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Innenpolitik

"Breite Allianz" gegen Klimakrise gefordert

Von nachrichten.at/apa   30. Juni 2022 14:12 Uhr

KLIMASCHUTZ BRAUCHT UNS ALLE: GEWESSLER / ANZENGRUBER / MATTH? / EDERER / SCHULEV-STEINDL / WEINBERGER
Hochrangige Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik

WIEN. Vertreter aus Wissenschaft, Finanz und Politik haben am Donnerstag eine "breite Allianz" gegen die Klimakrise gefordert.

Am Tag fünf der aktuellen Hitzewelle erinnerte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) einleitend an die Klimakrise, aber das eigentliche Motto laute "Handeln", meinte Ex-Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber - "gesprochen und geredet" habe man schon genug. Notwendig sei dabei die Gemeinsamkeit, so Gewessler.

Geschwindigkeitsbegrenzung und Werbeverbot gefordert

"Niemand kann diese große Aufgabe 'Klimaschutz' allein bewältigen", hob die Ministerin in ihrer einleitenden Rede hervor, also müssten die Akteure zusammenspielen. "Wir brauchen alle Schichten der Gesellschaft", führte auch Anzengruber aus. Beim Klimaschutz würde die Konzentration zu sehr auf Energie liegen, dabei sei es "erschütternd mit welchem Wirkungsgrad wir Energie nutzen". Ein Negativbeispiel seien hier etwa im Verbrennungsmotor zu finden, dem in der EU gerade erst ein Ende bis 2035 gesetzt wurde. Und erneut gelte es zu handeln: "Warten wir jetzt 13 Jahre bis das Verbot greift?", fragte Anzengruber und gab gleich selbst die Antwort. Schon jetzt könnte man Geschwindigkeitsbegrenzung für Automobile einführen oder ein Werbeverbot für großvolumige Autos. Und von Verzicht dürfe man dann nicht reden, denn "ansonsten würden wir auf unsere Zukunft verzichten".

BOKU-Rektorin: Klimaschutz soll in die Verfassung

Nicht von Verzicht reden wollte auch die Rektorin der Universität für Bodenkultur (Boku), Eva Schulev-Steindl, in Bezug auf die Forderung, den Klimaschutz in die Verfassung zu heben. Zwar gebe es Stimmen, die einem derartigen Vorhaben die Sinnhaftigkeit absprechen würden, aber die Expertin für Verfassungs- und Umweltrecht hielt dagegen, dass klare Rahmenbedingungen für die Energiewende nötig seien. Ein Pariser Klimavertrag reicht da nicht aus, wenn Staaten ihre Klimaziele nicht einhalten, gebe es ja keine Konsequenzen. "Es macht daher Sinn bestimmte Eckdaten in der Verfassung zu verankern", sagte Schulev-Steindl, und schlug das verbleibende 1,5-Grad-kompatible Treibhausgasbudget vor - eine "langfristige Vorgabe, von ein Reduktionspfad abgeleitet werden kann", und zwar von Bund und Ländern.

Grawe: "Spüren die Auswirkungen der Klimakrise ganz klar"

"Wir spüren auf Versicherungsseite die Auswirkungen der Klimakrise ganz klar", sagte Othmar Ederer, von der Grazer Wechselseitige Versicherung (Grawe) Vermögensverwaltung. Neben gesetzlichen Vorgaben benötigt der so notwendige Klimaschutz auch den privaten Finanzsektor, für den der für Naturkatastrophen und Green Finance zuständige Experte sprach. "In der österreichischen Finanzwirtschaft gibt es ein klares Bekenntnis zu 'Green Finance'", sage Ederer. Man wolle das Geschäft an Klimazielen orientieren, aber in der Branche hadere man ein wenig mit der Gesetzgebung, "die voraus marschiert, ohne die Taxonomie auch mitzuliefern " -diese sollte zusätzlich auch "les- und lebbar sein, und nicht nur von einer Handvoll Experten verstanden werden". 120 Milliarden Euro Kapital hätten die Versicherungen jedenfalls, die investiert und reinvestiert werden können.

Für ÖBB-Chef Andreas Matthä widmete sich seiner Profession entsprechend dem Verkehr, der Dauer-Großbaustelle beim heimischen Klimaschutz. Dieser sei ein "wesentlicher Emittent", da brauche es eine Verkehrswende. "Sie werden nicht überrascht sein, dass ich für das System Schiene werbe", meinte er, aber der Umstieg auf diese sei ein "rascher Hebel". Die ÖBB haben 2030 als Ziel für die CO2-Neutralität im Bereich der Mobilität anvisiert, zudem sei man dabei die Leistungsfähigkeit der Bahn erhöhen und zwar mit dem "Ausbau der Infrastruktur, neuen Fahrzeuge und Digitalisierung. Zudem sprach Matthä die Vielzahl der gegenwärtigen Krisen an, jedoch sei die Klimakrise jene, "die uns ganz nachhaltig weiter beschäftigten wird", auch wenn sie aktuell nicht so im Fokus stünde.

Stark auf die Klimakrise hinweisen müsse man daher, denn "wenn wir nichts tun, dann bedeutet das letztendlich kollektiven Selbstmord", warnte Hagelversicherungs-Chef Kurt Weinberger. Der Spezialversicherer für die Landwirtschaft haderte mit dem Bodenverbrauch in Österreich, denn kein zweites Land in Europa würde derartig agieren, sagte Weinberger. Aus dem einstigen Boden entstand "die höchste Supermarktfläche pro Kopf und das längste Straßennetz mit 15 Metern pro Kopf. Die andere Seite der Fehlentwicklung ist ein Leerstand von 40.000 Hektar, das ist die gesamte Fläche der Stadtgemeinde Wien". Würde im gegenwärtigen Tempo weiter betoniert, waren Österreichs Agrarflächen im Jahr 2222 nicht mehr existent.

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