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Innenpolitik

Kirchenaustritte stiegen in Oberösterreich am stärksten

13. Januar 2010 00:04 Uhr

Papst Benedikt XVI.: Umstrittene Rehabilitierung von vier erzkonservativen Bischöfen

LINZ/WIEN. Das turbulente Kirchenjahr 2009 brachte für die österreichische katholische Kirche einen schmerzhaften Verlust an Mitgliedern – am stärksten in der Diözese Linz.

Der Konflikt über die misslungene Ernennung des konservativen Windischgarstner Pfarrers Gerhard Wagner zum Weihbischof dürfte einer der Hauptauslöser gewesen sein, sagt man auch in der Diözese Linz. Besonders im ersten Halbjahr 2009, als der Konflikt um Wagner die Diözese erfasst hatte, wurde ein deutliches Ansteigen der Kirchenaustritte registriert.

Aber auch umstrittene Handlungen von Papst Benedikt XVI., wie die Rücknahme der Exkommunikation von vier Bischöfen der Pius-Bruderschaft (siehe Seite 3), dürften zum Anstieg der Kirchenaustritte beigetragen haben – in Oberösterreich wie auch in den anderen Diözesen.

43,5 Prozent mehr Austritte

Allerdings steht Oberösterreich in der für die Kirche beunruhigenden Entwicklung an der Spitze. Gab es in den vergangenen Jahren noch einen moderaten Rückgang an Gläubigen im Vergleich mit anderen Diözesen, so hat Oberösterreich nun den größten Anstieg bei der Zahl derer zu verzeichnen, die sich von der Kirche abwenden: um 43,5 Prozent mehr Austritte als 2008 (Grafik), gefolgt von der Diözese Feldkirch, in der Bischof Elmar Fischer mit Aussagen, Homosexualität sei eine „psychische Erkrankung“ und „heilbar“, Empörung hervorgerufen hatte.

Für die Diözese Linz brachte 2009 jedenfalls den bisher größten Verlust an Mitgliedern. 9338 Austritte sind deutlich mehr als in den für die katholische Kirche schweren Jahren 1995 („Affäre Groer“, 6376 Austritte) und 2004 (Affäre um das St. Pöltner Priesterseminar, 8065 Austritte).

Auch für die gesamte katholische Kirche in Österreich hat sich der Negativ-Trend deutlich beschleunigt: um 30,9 Prozent mehr Austritte im Durchschnitt aller Diözesen, im Vorjahr waren es noch zehn Prozent.

„Mehrere Auslöser“

Bischofvikar Wilhelm Vieböck sieht mehrere Auslöser: Neben der Aufhebung der Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe und der „Weihbischof-Geschichte“ habe auch „die Wirtschaftskrise ihren Teil dazu beigetragen“. Er hoffe, „dass man aus den Vorfällen gelernt hat“, sagt Vieböck.

Ähnliche Gründe sieht Margit Hauft, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung. Die Bestellung Wagners zum Weihbischof sei für manche Gläubige dann der „letzte Anstoß“ zum Austritt gewesen. Es sei das Gefühl vermittelt worden, es werde über den Kopf der Diözese hinweg entschieden.

„Die emotionalen Diskussionen haben sicher jene erschreckt, die ein harmonisches Bild von der Kirche haben“, meint Edeltraud Artner-Papelitzky, geschäftsführende Vorsitzende des Linzer Pastoralrats. Menschen mit nicht so starker Bindung an die Kirche „überlegen in der Wirtschaftskrise, wo sie sparen können“ (bei den Kirchenbeiträgen, Anm.). Sie finde es aber nach wie vor „beachtlich“, wie viele sich in der Kirche engagieren.

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