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Innenpolitik

Kreiskys adeliger Minister, Waffengeschäfte und ein rätselhafter Tod

Von Markus Staudinger   15. Oktober 2014

Kreiskys adeliger Minister, Waffengeschäfte und ein rätselhafter Tod
Karl Lütgendorf (1914 -1981) - Selbstmord im Jagdrevier?

WIEN. Heute vor 100 Jahren kam Karl Lütgendorf zur Welt - in Erinnerung hält den Ex-Verteidigungsminister vor allem sein mysteriöser Tod.

Der Vater – Michael Moritz Freiherr von Lütgendorf – diente noch dem Kaiser, der Sohn dem Sonnenkönig Bruno Kreisky. Heute vor 100 Jahren kam Karl Lütgendorf – von 1971 bis 1977 Verteidigungsminister im Kabinett Kreisky – in Brünn zur Welt.

Kreisky hatte den adeligen Brigadier 1971 als parteilosen Minister in seine SP-Alleinregierung berufen. Im Auftrag Kreiskys setzte Lütgendorf dessen Wahlversprechen – eine Verkürzung der Wehrdienstzeit – um.

Zum Verhängnis wurde "Lü" 1977 die Affäre um eine von Zollbeamten gestoppte Lieferung von Scharfschützengewehren samt Munition ins kriegsführende Syrien – verbunden mit seinen engen Kontakten zum Linzer Waffenhändler und ehemaligen Bordellbetreiber Alois Weichselbaumer. Am 31. Mai gab Lütgendorf seinen Rücktritt bekannt – und zog sich auf sein Jagdgut in Schwarzau im südlichen Niederösterreich zurück.

Als Aufsichtsrats-Mitglied der Steyr-Daimler-Puch AG ließ Lütgendorf aber weiter seine hervorragenden Kontakte vor allem in den Nahen Osten spielen. Auch seinem Freund Udo Proksch, dem er als Verteidigungsminister immer wieder Heeresmaterial zur Verfügung gestellt haben soll, blieb er verbunden.

Durch den Mund geschossen

Nachhaltig in Erinnerung ist Lütgendorf aber aufgrund der mysteriösen Umstände seines Todes. Denn vier Jahre später – am 9. Oktober 1981 – wurde Lütgendorf in seinem Jagdrevier in Schwarzau tot aufgefunden. Der 67-Jährige saß übers Lenkrad gebeugt in seinem Lada Taiga, aus dem Mund und dem linken Ohr floss Blut. In der linken Hand hielt Lütgendorf eine großkalibrige Smith&Wesson, deren letzter Schuss durch Lütgendorfs Mund gegangen war.

Der amtliche Befund stand rasch fest: "Selbstmord" konstatierte der Schwarzauer Gemeindearzt Harald Schramm. Und auch die Kriminalpolizei beließ es dabei.

Zweifel an der Suizid-These sind allerdings bis heute nicht ausgeräumt. Warum hielt der Rechtshänder Lütgendorf den Revolver in der linken Hand? Hätte der Rückstoß Lütgendorf die Waffe nicht aus der Hand reißen müssen? Und vor allem: Warum hat sich Lütgendorf durch den geschlossenen Mund erschossen?

Spekulationen erblühten alsbald: War es ein Geheimdienst aus dem Nahen Osten oder der DDR, der den Ex-Minister auf dem Gewissen hatte? Oder stand Lütgendorfs Tod in Zusammenhang mit den Noricum-Waffenlieferungen, die 1981 ihren Ausgang nahmen?

Erst als Noricum- und Lucona-Affäre in der zweiten Hälfte der 80er Jahre publik wurden, begann sich auch die Kriminalpolizei offiziell für Lütgendorfs Tod zu interessieren – Schusstests inklusive. Das Ergebnis blieb dasselbe: Selbstmord lautete der Befund im Gutachten.

Die Akten sind seither geschlossen – trotz aller Zweifel auch von Lütgendorfs Sohn Philipp, der bis heute nicht an die Selbstmordversion glaubt.

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