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Innenpolitik

"Mehr Risikobewusstsein": Anschober appelliert an die junge Generation

Von nachrichten.at/apa   31. Juli 2020 10:25 Uhr

Florian Thalhammer, Gesundheitsminister Rudolf Anschober, Miranda Suchomel - und der Babyelefant.

WIEN. Die Corona-Alterspyramide hat sich verschoben: Mittlerweile gehen die meisten Neuinfektionen mit dem Coronavirus von der jungen Generation aus. Diese Entwicklung stellte Gesundheitsminister Rudolf Anschober in einer Pressekonferenz am Freitag vor.

Gleich zu Beginn der Pressekonferenz feierte der bereits totgeglaubte Babyelefant ein Comeback. Gesundheitsminister Rudolf Anschober stellte einen Papp-Elefanten vor sein Rednerpult und betonte im Anschluss, dass man ihn sehr wohl noch brauche, obwohl eine Verletzung dieses Abstands österreichweit nicht mehr gestraft wird. Wir haben berichtet. 

Bei der Präsentation der aktuellen Zahlen erwähnte Anschober das Phänomen, dass sich seit Woche 25 die virologische Grundbasis wieder erhöht, auch erkältungserregende Rhinoviren sind wieder deutlich häufiger vorhanden. Der Reproduktionsfaktor liegt aktuell bei 1,07. Bei den Tests werde man laut Anschober die 900.000-Test-Marke bald überspringen. Aktuell werde mit den klassischen Tourismustests sowie mit großen Screenings gearbeitet.

Video: Die Pressekonferenz in voller Länge

Ein Phänomen in der aktuellen Entwicklung ist die Altersentwicklung: In der Startphase der Pandemie gab es viele junge Corona-Infizierte, Anschober begründete dies damit, dass ältere Leute in dieser Zeit weniger Wintersport betrieben haben oder generell gereist sind. Danach hat sich die Alterspyramide verschoben, ab der schrittweisen Öffnung am 12. April waren die meisten Infizierten ältere Menschen. In der letzten Woche gab es kaum mehr Neuinfektionen in der älteren Generation, sehr viel hingegen bei den Jungen. Als Beispiel nannte Anschober den Sonderfall St. Wolfgang, wo das Cluster durch infizierte Praktikanten seinen Ausgang nahm. Es sei aber ein Grundtrend feststellbar: "Diese Entwicklung sollte gerade auch jungen Leuten zu denken geben", appellierte Anschober.

Mit Händewaschen Infektionen vermeiden

Während Florian Thalhammer (Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Infektiologie) oftmals die Wichtigkeit des Mund-Nasen-Schutzes betonte, schaffte Hygienikerin Miranda Suchomel von der Universität Wien (Institut für Hygiene und Angewandte Immunologie) ein Bewusstsein für häufiges Händewaschen. Hände seien "Transportweg Nummer 1" für Mikroorganismen, mit einer entsprechenden Basishygiene könne man viele Infektionen vermeiden. Suchomel kritisierte außerdem das fehlende Hygienebewusstsein in der Bevölkerung: "Es ist peinlich, dass es dafür eine Pandemie braucht."

Anschober begrüßt Vorschlag für Labors in Grenznähe

Den Vorschlag für Coronatest-Labors in Grenznähe hat Anschober begrüßt. Er versprach auch weitere Verbesserungen im Bereich des Grenzmanagements. Hier gab es Kritik daran, dass die Qualität der von Einreisenden mitgebrachten Tests nicht gewährleistet sei und die auszufüllenden Quarantäne-Erklärungen teils völlig unleserlich seien.

Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) brachte diese Kritikpunkte vor und sprach sich für kostenlose Coronatests an Österreichs Grenzen aus. "Nur weil es der Peter vorgeschlagen hat, heißt es nicht, dass es nicht sinnvoll ist", meinte Anschober am Freitag schmunzelnd dazu. Er arbeite gut mit dem Wiener Stadtrat zusammen und würde Testmöglichkeiten, "vielleicht nicht direkt an der Grenze, aber in Grenznähe begrüßen". Das sei grundsätzlich gut, die Frage sei nur, "wie schnell und flächendeckend" man das machen könne.

Man setze derzeit auf eine Informationsoffensive. Die Reiseheimkehrer würden darüber informiert, wo sich ein Labor befindet und wie sie sich testen lassen können. "Die Informationen für die Betroffenen müssen da sein", so Anschober.

Was die unleserlichen Formulare betrifft, sei man mit dem Innenministerium in Kontakt. "Da kann es Einzelfälle geben, wo es Zuordnungsschwierigkeiten gibt". Aber auch bei einer Digitalisierung der Formulare könne es zu falschen Einträgen kommen, sagte der Minister. "Wir suchen nach Verbesserungsoptionen." Mit dem Außenministerium diskutiere man wiederum die Qualität von Tests aus dem Ausland und wie man diese prüfen können. Hier sieht Anschober die WHO gefordert. Man werde die Weltgesundheitsorganisation diesbezüglich kontaktieren.

Appell an Tourismusbetriebe

Einen weiteren Appell adressierte Anschober an die Tourismusbetriebe, das kostenlose Coronatest-Angebot für Mitarbeiter anzunehmen. "Ich würde dringend jedem Betrieb raten, das Angebot anzunehmen zur Gratis-Testung". Dabei zeigte er Verständnis für die Sorgen der Betriebe, was passiert, wenn jemand positiv getestet wird.

Es gehe nicht der ganze Betrieb zugrunde, wenn ein Test positiv ist. "Es wird nicht der ganze Betrieb geschlossen. Wir haben ganz gute Mechanismen", sagte Anschober. "Es wäre wichtig, dass sich eine Kultur für das Testen entwickelt und man Tests als Werbung verwendet", appellierte Anschober an die Tourismusbetriebe, "das Angebot anzunehmen und groß einzusteigen". "Es tut nicht weh und es ist ein großartiges Angebot."

In Österreich könnten sich derzeit alle Tourismusmitarbeiter mit Gästekontakt freiwillig auf Covid-19 testen lassen. Bis zu 65.000 PCR-Abstriche sollten damit wöchentlich möglich werden, erreicht wurde diese Zahl bisher aber nicht annähernd, weil die Betriebe Angst vor Schließungen haben.

"Eine Verpflichtung können wir nicht aussprechen", sagte Anschober dazu. Das sei gesetzlich nicht möglich und so setzt der Minister weiter auf die Freiwilligkeit. In anderen Bereichen habe keiner jemals einen Test verweigert. "Die Leute wollen es. Ich kenne niemanden, der einen Test abgelehnt hat", so der Minister.

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