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Innenpolitik

Corona-Ampel: Wien und Innsbruck orange, Oberösterreich großteils gelb

Von nachrichten.at/apa/az   14. September 2020 22:01 Uhr

 Anschober zur Corona-Ampel: "Mit aller Kraft die zweite Welle vermeiden"
Ulrich Herzog (Ampel-Kommission) und Gesundheitsminister Anschober

WIEN/INNSBRUCK. Die Corona-Kommission hat am Montag mehrere Stunden in einer Sondersitzung getagt. Letztlich hat man sich auf Verschärfungen bei den Ampelfarben geeinigt.

Die Ampel-Kommission hat am Montagabend nach stundenlanger Debatte die Empfehlung beschlossen, erstmals Bezirke auf Orange zu schalten. Davon betroffen sind Wien, Innsbruck-Stadt, Kufstein, Dornbirn, Bludenz, Mödling und Neunkirchen.

Oberösterreich wird - bis auf die Innviertler Bezirke Braunau, Ried und Schärding - auf Gelb geschaltet. Weitere Gelb-Schaltungen in den Bundesländern:

  • Vorarlberg: Bregenz und Feldkirch
  • Tirol: Innsbruck-Land, Landeck, Schwaz
  • Steiermark: Graz, Graz Umgebung, Deutschlandsberg
  • Niederösterreich: St. Pölten, Wiener Neustadt, Baden, Bruck, Gänserndorf, Korneuburg, Krems, Lilienfeld, Mistelbach, Zwettl

Salzburg, Kärnten und das Burgenland bleiben weiterhin grün.

Es ändert sich kaum was

Die Welle an Orange- und Gelb-Schaltungen ist faktisch weniger dramatisch, als es im ersten Moment geklungen hat. Denn es werden großteils jene Maßnahmen, die ursprünglich für Orange vorgesehen waren, gar nicht umgesetzt. So wird sich an den Schulen und bei Veranstaltungen nichts gegenüber den zuletzt vereinbarten Verschärfungen ändern.

Das heißt, man verzichtet beispielsweise sowohl auf eine weitere Besucher-Reduktion bei Events als auch auf die Möglichkeit zum Home-Schooling in der Oberstufe. Die Schaltungen sollen damit im Wesentlichen nur dazu dienen, die Aufmerksamkeit in aktuell von der Pandemie stärker betroffenen Regionen zu erhöhen.

Vielmehr geht es um Empfehlungen, die von der zuständigen Kommission ausgesprochen wurden - etwa die Intensivierung des Schutzes von Pflegeeinrichtungen und Krankenanstalten, die Erhöhung der Screeninguntersuchungen in einschlägigen Bereichen wie Pflege, Gesundheit und Bildung sowie die Etablierung von präventiven Maßnahmen z.B. an Märkten sowie eine Einschränkung von Veranstaltungen in geschlossenen Gesellschaften ohne Sicherheitskonzept.

Gerade letzterer Punkt könnte durchaus noch von Interesse sein, wenn man an größere Feierlichkeiten etwa zu Jubiläen, Taufen oder Hochzeiten denkt. Ob es hier zusätzliche Verordnungen zur Umsetzung der Empfehlungen braucht, wird laut Regierungskreisen in den kommenden Tagen beraten.

Auch für die gelben Regionen, also auch Oberösterreich, ändert sich kaum etwas, weil die Corona-Maßnahmen ohnehin schon auf Gelb-Niveau sind. Ändern sollen sich jedenfalls auch die Grenzen bei der Corona-Ampel. Künftig werden etwa Linz und Leonding nicht mehr getrennt bewertet werden. Die Details zu den neuen Grenzziehungen sind aber noch nicht bekannt.

Was Orange bedeuten würde

Orange könnte größeren Einfluss auf Veranstaltungen haben. Bei Events mit zugewiesenen Sitzplätzen in geschlossenen Räumen wären zumindest laut den Plänen bei der Präsentation der Ampel maximal 250 Personen erlaubt (im Freien: 500), ohne zugewiesene Sitzplätze 25 (50). Besucher müssten Mund-Nasen-Schutz tragen - auch am Fixplatz und bei Open Airs.

Größere Auswirkungen könnte die Orange-Färbung auch an Schulen haben, wo nicht nur der Musik-Unterricht fallen dürfte sondern in Oberstufen-Klassen von den Schulen auch Homeschooling verordnet werden könnte. Für die Gastronomie unangenehm ist, dass die Sperrstunde um eine Stunde auf Mitternacht vorverlegt werden dürfte.

