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Koalition einigte sich auf neue Regelung bei Handy-Sicherstellung

Von nachrichten.at/apa, 13. Juni 2024, 16:07 Uhr
"Das Smartphone ist das Schweizer Messer unseres Lebens"
(Symbolbild) Bild: APA/AFP/Sankar

WIEN. Die Regierung hat sich auf eine Neuregelung der Sicherstellung von Mobiltelefonen und Datenträgern geeinigt.

Ein entsprechender Gesetzesentwurf wurde am Donnerstag im Nationalrat eingebracht. Die bisherigen Bestimmungen waren im Vorjahr vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) mit 1. Jänner 2025 aufgehoben worden - unter anderem, weil sie Sicherstellungen ohne richterliche Genehmigung erlaubten.  Darüber hinaus werden weitere Punkte der Strafprozessordnung neu geregelt.  Seit in diversen Chataffären auch viel Privates publik wurde, fordert zudem vor allem die ÖVP strengere Regeln für die Sicherstellung und Auswertung.

Die derzeitige Regelung zur Handy-Sicherstellung verstößt laut VfGH gegen das Recht auf Privatleben und das Datenschutzgesetz. Bereits in seinem Erkenntnis stellte das Höchstgericht daher Leitplanken für eine Neuregelung auf: Neben dem Richtervorbehalt wurde etwa auch festgehalten, dass ein Richter im Fall einer Bewilligung auch festzulegen hat, welche Datenkategorien und -inhalte aus welchem Zeitraum und zu welchen Ermittlungszwecken ausgewertet werden dürfen. Außerdem müssten öffentliches Interesse an der Strafverfolgung und die Grundrechte der Betroffenen gegeneinander abgewogen werden.

Neue Regelung

Mit ihrer Neufassung will die Koalition dem nun nachkommen. Ab 1. Jänner 2025 soll für die Sicherstellung von Daten(-trägern), wie z.B. Smartphones oder Laptops bzw. den damit zugänglichen Cloudservices eine neue Regelung zur "Beschlagnahme von Datenträgern und Daten" geschaffen werden. Diese gilt dabei laut einer Aussendung des Justizministeriums für alle Geräte, die Daten speichern, wenn die Strafverfolgungsbehörden auf die Daten zugreifen möchten (also z.B. nicht, wenn auf einem Smartphone nur ein Fingerabdruck gesichert werden soll).

Will die Staatsanwaltschaft künftig ein Handy sicherstellen, muss sie wie schon bisher ihr Vorhaben begründen - nicht mehr in einer Sicherstellungsanordnung, sondern per Antrag ans Gericht. Dabei müssen die später aufzubereitenden Datenkategorien und Dateninhalte sowie der Zeitraum festgelegt werden (als Beispiel nennt das Justizministerium das Anrufprotokoll und alle Messengernachrichten in einem bestimmten Zeitraum oder die Fotodateien in einem bestimmten Speicherzeitraum). Dies muss dann vom Gericht bewilligt werden, erst anschließend kann die Staatsanwaltschaft die Beschlagnahme durch die Kriminalpolizei anordnen.

Anschließend dürfen bei der Datenaufbereitung nur die bewilligten Datenkategorien im bewilligten Zeitraum ausgelesen werden, und zwar ohne eine inhaltliche Bewertung. Aus einer Originalsicherung, die nicht mehr verändert wird, muss dann eine Arbeitskopie erstellt werden. So soll sichergestellt werden, dass tatsächlich nur die "erlaubten" Daten ausgewertet werden. Erst diese werden dann der Staatsanwaltschaft bzw. Polizei übermittelt.

Gerichtliche Bewilligung um weitere Daten auszuwerten

Sollten neue Verdachtsmomente dazukommen, können per neuer gerichtlicher Bewilligung weitere Daten ausgewertet werden. Wenn in den aufbereiteten Daten Hinweise auf andere Straftaten gefunden werden (sogenannte "Zufallsfunde"), kann (bzw. muss) die Staatsanwaltschaft diesen nach einem neuerlichen gerichtlichen Antrag weiter nachgehen.

Bei Gefahr in Verzug darf die Polizei weiter das Handy physisch sicherstellen, wenn etwa jemand auf frischer Tat ertappt wird. Für eine Beschlagnahme muss die Staatsanwaltschaft aber weiter das Gericht anrufen.

Als Rechtsschutz ist vorgesehen, dass der Rechtsschutzbeauftragte der Justiz überprüfen darf, ob eine Auswertung auch tatsächlich im Rahmen der gerichtlichen Bewilligung erfolgt ist. Sowohl Beschuldigte und Opfer können dies beantragen, die Staatsanwaltschaft darf es anregen.

