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Innenpolitik

Ein pannonisches Tief trübt rote Großwetterlage

Von Lucian Mayringer  01. August 2020 00:04 Uhr

Ein pannonisches Tief trübt rote Großwetterlage
Vom gemeinsamen Jubel nach der Burgenland-Wahl ist wenig geblieben

WIEN. Die SPÖ beschäftigt sich wieder mit sich selbst, dahinter stehen Umfragewerte, aber vor allem persönliche Motive.

Es klingt wie ein Paradoxon, was die SPÖ derzeit erlebt. Die Partei konnte zu Jahresbeginn im Burgenland mit der Rückeroberung der absoluten Mehrheit durch Hans Peter Doskozil einen unverhofften Triumph feiern. Und in Wien, wo am 11. Oktober gewählt wird, steht Bürgermeister Michael Ludwig mit Umfragen von knapp unter 40 Prozent ebenfalls vor einem soliden Erfolg. Dennoch ist es der Bundespartei nur mit Mühe gelungen, die nächste Obfrau-Debatte um Pamela Rendi-Wagner unter der Decke zu halten.

Ausgelöst wurde die jüngste Welle von Doskozil, der in Serien-Interviews die Frage aufwarf, ob Rendi-Wagner angesichts bescheidener Umfragen bis maximal 20 Prozent die geeignete Spitzenkandidatin bei der Nationalratswahl 2024 sein kann. Assistierend sprang Doskozil der steirische Verfechter eines Linksrucks, Max Lercher, zur Seite. Die acht anderen SP-Landeschefs machten der Vorsitzenden gestern selten einig die Mauer. Man diskutiere, wenn dann intern, strafte man Doskozil weitgehend mit Schweigen.

Ihm und Lercher werden in Parteikreisen abseits der tatsächlich mageren Umfragewerte persönliche Motive unterstellt: Seit aus dem Inneren der Bundeszentrale durchgesickert ist, dass Lercher einen höchst lukrativen, mittlerweile aufgekündigten Beratervertrag hatte, herrscht Eiszeit zwischen ihm und Rendi-Wagner. Sie hatte davor Lercher bereits als Bundesgeschäftsführer abgesetzt.

Doskozil kämpft nach der 500-Millionen-Pleite der Commerzialbank Mattersburg gegen Haftungsansprüche, die gegenüber dem Land erhoben werden könnten. Die ÖVP wirft dem Ex-Verteidigungsminister zudem vor, den untergetauchten Ex-Wirecard-Manager Jan Marsalek bei dessen Plänen für eine Libyen-Truppe und auch FP-nahe Vereine unterstützt zu haben. Was dieser heftig zurückweist.

SP-intern konnte sich Doskozil bisher auf seine Achse mit Ludwig verlassen. Die jüngsten Manöver soll der wahlkämpfende Wiener Bürgermeister aber als Störaktionen aufgefasst haben. Bisher galt Doskozils dünne Stimme nach mehreren Kehlkopfoperationen als größtes Fragezeichen für den Fall, dass er mit dem Gedanken spielt, 2024 als roter Kanzlerkandidat anzutreten. Zuletzt sind Fragen zum taktischen Gespür des Burgenländers dazu gekommen.

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Lucian Mayringer

Redakteur Innenpolitik

Lucian Mayringer
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