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Innenpolitik

Schrittweise Öffnung der Schulen bis 3. Juni und Schichtbetrieb

Von nachrichten.at   24. April 2020 10:20 Uhr

v.l.: Bildungspsychologin Christiane Spiel (Uni Wien) und Bildungsminister Heinz Faßmann

WIEN. Der Schulalltag wird in Zukunft vom Unterricht in kleineren Gruppen geprägt sein.

Sechs Wochen nach Bekanntgabe der Schließung der Schulen aufgrund der Coronavirus-Pandemie stellte Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Freitagvormittag den Fahrplan für die Wiederöffnung vor.

  • Volksschüler und Schüler der Unterstufe starten am 18. Mai, der Rest am 3. Juni
  • Klassen werden geteilt, es gibt einen Schichtbetrieb
  • Maskenpflicht außerhalb des Klassenzimmers
  • Es gibt keine Schularbeiten mehr
  • Volksschüler können heuer nicht Sitzenbleiben
  • Der Turn- und Musikunterricht entfällt

>> Video: So schätzt Hans Bürger (ORF) die weitere Vorgehensweise des Bildungsministeriums ein:

Der Etappenplan im Detail 

Alle Schüler an den Volksschulen, AHS-Unterstufen, Neuen Mittelschulen und Sonderschulen kehren am 18. Mai in ihre Klassen zurück. Für alle anderen Schüler - ausgenommen Abschlussklassen - startet der Unterricht wieder nach Pfingsten am 3. Juni.

"Soziale Distanz und Hygieneregeln sind in einem Schulgebäude schwierig einzuhalten", sagte Faßmann. Deshalb wird es einen Schichtbetrieb geben. Das heißt, dass die Klassen in zwei gleich große Gruppen geteilt werden. Der eine Teil soll montags bis mittwochs Unterricht haben, der andere Teil donnerstags bis freitags. In der Woche darauf ist es umgekehrt.

>> Video: Die Pressekonferenz mit Bildungsminister Faßmann in voller Länge

An den unterrichtsfreien Tagen haben die Schüler "Hausübungstage", erklärte Faßmann. Diese können auch in der Schule absolviert werden. Es werde weiterhin eine Betreuung in der Schule geben, etwa in Turnsälen. Der Bildungsminister ersucht aber die Eltern, ihre Kinder - wenn möglich - in der unterrichtsfreien Zeit zu Hause zu betreuen. 

An den Schulen herrscht außerhalb des Klassenzimmers Maskenpflicht, auch weitere Hygieneauflagen gelten. Turn- und Musikunterricht entfallen.

Bis zum Sommer finden außerdem keine Schularbeiten mehr statt. An den Volksschulen wird aufs Sitzenbleiben verzichtet, an den anderen Schulen können Schüler mit einem Fünfer jedenfalls und mit mehreren Fünfern nach Beschluss der Klassenkonferenz aufsteigen. Für die Benotung wird der Leistungsstand vor der Schulschließung plus die Leistungen im Distance Learning bzw. in der letzten Präsenzphase an den Schulen herangezogen.

Bereits bekannt war, dass die Maturanten sowie Schüler der Abschlussklassen an Berufsschulen und berufsbildenden mittleren Schulen schon am 4. Mai in die Klassen zurückkehren. Das Schuljahr endet - dem Plan vor der Pandemie entsprechend - Anfang Juli.

FPÖ kritisiert "hanebüchenen Murks"

Grundsätzlich positiv nahmen am Freitag Vertreter der SPÖ und der NEOS die von Bildungsminister Faßman präsentierten Pläne auf - auch wenn diese reichlich spät kämen. Ganz anders die FPÖ, die von "hanebüchenem Murks Marke 'Faßmann'" sprach. Für die Grünen ist der Plan des Koalitionspartners hingegen "gut durchdacht".