Sowohl Opfer und Beschuldigte können außerdem eine Auswertung der aufbereiteten Daten beantragen. Sollte ein Opfer etwa Kenntnis von einem bestimmten Beweis auf einem Handy haben (z.B eine via WhatsApp geäußerte Drohung), kann es die Staatsanwaltschaft auffordern, nach genau diesem zu suchen. Jene Person, deren Datenträger beschlagnahmt worden ist, hat außerdem immer die Möglichkeit, die Ergebnisse der Datenaufbereitung einzusehen.

Ermittlungen sicherstellen

"Bei der Neuregelung der Handysicherstellung waren mir zwei Punkte besonders wichtig", so Justizministerin Alma Zadic (Grüne). "Einerseits, dass wir die Vorgaben des VfGH - der uns eine Neuregelung aufgetragen hat - genau umsetzen. Andererseits, dass wir die Ermittlungen der Staatsanwaltschaften und Kriminalpolizei gerade in den Bereichen Organisierte Kriminalität, Terror und Korruption weiterhin sicherstellen." Für Verfassungsministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) sind dies "längst überfällige Regelungen, die die Beschuldigtenrechte im Strafverfahren deutlich stärken", betonte sie in einer Aussendung. "Die Sicherstellung und Auswertung von Handys und aller darauf befindlichen Daten wird entsprechend den technischen Gegebenheiten und grundrechtskonform ausgestaltet."

Darüber hinaus sollen weitere Punkte in der Strafprozessordnung reformiert werden. Opfer erhalten die Möglichkeit, gegen eine Anzeigenrücklegung vorzugehen - sie bekommen dazu ab dem ersten Tag Akteneinsicht (ebenso Beschuldigte). Außerdem wird die Prozessbegleitung für minderjährige Zeugen von Gewalt erweitert, Bezirksgerichte und Gerichtshöfe erster Instanz erhalten künftig Spezialzuständigkeiten für Verfahren wegen häuslicher Gewalt.

Bei Einbringung eines Antrags auf Einstellungen soll es durch den Wegfall von Fristen zu Vereinfachungen kommen. Außerdem sollen Staatsanwaltschaften durch die Vereinfachung der Regeln zur Einleitung von Ermittlungsverfahren entlastet werden. Oberlandesgerichte werden wiederum verpflichtet, letztinstanzliche rechtskräftige Entscheidungen zu veröffentlichen. Die Neuregelungen sind für Zadic "die größte Justiz-Reform der letzten 20 Jahre". Damit sorge man dafür, "dass die österreichische Justiz auch für die Herausforderungen der nächsten 20 Jahren gewappnet bleibt und stärken weiter das ungebrochen hohe Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz".

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7  Kommentare
7  Kommentare
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fam.beham@gmx.at (464 Kommentare)
am 14.06.2024 06:50

genauso wie FS u neuerlich Auto sollte das Handy bei Benutzung sofort abgenommen werden, kann man sofort feststellen obs gerade benutzt wurde, u wenn ja einziehen ist schließlich Allgemeingefährdung, fahren genug auf d falschen Seite dann is Ach u Weh wenn jemand stirbt

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linz2050 (6.792 Kommentare)
am 13.06.2024 21:38

Auffallend ist das sich hier die Rechten Berufsposter nicht äußern!

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linz2050 (6.792 Kommentare)
am 13.06.2024 21:36

Der richtige Weg wäre:
Sicherstellung erleichtern ... aber die Auswertung nur nach Richterlichen Beschluss. Somit würde verhindert das Daten gelöscht werden und eventuell nicht mehr hergestellt werden können.

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jack_candy (8.182 Kommentare)
am 13.06.2024 17:53

Höchste Zeit, dass da etwas geändert wird.

Bisher konnte das Handy viel zu leicht beschlagnahmt werden, auch bei Vorwürfen, für die kein Richter jemals eine Telefonüberwachung genehmigen würde. Und das ist ein wesentlich geringerer Eingriff in die Privatsphäre.
Die Verhältnismäßigkeit und auch die Privatsphäre wurden dabei komplett missachtet.

Einige Fälle betrafen zudem Journalisten. Da wurde auch noch das Redaktionsgeheimnis ignoriert.

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soistes (951 Kommentare)
am 13.06.2024 16:13

Falscher Ansatz. und viel zu kompliziert.
Wer nichts zu verbergen hat, hat Auch nichts zu befürchten. So schaut's aus.

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jack_candy (8.182 Kommentare)
am 13.06.2024 17:51

Diesen dummen und verlogenen Spruch glauben Sie wirklich?

Jeder hat etwas zu verbergen, und sei es nur wegen der Privatsphäre.

Es geht niemanden (und schon gar nicht die Staatsanwaltschaft oder Polizei) etwas an, welche Fotos ich auf dem Handy gespeichert habe, mit wem ich welche Messages ausgetauscht habe und wann ich mit wem telefoniert habe.

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glingo (5.090 Kommentare)
am 14.06.2024 06:31

Warum schreiben sie dann nicht in ihrem Klarnamen?
haben sie doch was zu verbergen?

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