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Innenpolitik

Unsicherheit von Antigen-Tests als "zentrales Problem"

21. November 2020 11:01 Uhr

In zwei Wochen beginnen die ersten Massentestungen in Österreich
Massentestung am Freitag in einem Turnsaal in Bozen: In manchen Südtiroler Gemeinden reservierten 85 Prozent der Bevölkerung einen Termin.

WIEN. Auch Österreich schlägt im Kampf gegen die Pandemie ein neues Kapitel auf: In zwei Wochen beginnen erste Massentestungen. Gesundheitsminister Anschober (Grüne) sieht die Unsicherheit von Antigen-Tests als "eines der zentralen Probleme".

Seit Freitag läuft in Südtirol der dreitägige Corona-Massentest. Der Zustrom ist enorm, in einigen Orten bildeten sich Schlangen. In der Gemeinde Terlan hatten sich 85 Prozent der Bewohner über das Vormerksystem einen Termin gesichert.

Auch Österreich schlägt im Kampf gegen die Pandemie ein neues Kapitel auf: In zwei Wochen beginnen erste Massentestungen.

Anschober: Positive Ergebnisse werden mit PCR geprüft

Bei den ab 5. Dezember geplanten Massentests auf das Coronavirus in Österreich sieht Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) die Unsicherheit von Antigen-Tests als "eines der zentralen Probleme". Das sagte er im Interview mit der Tageszeitung "Die Presse" (Samstagsausgabe). "Daher werden wir bei positiven Ergebnissen nachtesten", versicherte der Minister zur Frage nach aussagekräftigeren PCR- oder Lamp-Tests und einem gewissen Anteil von falsch positiven Antigen-Tests.

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Wie bei den Tests von bis zu 200.000 Lehrern am 5./6. Dezember soll sich in weiterer Folge auch die Gesamtbevölkerung an einem Wochenende testen lassen können. "Wir sehen uns am Wochenende ganz genau das Organisationsmodell der Massentestungen in Südtirol an. Es scheint mir bisher das beste zu sein, also: geblockt an einem Wochenende mit vielen Testmöglichkeiten und einer starken Digitalisierung bei der Umsetzung, um Wartezeiten zu vermeiden", sagte Anschober. Er betonte drei Grundprinzipien der Massentestungen: "Freiwilligkeit, Wiederholung und eine gute Kommunikation, die keine falschen Sicherheiten schafft".

So werden Testungen ablaufen

Am Wochenende 5./6. Dezember, also zum Ende des Lockdowns, können sich alle 200.000 Lehrer und Kindergartenbetreuer testen lassen. Am Montag und Dienstag folgen 40.000 Polizisten. Kurz vor Weihnachten ist eine breit angelegte Testreihe für die gesamte Bevölkerung geplant. Die Teilnahme ist freiwillig.

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Große Beteiligung erwartet

Die Regierung geht von einer großen Beteiligung aus und hat sieben Millionen Antigen-Tests (Kosten: 50 Millionen Euro) bestellt; weitere Orders sind geplant. Verwendet werden Produkte der Firmen Roche (vier Millionen Tests) und Siemens (drei Millionen Tests).

Die zentrale Abwicklung und Steuerung der Massentests liegt beim Bundesheer und im Gesundheitsministerium. Mehrere tausend Soldaten werden die Abwicklung unterstützen.

Daneben werden die Gesundheitsbehörden, Blaulichtorganisationen, Feuerwehren sowie freiwillige Helfer im Einsatz sein.

Die Probenentnahmen werden ausschließlich von geschultem Gesundheitspersonal durchgeführt. Das Ergebnis eines Antigen-Tests liegt nach rund 15 Minuten vor.

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Zweiter Durchgang im Jänner

Welche Altersgruppen getestet werden sollen, ist noch nicht restlos geklärt. Im Gespräch sind Tests ab zehn Jahren – ähnlich wie in der Slowakei, die als erstes Land den Massentest für die Bevölkerung durchgeführt hat.

Zur Vorbereitung der Untersuchungen vor Weihnachten werden in der ersten Dezemberwoche in ausgewählten Gemeinden Gratis-Testungen der Bewohner durchgeführt. Zu Jahresbeginn 2021 ist dann eine zweite Massentest-Reihe im ganzen Land geplant.

Die Regierung hofft, damit weitere Lockdowns auszuschließen.

"Einige Minuten für einen Test können einige Wochen Lockdown des ganzen Landes verhindern", wirbt Bundeskanzler Sebastian Kurz (VP) um Akzeptanz: "Wir bitten die gesamte Bevölkerung, dieses bundesweite Projekt zu unterstützen und sich daran zu beteiligen. Diese Massentests sind bis zur Impfung eine große Chance für Österreich, den Weg zur Normalität zurückzufinden."

Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (VP) verweist auf die Expertise des Militärs bei derartigen Einsätzen; Bundesheerangehörige haben bereits bei der Aktion in der Slowakei Erfahrungen gesammelt.

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"Sicherer Schulbetrieb"

Auch Bildungsminister Heinz Faßmann (VP) sieht das Vorhaben positiv. "Mit den Massentests können wir die Gesundheit unserer Lehrkräfte schützen und gleichzeitig einen sicheren Schulbetrieb nach dem Lockdown starten."

Der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger steht den freiwilligen Massentests am Wochenende vor dem Schulbetrieb offen gegenüber. "Grundsätzlich halte ich das Angebot, sich freiwillig testen zu lassen, für positiv", sagt der Christgewerkschafter: "Das gibt mehr Sicherheit." (chk)

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