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Innenpolitik

Gasspeicher-Füllung läuft nicht nach Plan: Krisensitzung am Dienstag

02. Juli 2022 00:04 Uhr

WIEN. „Die Lage ist ernst“, sagt Ministerin Gewessler - Einspeicherung von Gas für den Winter ist diese Woche merklich zurückgegangen.

Die Gasspeicher in Österreich füllen sich aktuell nicht so schnell wie gehofft. Wie die zuständige Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) am Freitag mitteilte, ist die Einspeicherung in die österreichischen Speicher seit Dienstag dieser Woche „merklich zurückgegangen“.

„Die Lage ist ernst. Es ist wichtig, dass wir die Ursachen genau analysieren“, teilte Gewessler mit. Am Dienstag werde man in der Bundesregierung über mögliche weitere Schritte entscheiden. Oberste Priorität habe immer „die sichere Versorgung von Haushalten und sozialen Einrichtungen.“

Österreich hatte am 30. März die Frühwarnstufe, die erste Stufe des dreistufigen Gasnotfallplans, ausgerufen. Deutschland rief vergangene Woche die Alarmstufe aus, nachdem Russlands Staatskonzern Gazprom Mitte Juni die Lieferungen nach Europa gedrosselt hatte.
Ziel der Regierung ist, die Speicher bis zum Beginn der Heizsaison auf 80 Prozent zu füllen. „Sollte dieses Ziel gefährdet sein, wird auch in Österreich die Alarmstufe ausgerufen“, heißt es aus dem Klimaschutzministerium. Um das Ziel bis zum 1. Oktober zu erreichen, müssten in den nächsten 91 Tagen noch 33.512 Gigawattstunden – oder 368 GWh täglich – eingespeichert werden. Am Dienstag wurden nur 70,28 GWh eingespeichert, am Mittwoch waren es 218,77 GWh.

Hoher Gasfluss nach Italien

Eine der Ursachen für die niedrigen Einspeicherraten sind laut ersten Analysen auch hohe Gasexporte von Österreich nach Italien. Wie aus Daten der Austrian Gas Grid Management AG hervorgeht, sind am Dienstag bei Arnoldstein in Kärnten 505 GWh nach Italien geflossen. Für Freitag waren sogar rund 620 GWh an Gasmenge angemeldet. Zum Vergleich: In den vergangenen 30 Tagen flossen im Schnitt täglich 240 GWh nach Italien.

Die SPÖ machte Gewessler persönlich für die zurückgegangenen Gas-Einspeicherungen verantwortlich. „Das zeigt einmal mehr, dass sie gar nichts im Griff hat“, sagte SP-Energiesprecher Alois Schroll. „Eine Krise kennt kein Wochenende“, sagte Neos-Energiesprecherin Karin Doppelbauer: „Wenn die derzeitige Lage aufgrund der massiv gesunkenen Gaseinspeicherung ernst ist – warum will Gewessler dann erst am Dienstag beraten?“

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