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Innenpolitik

"Dann könnten wir bereits im Jänner mit den ersten Impfungen beginnen"

Von Annette Gantner  02. September 2020 00:04 Uhr

"Dann könnten wir bereits im Jänner mit den ersten Impfungen beginnen"
Anschober präsentierte die Entwicklungen der Corona-Zahlen.

WIEN. Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) rechnet damit, dass zu Jahresbeginn 300.000 Personen geimpft werden können.

Rund eine Stunde dauerte am Dienstag die Erklärung von Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) zur beginnenden "Phase vier" der Pandemie-Bekämpfung. Eine Überraschung behielt er sich für den Schluss vor. Falls die Zusagen der Produzenten halten und die Behörden eine Marktzulassung bewilligen, "dann könnten wir bereits im Jänner mit den ersten Impfungen in Österreich beginnen". Konkret geht es um 600.000 Impfdosen, die Österreich in einer ersten Tranche von der EU beziehen will. 300.000 Österreicher sollen damit geimpft werden, bevorzugt Personen, die in Gesundheitsberufen oder im Pflegebereich arbeiten.

Er selbst werde sich impfen lassen, sagte Anschober. Er hoffe, dass mindestens 50 Prozent der Österreicher denselben Schritt setzen werden. Der Gesundheitsminister lobte ausdrücklich die EU, die bereits mit dem Pharmakonzern Astra Zeneca einen Vertrag über den Ankauf des Impfstoffs unterzeichnet habe.

Leitartikel zum Thema:  "Der Gesundheitsminister wagt sich mit einer Prognose weit nach vor", schreibt OÖN-Politikredakteur Wolfgang Braun. [OÖNplus]

Video: Der Virologe Norbert Nowotny über die Chancen und Risken einer Corona-Impfung im Jänner.

Rede lange geplant

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Wie bereits zuvor Bundeskanzler Sebastian Kurz (VP) wies Anschober darauf hin, dass die kommenden Monate zur Herausforderung werden können. Offenbar wollte Anschober den Eindruck vermeiden, dass seine Rede eine Reaktion auf Kurz’ Erklärung sei: Er habe schon länger eine ausführliche Information zu Beginn der Phase vier geplant gehabt.

Nach dem Lockdown, den ersten Lockerungen Mitte April und den Grenzöffnungen sowie dem Comeback des Tourismus trete Österreich mit dem meteorologischen Herbstbeginn in besagte Phase vier ein. In dieser Phase gehe es nun darum, das Risiko einer zweiten Welle zu begrenzen. Anschober erinnerte an frühere Pandemien von der Spanischen Grippe bis zur Russischen oder Hongkong-Grippe. Jedes Mal sei die zweite Welle stärker gewesen.

Schon jetzt gebe es zu viele Infektionen. "Die Zahl ist zu früh zu hoch. Das Virus ist wieder voll da und sichtbarer." Doch man müsse nicht dramatisieren, derzeit wisse man genau, warum die Zahlen gestiegen sind. Wie so oft untermauerte Anschober seine Aussagen mit einer Grafik. Das Erfreuliche sei, dass es kaum Veränderungen bei Todeszahlen, Hospitalisierten und der Zahl der Intensivpatienten gegeben habe.

OÖN-TV Sendung vom 01.09.2020

Schon im Jänner könnte in Österreich gegen Corona geimpft werden, sagt heute Gesundheitsminister Rudi Anschober. Lebenslange Haft hat ein Mann heute für den Mord an einer Mühlviertlerin in Amstetten bekommen. Und: Es ist einer bekanntesten Cold-Case-Fälle im Land. Seit mittlerweile fünf Jahren wird nach zwei jungen Burschen gesucht, die nach einer nächtliche Ausfahrt in Zwettl an der Rodl spurlos verschwunden sind.

Weniger Todesfälle

"Die Sterblichkeit ist in den letzten Wochen gesunken", sagte Anschober. Die Infizierten seien im Schnitt 30 Jahre alt, im April lag dieser Wert bei 59 Jahren. Drei Viertel der Todesfälle waren älter als 74 Jahre. Heute wisse man mehr über Ansteckung, Auswirkung und Therapie. Was man aber nicht wisse, ist, ob und wann das Virus mutieren wird.

Abermals forderte der Gesundheitsminister dazu auf, Hygiene- und Abstandsregeln zu berücksichtigen und den Mund-Nasen-Schutz zu tragen, da dieser auch vor anderen Krankheiten schützt. Er rechnet damit, dass zwischen Dezember und März der Höhepunkt der Grippe sein wird und sich dadurch das Risiko einer zweiten Welle erhöht. Anschober verwies auf die Corona-Ampel, mit der künftig die Pandemie bewältigt werden soll. Eine Empfehlung für einen Lockdown werde es auch bei Rot nicht geben.

Nach Kritik an den missglückten Verordnungen und Gesetzesentwürfen stellte sich Anschober vor seine Mitarbeiter. "Ja, kritisieren Sie mich, Kritik bringt uns weiter." Aber die Kritik müsse an ihn gehen und nicht an Mitarbeiter, die eine Sieben-Tage-Woche haben, um die Krise zu bewältigen. Er versprach eine Aufstockung des Personals im Gesundheitsressort und kündigte die Installierung eines juristischen Expertenrates an.

>> Video: ZIB-Innenpolitikchef Hans Bürger und Günther Mayr aus der Wissenschaftsredaktion über den angekündigten Start der Corona-Impfung im Jänner - aus wissenschaftlicher und aus politischer Sicht.

Verschärfungen der Corona-Maßnahmen:

  • Heute kommt erstmals der Ministerrat seit der Sommerpause zusammen. Auf der Agenda steht Brisantes: die Verschärfung der Corona-Maßnahmen. Kanzler Sebastian Kurz (VP) hatte im ORF-Sommergespräch Nachbesserungen aufgrund der steigenden Corona-Zahlen angekündigt. Details blieb er schuldig. Auch Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) wollte gestern nichts Konkretes sagen.
  • Zwischen den Zeilen ließ sich heraushören, dass Anschober keine Änderungen bei Veranstaltungen planen dürfte. Seit 1. September sind Indoor-Events mit 5000 und Outdoor-Veranstaltungen mit 10.000 Zusehern möglich. Er freue sich auf Fußballmatches, sagte Anschober. Zudem verwies er auf die Salzburger Festspiele, bei denen es keinen Infektionsfall gab. Für die Wintersaison werde es Vorgaben brauchen, räumte er ein. Noch sei ungewiss, ob es Bälle und Wintermärkte geben werde. Wenn ihn jemand frage, wie Weihnachten wird, könne er nur antworten: „Wir wissen es nicht.“
  • Abhilfe soll die Corona-Ampel schaffen, die festlegt, wann in einer Region welche Maßnahmen zu setzen sind. Zuletzt gab es Berichte, dass bei der Generalprobe der Expertenkommission Länder eine Ampelschaltung auf Gelb beanstandet haben sollen. Anschober kündigte an, dass in unklaren Fällen die Experten mit Zweidrittelmehrheit über die Ampelfarbe entscheiden.

 

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Annette Gantner

Redakteurin Innenpolitik

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