Kommissionsleiter Ulrich Herzog hatte am Wochenende u.a. angekündigt, man werde sich nun auch die Städtemodelle genauer ansehen. Der Berufs- und der Bildungsverkehr müsse in das Ampel-System miteinbezogen werden. In einem ZiB2-Interview sagte Herzog, dass nicht anzunehmen sei, dass ganz Österreich kommende Woche Orange sei, jedoch habe es in der Kommission eine "intensive Diskussion" darüber gegeben, ob es sinnvoll sei, ganz Österreich auf Gelb zu stellen.

  • Video: Ulrich Herzog aus dem Gesundheitsministerium in der ZiB

Luger fordert Ende der Ampel

Einmal mehr Kritik am Ampel-System der Regierung übt der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SP): "Würde die schlagartige Veränderung der Ampelfarben auf den Straßenverkehr umgelegt, hätten wir längst eine Massenkarambolage“, urteilt das Linzer Stadtoberhaupt am Dienstag in einer Aussendung.

Eltern schulpflichtiger Kinder und Unternehmen mit Mitarbeiter aus verschiedenfärbigen Bezirken seien verunsichert und würden weitgehend sich selbst überlassen, so Luger, der fordert, "die Anschober-Ampel aus dem Verkehr zu ziehen und sich auf besonnene Sacharbeit statt farbenfrohe Öffentlichkeitsarbeit zu konzentrieren."

Hacker "einverstanden"

Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hat sich mit der Orange-Färbung der Bundeshauptstadt auf der Corona-Ampel "einverstanden" gezeigt. Gleichzeitig berichtete er in der "ZiB2", dass nach ersten Informationen an den Schulen und bei Veranstaltungen keine Veränderungen an der Vorgangsweise vorgenommen würden.

Vom Anstieg der Infektionszahlen zeigte er sich nicht überrascht: "Jetzt beginn die Epidemie wieder ernst zu werden." Dass die Tests schneller werden müssen, sieht auch Hacker so: "Ich möchte nicht sagen, alles ist super, weil es nicht stimmt." Man arbeite aber schon an Verbesserungen.

  • Video: Der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) nimmt Stellung zu den aktuellen Corona-Zahlen in Wien:

"Erwarte klare und konkrete Anweisungen"

Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi hat schon vor den Beratungen der Corona-Kommission mit einer Orange-Schaltung seiner Stadt gerechnet. Die Entscheidung sei noch nicht gefallen, aber die "Zeichen stehen auf Orange", sagte Willi.

Der Bürgermeister erwartete sich jedenfalls im Falle einer Orange-Schaltung - "damit sich die Leute auskennen" - "klare und konkrete Anweisungen", welche zusätzlichen Maßnahmen damit einhergehen würden. Denn er frage sich auch: "Was zusätzlich zu Gelb kommt jetzt noch?" Schließlich habe es bereits mit der Ampelschaltung auf Grün Einschränkungen wie Masken in den Geschäften gegeben.

In Innsbruck waren mit Stand Montagabend 239 Personen mit dem Virus infiziert. In ganz Tirol waren es 672. Montagvormittag hatten die Verantwortlichen betont, für die kommenden Herausforderungen gut gerüstet zu sein. Die Zahlen in Innsbruck seien zwar hoch, jedoch gut einzugrenzen und auch die Kontaktpersonen könnten aktuell gut erfasst werden. Willi hatte sich zudem zuversichtlich gezeigt, dass die Landeshauptstadt mittelfristig in Sachen Ampel "wieder in die grüne Liga aufsteigen" werde.

Vorerst nicht abrufbar waren die auf der Homepage zur Corona-Ampel aufgeführten Maßnahmen. Seit Montag gilt nun aber österreichweit eine abgemilderte Variante einer Regelung, die zuvor unter "Orange" - dritte Stufe, "hohes Risiko" - zu finden gewesen war, etwa keine Gastro-Konsumation mehr im Stehen - also an Bars - für Gäste und Maskenschutz für das Servierpersonal.

Die Zahl der Corona-Infizierten dürfte indes nach dem üblichen Abschwung an den Wochenenden wieder deutlich in Richtung 800 nach oben gehen. Montagfrüh hatte das Innenministerium 382 Neuinfektionen berichtet, das waren zwar deutlich weniger als die 869 vom Samstag, aber wiederum deutlich mehr als genau eine Woche davor, als am Montag 290 Neuinfektionen berichtet wurden.

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