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Innenpolitik

Klasnic: „Verstehe, dass manche misstrauisch sind“

Von Von Anneliese Edlinger   03. April 2010

Waltraud Klasnic
Waltraud Klasnic

LINZ. Als ein auf Jahre angelegtes Monsterprojekt sieht die kirchliche Opferbeauftragte Waltraud Klasnic ihren neuen Job. Warum sie versteht, dass ihr manche Opfer mit Misstrauen begegnen, und warum die Krise die Kirche erneuern könnte, sagt sie im OÖN-Interview.

OÖN: Als Opferbeauftragte der Kirche dürfen Sie sich eine Kommission zusammenstellen. Wie viele, und welche Personen holen Sie sich an Ihre Seite?

Klasnic: Es wird auf alle Fälle eine einstellige Zahl, ich denke an fünf bis acht Personen. Wichtig ist, dass es Frauen und Männer sind, und dass diese Menschenberufe haben. Damit meine ich Pädagogen, Psychologen, Juristen und Richter. Außerdem wäre es gut, wenn sie aus verschiedenen Bundesländern kommen, da ja auch die Missbrauchsfälle auf ganz Österreich verteilt sind.

OÖN: Was konkret darf und wird diese Kommission entscheiden?

Klasnic: Kardinal Schönborn hat klar gesagt, dass er von meiner Seite bindende Empfehlungen dafür erwartet, welchen Opfern finanzielle Entschädigungen oder die Kosten für Therapien zugestanden werden sollen. Ich muss aber sagen, das möchte und werde ich nicht alleine entscheiden. Das werde ich gemeinsam mit der Kommission machen.

OÖN: Angeblich gibt es viele Menschen, die gerne in der Kommission mitarbeiten möchten.

Klasnic: Ja, in wenigen Tagen habe ich mehr als 50 konkrete Angebote bekommen von Menschen, die helfen möchten. Allesamt Menschen mit Lebenserfahrung. Also keine Pensionisten, sondern Männer und Frauen aus der mittleren Generation, so zwischen 40 und 50 Jahre alt. Nicht alle können in die Kommission, aber wir brauchen auch Helfer in der Hinterhand, die einspringen, wenn sie gebraucht werden.

OÖN: Wie wird die Zusammenarbeit mit der Justiz aussehen?

Klasnic: Ich bin zum Schutz des Opfers da. Im Vordergrund steht also immer, was das Opfer will. Wenn das Opfer möchte, dass wir in seinem Fall Anzeige bei der Justiz erstatten, werden wir das tun. Wenn das Opfer es nicht will, dann nicht. Sonst ist die Zusammenarbeit noch offen. Ich bin zum runden Tisch der Justizministerin geladen, es wird mit ihr, und auch mit der zuständigen Staatssekretärin Gespräche geben.

OÖN: Sollen die Verjährungsfristen bei Kindesmissbrauch aufgehoben, Täter ein Leben lang zur Verantwortung gezogen werden können?

Klasnic: Die Kirche will in dieser Frage offenbar anders vorgehen als die Justiz. Kardinal Schönborn hat klar zu mir gesagt: „Denken Sie nicht an die Verjährungsfristen, handeln Sie im Sinne der Opfer.“ Daran werde ich mich halten.

OÖN: Hat Sie überrascht, wie offen die römisch-katholische Kirche Schuld eingestanden hat und auch Buße tun will?

Klasnic: Es ist viel mehr gekommen, als ich erwartet habe. Und darüber bin ich froh. Davon abgesehen war schon länger spürbar, dass man hier einen Weg gehen will, auf dem die Sache in Ordnung gebracht werden kann.

OÖN: Wie stark schadet der Missbrauchsskandal der Amtskirche und wird sich diese durch die Krise verändern?

Klasnic: Schaden ist sicher da, andererseits sind erste Veränderungen schon spürbar. Es bewegt sich was, hin zu mehr Offenheit, mehr Diskussion. Jetzt sollte ein Signal gesetzt werden, zum Beispiel in der Frage der wiederverheirateten Geschiedenen. Das wäre ein Zeichen, ein wirklich positiver Schritt.

OÖN: Ihnen wird von manchen Opfern viel Misstrauen entgegengebracht. Sie seien nicht unabhängig, der Kirche zu nahe.

Klasnic: Ich muss Misstrauen akzeptieren und verstehe, dass Menschen, die große Enttäuschungen hinter sich haben, sehr vorsichtig und vielleicht auch misstrauisch sind. Ich will und kann mit jedem reden und habe in der Gesellschaft über Jahrzehnte hinweg eine Hauptverantwortung getragen, wo es immer darum ging, auf Menschen offen zuzugehen. Das möchte ich auch hier tun.

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