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Gesundheitsgespräche in Alpbach: Ungleichheit schädigt Demokratie

18.August 2019

Eröffnung des Europäischen Forums Alpbach

Inhaltlich im Mittelpunkt steht beim Forum das Generalthema "Freiheit und Sicherheit". Insgesamt werden bis 30. August rund 5.200 Teilnehmer erwartet, darunter auch heuer wieder prominente Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. 

In Alpbach erwartet werden im Laufe der zweieinhalb Forumswochen unter anderen EU-Kommissar Günther Oettinger, der Generalsekretär der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Thomas Greminger, der Direktor der EU-Grundrechteagentur (FRA), Michael O'Flaherty, die Präsidentin der UNO-Generalversammlung, Maria Fernanda Espinosa Garces und der ehemalige UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon.

Von österreichischer politischer Seite nehmen Bundespräsident Alexander Van der Bellen und zahlreiche Mitglieder der Bundesregierung an den Veranstaltungen teil. Angekündigt sind etwa Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein, Vizekanzler und Justizminister Clemens Jabloner, Außenminister Alexander Schallenberg und Verteidigungsminister Thomas Starlinger.

Auftakt der Gesundheitsgespräche

Wachsende soziale Ungleichheit bedroht die Gesundheit der Menschen, die Gesellschaft und die Demokratie - im Endeffekt auch die Wirtschaft. Dies erklärte US-Wirtschaftsnobelpreisträger (2001) Joseph Stiglitz Sonntagabend zur Eröffnung der Alpbacher Gesundheitsgespräche. 

"Wir befinden uns ein einem veritablen Krieg, in dem unsere Demokratien in Gefahr sind. Bei exzessiver Ungleichheit funktioniert unser System von 'Checks' und 'Balances' nicht mehr. Wir können diesen Krieg nur gewinnen, wenn wir uns dessen bewusst sind, dass unsere ganze Zivilisation auf dem Spiel steht", sagte Stiglitz.

Soziale Ungleichheit schädigt die Gesundheit und in Folge auch die Wirtschaft

"In den USA beträgt das Einkommen eines durchschnittlichen männlichen Arbeitnehmers heute genauso viel wie vor 42 Jahren. Die geringsten Einkommen sind auf dem selben Stand geblieben wie vor 60 Jahren. Die obersten ein Prozent verfügen über 40 Prozent des Reichtums in den USA. 26 US-Bürger haben so viel Vermögen wie die 3,9 Milliarden Menschen mit dem geringsten Wohlstand. Diese 26 US-Bürger gehen in einen Minibus", sagte Stiglitz.

In den USA hat die Entwicklung - gemeinsam mit dem für die breite Gesellschaft völlig unzureichenden Sozialversicherungswesen - zu dramatischen Konsequenzen für die Gesundheit geführt. "Die USA geben pro Kopf mehr als doppelt so viel für die Gesundheit aus wie Österreich. Aber in den vergangenen drei Jahren ist in den USA die Lebenserwartung ständig gesunken. "Der Rückgang der Lebenserwartung ist auf die Drogentoten durch Überdosierung, durch Alkohol und Selbstmorde zurückzuführen", betonte der Wirtschaftsnobelpreisträger. 

Fehle es aber an Gesundheit, fehle es auch an gesunden und produktiven Arbeitskräften, warnte Stiglitz. Das schädige im Endeffekt auch die Wirtschaft. Im Endeffekt aber bedrohten die soziale Ungleichheit und das neoliberale Experiment aber bereits die Gesellschaft, Demokratie und die Zivilisation mit den Errungenschaften seit der Aufklärung.

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15. Oktober 2019