Die SPÖ-Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner begrüßte den Etappenplan. Dieser komme zwar "spät" und war "mehr als überfällig", sei "aber grundsätzlich ein wichtiger Schritt", heißt es in einer Aussendung. Die einheitlichen Schutzmaßnahmen im Schulbereich müssten "so rasch wie möglich umgesetzt werden". Um "die Gefahr einer zweiten Welle" zu minimieren, "sind eine breite Teststrategie und einheitliche Regeln für ganz Österreich entscheidend". Der Bund sei gefordert, die Länder bei der Maskenbeschaffung zu unterstützen, so Rendi-Wagner.

"Vorsichtig positiv" fällt auch die erste Einschätzung von NEOS-Bildungssprecherin Martina Künsberg Sarre aus: "Der Stufenplan, den wir NEOS schon lange fordern, bringt Erleichterung und Perspektive für Kinder, Eltern und Lehrkräfte." Neben den Schulen bräuchten aber die Lehre und die Erwachsenenbildung sowie nicht zuletzt die Kindergärten "konkrete Pläne und Sicherheit". Die Regierung dürfe bei der Elementarpädagogik "nicht wegschauen", so Künsberg Sarre.

Für FPÖ-Unterrichtssprecher Hermann Brückl kamen Faßmanns Ansagen "zu spät, zu planlos und vor allem ohne Weitblick" daher. So sei der Minister etwa bei der Frage, wie die Kinder und Jugendlichen an den "Hausübungstagen" betreut werden, "sehr vage" geblieben. Faßmann habe hier "zum großen Teil die Betreuungspflicht wieder auf die Eltern abgeschoben". Es handle sich bei den Ankündigungen um "lediglich praxisferne, chaosartige Regelungen". "Das ganze Gebilde ist nicht zu Ende gedacht und ist ein hanebüchener Murks Marke 'Faßmann' - nicht mehr, nicht weniger", so Brückl.

Diametral anders die Grüne Bildungssprecherin, Sibylle Hamann, die den "in enger Absprache mit dem Koalitionspartner" ausgearbeiteten Plan als "gut durchdacht, klar, übersichtlich, verantwortungsvoll und behutsam" bezeichnete.

Bundesschulsprecherin: "Wichtig und vernünftig"

Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike nannte die Pläne in einer Aussendung der VP-nahen Schülerunion "wichtig und vernünftig". Es gelte nun, "der Schülerschaft einen sanften Start in den Schulalltag zu gewährleisten".

Mit dem angekündigten Schichtbetrieb "haben wir die Chance, die Bildungsschere nicht weiter aufgehen zu lassen", sagte Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV). Die abgeschwächten Regelungen zur Leistungsbeurteilung würden den "Druck für alle Beteiligten eher herausnehmen". Beim Blick auf die verteilten Kompetenzen im Bereich der Elementarpädagogik erlebe man laut dem IV-Chef leider "gerade die nachteiligen Seiten des Föderalismus".

ÖH: "Reine Verhöhnung"

Unterdessen monierte die Bundesvertretung der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH), dass Faßmann bei der heutigen Pressekonferenz nicht auf die Hochschulpolitik und die ÖH-Forderung nach einer Rückerstattung der Studiengebühren eingegangen war. "Das Schweigen und Aufschieben der wichtigsten Entscheidung zur Entlastung von Studierenden in dieser Krise ist reine Verhöhnung", so die ÖH-Vorsitzende Adrijana Novakovic.

"Gruppen zu groß, Tempo zu hoch"

Die Regierung habe sich dem öffentlichen Druck gebeugt und gehe nun "ein relativ hohes Risiko ein", kritisiert der oberste Lehrervertreter Paul Kimberger (FCG) den am Freitag verkündeten Zeitplan für die Wiederöffnung der Schulen. "Für mich sind die Gruppen zu groß und das Tempo zu hoch", sagte er gegenüber der APA. Er hoffe, dass sich das nicht in steigenden Infektionszahlen niederschlagen wird.

>> Video: Die Kernaussagen bei der Pressekonferenz

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