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Innenpolitik

Klarstellung der österreichischen Chefredakteure nach "Ibiza-Affäre"

Von nachrichten.at   14. Juni 2019 15:52 Uhr

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WIEN. Die Chefredakteurinnen und Chefredakteure der österreichischen Zeitungen und Magazine sowie der Nachrichtenagentur APA warnen nach der "Ibiza-Affäre" um den ehemaligen Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache die Politik vor Zu- und Übergriffen auf Medien und veröffentlichen eine gemeinsame Erklärung.

Eine Klarstellung

Vor vier Wochen veröffentlichten die "Süddeutsche Zeitung" und "Der Spiegel" das sogenannte Ibiza-Video. Seither haben sich die Ereignisse überstürzt. Eine Übergangsregierung führt das Land und die Ursache für den Sturz der Regierung ist fast in Vergessenheit geraten. Die Suche nach den Urhebern, so wichtig sie ist, überdeckt die demokratiegefährdenden Aussagen, die das Video dokumentiert.

Leicht gerät in Vergessenheit, dass da der FPÖ-Chef unmissverständlich erläuterte, wie man ausländische Geldspenden an Kontrollorganen vorbei seiner Partei zukommen lassen könnte; Vergessen scheinen seine Erklärungen, wie seine Partei dem Spender zu profitablen staatlichen Aufträgen verhelfen wollte; Vergessen der Plan, eine große Zeitung mithilfe russischer Investoren in den Griff zu bekommen, auch, um unliebsame Journalistinnen und Journalisten zu entfernen.

Dass Politik vom direkten Zugriff auf Medien träumt, ist in Österreich keine besondere Eigenschaft einer einzigen Partei. Wer Macht hat oder will, sucht auch nach Wegen, die Kontrollore dieser Macht zu kontrollieren. Wohin das führt, können wir in Ungarn beobachten, einem Land, das der damalige FPÖ-Chef in dem Video ausdrücklich als Vorbild nennt.

Unabhängige Medien sind in einer liberalen Demokratie kein Instrument des Machterwerbs und Machterhalts einer Partei oder mächtiger Interessensgruppen, kein Instrument zur Manipulation der Leserinnen und Leser. Bei allen Mängeln, die man ihnen vorhalten kann, sind sie ein wichtiges Korrektiv der Politik. Wer, wenn nicht diese 'vierte Macht', könnte Missstände und Machtmissbrauch sichtbar machen?

Wer die Grenze zwischen Journalismus und Politik missachtet, gefährdet die Grundlagen der Demokratie. Da diese Selbstverständlichkeit offenbar in Frage steht, ist es uns wichtig, in aller Klarheit daran zu erinnern.

Johannes Bruckenberger (Chefredakteur APA), Florian Klenk (Chefredakteur Falter), Rudolf Mitlöhner (Chefredakteur Die Furche), Hubert Patterer (Chefredakteur Kleine Zeitung), Christoph Dichand (Chefredakteur Kronen Zeitung), Klaus Herrmann (geschäftsführender Chefredakteur Kronen Zeitung), Martina Salomon (Chefredakteurin Kurier), Kathrin Gulnerits (Chefredakteurin News), Walter Fahrnberger und Daniel Lohninger (Chefredakteure Niederösterreichische Nachrichten), Gerald Mandlbauer (Chefredakteur Oberösterreichische Nachrichten), Rainer Nowak (Chefredakteur Die Presse), Christian Rainer (Chefredakteur profil), Manfred Perterer (Chefredakteur Salzburger Nachrichten), Alois Vahrner und Mario Zenhäusern (Chefredakteure Tiroler Tageszeitung), Martin Kotynek (Chefredakteur Der Standard), Andreas Weber (Chefredakteur Trend), Christian Haubner (Chefredakteur Oberösterreichisches Volksblatt), Gerold Riedmann (Chefredakteur Vorarlberger Nachrichten), Walter Hämmerle (Chefredakteur Wiener Zeitung).

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