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Innenpolitik

"Kunden zahlen Gewinne der Gierkonzerne": Spar will Preistreiber boykottieren

Von nachrichten.at/apa   10. August 2022 12:53 Uhr

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Brot, Milch, Mehl, Eier und Butter wurden empfindlich teurer.

WIEN/SALZBURG. Die kritischen Aussagen von Spar-Vorstand Markus Kaser müssen überprüft werden, fordert SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner.

Er sieht "maßlos überzogene Preisforderungen von manchen Lebensmittelherstellern", sagte der Spar-Marketing-Vorstand zur Kleinen Zeitung. Denn "die Gewinne dieser börsennotierten Gierkonzerne zahlen die Kunden."

Als Produzent von Eigenmarken wisse man über die Preise von Rohstoffen und Verpackung Bescheid, erklärte Kaser. Kürzlich habe ein europäischer Lebensmittelkonzern angeklopft und wollte die Einstandspreise für Milch, Milchprodukte und Käse um 27 Prozent erhöhen. "Wir haben das dann durchgerechnet und sind auf einen Anstieg der Produktionskosten von vier Prozent gekommen", wurde Kaser in dem Bericht zitiert. Dass die überzogene Forderung mit dem Krieg in der Ukraine begründet wurde, werde man bei Spar nicht akzeptieren. 

Die Supermarktkette nimmt sich vor, gegen die Preistreiber anzukämpfen, kündigte Kaser an. "Werden Produkte im Einkauf zu teuer, nehmen wir sie aus dem Sortiment und bieten Alternativen von anderen Herstellern oder von unseren Eigenmarken an." Sowohl S-Budget als auch die Bioschiene Natur pur werde vor dem Hintergrund der Inflation öfter gekauft.

Sonderbericht bei Bundeswettbewerbsbehörde gefordert

Am Mittwoch hat sich SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner zu den kritischen Aussagen geäußert. "Die Aussagen des Spar-Vorstandes untermauern den Verdacht der Preistreiberei auch im Lebensmittelbereich", sagte sie. Die Bundeswettbewerbsbehörde solle eine Branchenuntersuchung am Lebensmittelsektor entlang der Wertschöpfungskette durchführen, um festzustellen, "wer hier die Krisensituation ungerechtfertigt ausnützt".

Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) wirft sie eine Missachtung des Preisgesetztes vor und droht ihm mit einer Ministerklage in Sachen Spritpreise bei der nächsten Nationalratssitzung, sollte er nicht umgehend handeln. So müsse der Minister einen Sonderbericht bei der Bundeswettbewerbsbehörde zu den Lebensmittelpreisen anfordern.

SPÖ pocht auf Spritpreisdeckel

Rendi-Wagner verwies heute auch auf die Kritik der Wettbewerbsbehörde an der Preisgestaltung der Mineralölindustrie. "Für jeden Volltank zahlt der österreichische Autofahrer mindestens um zwölf Euro zu viel", verwies sie auf Erkenntnisse der Behörde vom Juli. Rendi-Wagner pocht auf das Preisgesetz, dass vorsehe, dass der Wirtschaftsminister bei ungerechtfertigt hohen Preisen an den Zapfsäulen nicht nur ermächtigt, sondern verpflichtet sei, einzugreifen. Die SPÖ-Chefin verweist auch auf Kroatien und Slowenien, wo es einen Preisdeckel an den Tankstellen gibt.

"Wie lange will die Bundesregierung der Preistreiberei noch zusehen? Eine ordentliche, funktionierende Preiskontrolle in Österreich ist dringend notwendig. Darauf müssen sich die Menschen verlassen können. Bundeskanzler (Karl) Nehammer und Wirtschaftsminister (Martin) Kocher müssen endlich dafür sorgen, dass es eine effektive Kontrolle gibt und Missstände beseitigt werden", so Rendi-Wagner zur APA.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch ergänzte heute: "Die SPÖ hat vor Monaten konkrete Pläne zur Entlastung der Menschen vorgelegt: einen Preisdeckel auf Energie und Sprit, das befristete Aussetzen der Mehrwertsteuer auf Strom, Gas, Sprit und Lebensmittel sowie das Einfrieren der Mieten bis 2025."

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