sicheren Seite", für kommende Woche wird von einem Rückgang belegter Betten ausgegangen. Laut Herwig Ostermann, Geschäftsführer von Gesundheit Österreich, werden bis zum nächsten Freitag, dem 17. April, rund 14.000 positiv auf SARS-CoV-2 Getestete erwartet. Rund 13.550 waren es am heutigen Freitag (Stand: 19 Uhr). Nachmittags waren rund 750 Covid-19-Erkrankte auf Normalstationen in Krankenhäusern, um die 260 auf Intensivstationen. Diese Zahlen sollen in den kommenden Tagen auf 600 bis 700 bzw. 200 bis 250 zurückgehen, legte Ostermann dar. Für weitere 1.000 stünden Intensivbetten zur Verfügung, betonte Ostermann. 

 

Im Rückgang befindet sich auch die Reproduktionszahl des Virus in Österreich. Wie die Berechnungen der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) und der TU Graz ergaben, infizierte am 12. März, zu einem Zeitpunkt intensivster Virusverbreitung, eine angesteckte Person statistisch mehr als 3,5 weitere Menschen. Ab 5. April lag sie unter der Marke von 1, die für die Überwindung der Covid-19-Pandemie notwendig wäre. Eine ähnliche Entwicklung machte die Kurve der geschätzten täglichen Steigerungsrate der positiven SARS-CoV-2-Befunde durch. 

"Machen Sie nichts kaputt"

Anschober warnte die Bevölkerung aber erneut davor, die geltenden Maßnahmen - vor allem zur Distanzierung von Mitmenschen - ab nun nicht mehr einzuhalten. "Machen Sie nichts kaputt", appellierte der Minister. Bisher habe man nur "die erste Etappe" geschafft, "das ist nicht das Endergebnis".

Video: Die Pressekonferenz mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober

Eine "gesicherte schrittweise Öffnung" des öffentlichen Lebens und begleitende Kontrolle sollen verhindern, dass die Covid-19-Erkrankungen wieder in die Höhe schnellen, stellte Anschober klar. Die am Freitag veröffentlichte SORA-Studie, derzufolge es Anfang April zumindest drei Mal mehr Infektionen als behördlich bestätigte Fälle gegeben haben dürfte, habe die Linie der Bundesregierung bestätigt. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie wären "der einzig richtige Weg gewesen". Die Studie habe "zu hundert Prozent das gezeigt, was wir erwartet haben", nämlich einen geringen Durchseuchungsgrad der Bevölkerung und eine geringe Anzahl an Immunisierten.

Insofern wäre es "verantwortungslos" gewesen, "auf die Herdenimmunität zu setzen", sagte Anschober. Bis sich die Lage entspanne, könne es "länger dauern", insofern dürfe man nach Ostern "nicht in traditionelles Verhalten zurückfallen". Das Abstandhalten - laut Anschober "das neue Grundgesetz in Österreich" -, das Vermeiden von Ansammlungen, das Tragen von Mund-Nasen-Masken und das singuläre Betreten von Geschäften, wobei im Inneren pro Person 20 Quadratmeter zur Verfügung stehen müssen, müsse konsequent beachtet werden.

Video: Günther Mayr erklärt, was sich die Regierung von weiteren Tests erhofft.

Daneben will Anschober "tagtäglich kontrollieren, ob es Bewegung bei den Zahlen gibt". Das manuelle Kontaktpersonen-Management werde "intensiviert", die Rot-Kreuz-App sei "ein zusätzliches Unterstützungsinstrument", meinte der Gesundheitsminister. Sollten sich wieder Infektionsherde bilden, müssten die Cluster "ganz, ganz schnell" erkannt werden.

