Lade Inhalte...

Innenpolitik

Gleicher Lohn: "Bei diesem Tempo dauert es bis 2055"

Von Michael Schäfl  24. Mai 2022 00:04 Uhr

Frauenreferentin Christine Haberlander (VP).

LINZ. Gleiche Arbeit, gleiche Position, ungleiches Gehalt: In Oberösterreich verdienen Frauen um 21,1 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. In Wien ist der Unterschied mit zwölf Prozent bundesweit am niedrigsten.

Wie lange es dauern würde, bis man in Oberösterreich die Lohnschere geschlossen habe, wollte die SPÖ Oberösterreich in einer Anfrage von LH-Stellvertreterin und Frauenreferentin Christine Haberlander (VP) wissen. Eine Abschätzung sei nicht möglich, so die Antwort. Die Faktoren würden "ihrer eigenen Dynamik unterliegen".

Ein Blick auf die vergangenen zwölf Jahre lasse auf einen Trend schließen, so die SPÖ. Von 2010 bis 2020 schrumpfte die Ungleichheit jährlich um 0,69 Prozentpunkte. Bei diesem Tempo würde es bis 2055 dauern, bis die Lohngleichheit erreicht sei, sagt SP-Landesfrauenvorsitzende Renate Heitz. Bei den Pensionen sehe die Lage "noch verheerender aus". Frauen erhalten hierzulande 46,8 Prozent weniger Pension als Männer – bundesweit sind es 41,6. "Gleicher Lohn erst 2055 und gleiche Pensionen im nächsten Jahrhundert, das ist die bittere Realität für Frauen in unserem Land", sagt Heitz.

Große Unterschiede in Oberösterreich

„Frauen verrichten mehr unbezahlte Arbeit und sind öfter in Teilzeit“, sagt Doris Weichselbaumer, Leiterin des Instituts für Frauen und Geschlechterforschung an der JKU. „Zusätzlich wird in frauendominierte Branchen wie etwa der Pflege viel weniger bezahlt als in Männerberufen“. Ein Spalt, der in Oberösterreich unterschiedlich weit klafft. In der Stadt Linz ist der Einkommensunterschied zwischen ganzjährig vollzeitbeschäftigten Frauen und Männern am geringsten, bei 9,6 Prozent. Im Bezirk Steyr-Land am höchsten, hier sind es mehr als doppelt so viele Prozentpunkte wie in Linz, nämlich 23,2 Prozent.

„In Steyr arbeiten viele Männer in der Industrie“, sagt Weichselbaumer. „Die verdienen natürlich viel mehr als Frauen im Handel oder in der Pflege.“ Die berufliche Segregation, also die Auftrennung der Berufe auf „typisch weiblich, typisch männlich“ spiele eine große Rolle für geschlechtsspezifische Einkommensunterschiede. „Wenn Frauen und Männer eher in denselben Berufen arbeiten, schrumpft die Kluft natürlich“, sagt die JKU-Forscherin. „Schließt sich aber nicht, da Frauen auch in denselben Berufen oft weniger Geld bekommen.“

Der geringe Einkommensunterschied in Linz liege unter anderem daran, dass in den Städten die Auswahl an Tätigkeiten, die Frauen ausüben können, größer ist. Anders als in den ländlichen Regionen, wo nur wenige Dienstgeber zur Wahl stehen würden. Zusätzlich würden Frauen in Städten eher Vollzeit arbeiten als am Land. In Linz arbeiten mit 38,3 Prozent die meisten Frauen in Vollzeit, dicht gefolgt von den Städten Steyr und Wels. In den Bezirken Schärding, Perg und Rohrbach sind es die wenigsten. In Rohrbach geht nur jede vierte Vollzeit arbeiten.

Fehlende Kinderbetreuung

„Wenn das Angebot an Kinderbetreuung schlecht ist, kann Vollzeitberuf und Familie natürlich kaum vereint werden“, sagt Weichselbaumer. Daher würden viele Frauen Teilzeit arbeiten.

„Im Bereich der Kinderbildung erleben wir, welche Auswirkungen eine verfehlte Frauenpolitik auf unser Land hat“, sagt SP-Landesparteichef und Klubobmann Michael Lindner. „Der ländliche Raum wird von der Landesregierung im Stich gelassen. Frauen können unmöglich einem Beruf nachgehen.“ Das sei auch der Grund für den Fachkräftemangel in der Pflege.

Das Budget für 101 zusätzliche Kindergartengruppen für 1700 Kinder sei bereits beschlossen worden, sagt Haberlander. Die 22 Frauenberatungsstellen würden täglich Frauen dabei unterstützen, Beruf und Familie zu verbinden. Vor vier Jahren wurde die Frauenstrategie Frauen.Leben 2030 einstimmig im Landtag beschlossen. Zur Umsetzung der Ziele wie fairer Entlohnung und Umschulungen und um die Lohnschere zu schließen brauche es nun auch genug Budget, nicht nur das des Frauenressorts. „Deshalb muss hier das gesamte Budget des Landes bzw. der verschiedenen Ressorts herangezogen werden“, sagt Haberlander.

 

Interessieren Sie sich für diesen Ort?

Fügen Sie Orte zu Ihrer Merkliste hinzu und bleiben Sie auf dem Laufenden.

Artikel von

Michael Schäfl

Redakteur Politik

Michael Schäfl

1  Kommentar 1  Kommentar