"Massiv verstärken" will Anschober die PCR-Tests, und zwar vor allem in Alters- und Pflegeheimen sowie in den Gesundheitsberufen, wozu auch die mobile Pflege zähle, wie er betonte. "In diesem Bereich wird es ein großes Zusatzprogramm an Testungen und Handlungsanleitungen und Schutzmaßnahmen wie in Spitälern geben", erklärte der Minister. Zukünftig sollen auch Hausärzte anordnen dürfen, dass PCR-Tests gemacht werden. Grundsätzlich müssten niedergelassene Ärzte "viel stärker" in Testungen eingebunden werden, bekräftigte der Gesundheitsminister.

Schrittweise sollen nicht lebenswichtige Operationen, die man bisher aufgrund der Corona-Krise zurückgestellt hat, wieder ermöglicht werden. Die Kurhäuser bleiben dagegen bis auf Weiteres geschlossen, die Reha-Einrichtungen, die bei Bedarf für Corona-Patienten zur Verfügung stehen, behalten vorerst weiter diese Funktion.

Düstere Lage in Großbritannien

In Deutschland sind bis Freitagnachmittag über 115.000 Corona-Infektionen registriert worden, mindestens 2.459 mit Sars-CoV-2 Infizierte sind bisher gestorben, ergab eine Auswertung der Bundesländerzahlen. In der Schweiz sind mittlerweile tausend Menschen an der Lungenkrankheit Covid-19 gestorben, so das Ergebnis aufgrund der Analyse der Kantonszahlen. Düster war die Lage indes in Großbritannien, wo am Freitag erstmals mehr Covid-19-Todesfälle an einem einzigen Tag als in Italien registriert wurden. Sie stieg bis Donnerstagabend um 980 Personen - Italien hatte an seinem schlimmsten Tag am 27. März 969 Sterbefälle erfasst. Insgesamt lag die Zahl in Großbritannien bei fast 9.000 Toten, der Höhepunkt dürfte hier erst noch folgen.

In Italien sinkt die Zahl neuer Todesopfer weiterhin, die Zahl der Gestorbenen seit Pandemie-Beginn war jedoch auf insgesamt 18.849 angewachsen, die Zahl der Patienten auf der Intensivstation lag bei 3.497 - diese Zahl ist seit einer Woche schon rückgängig - 28.242 Covid-Patienten befanden sich noch in den Spitälern. Die Zahl der Genesenen überschritt die 30.000-Marke.

17.000 Tote in den USA

In Südkorea ist nach Angaben von Behörden bei 91 von einer Coronavirus-Infektion genesene Menschen die Krankheit Covid-19 erneut ausgebrochen. Der Direktor des Zentrums für Krankheitsbekämpfung KCDC ging davon aus, dass das Virus "reaktiviert" worden sei, eine Neuinfektion schloss er eher aus.

Alarmierend nahm die Zahl der Virus-Toten in den USA zu, die nun die Schwelle von 17.000 überschritten hat. Laut Regierungsvertretern sei mit einer alarmierenden Zunahme der Todesfälle zu rechnen, auch wenn es in New York - dem Zentrum des Ausbruchs - Anzeichen für eine Abschwächung bei Neuinfektionen gebe. Der Gouverneur des US-Bundesstaates warnte vor neuen Infektionswellen. In den USA, mit bisher mehr als 461.000 Corona-Infizierten und damals noch 16.500 Todesfällen betrug die Sterberate 3,6 Prozent. Das entspricht fünf Toten pro 100.000 Einwohner, so die Angaben der Johns Hopkins-Universität in der US-Stadt Baltimore.

Zum Vergleich: In Italien sind bisher 12,7 Prozent der Corona-Infizierten gestorben, das sind 30 Todesfälle pro 100.000, in Spanien starben bisher zehn Prozent der Erkrankten (33 Tote pro 100.000 Einwohner). Eine gute Chance zu überleben haben Corona-Patienten in Deutschland und Österreich. In beiden Ländern sterben 2,2 Prozent der Patienten (drei Tote pro 100.000 Einwohner). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte jedenfalls angesichts einer positiven Entwicklung in manchen Ländern Europas vor einer "alarmierenden Beschleunigung" in anderen, vor allem afrikanischen Ländern.

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