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Innenpolitik

Die bunten Vögel über der Hofburg

Von Lucian Mayringer   11. Februar 2016 00:04 Uhr

Alexander Van der Bellen

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Bild 1/6 Bildergalerie: Die Kandidaten für die Wiener Hofburg

WIEN. Richard Lugner wird auch im zweiten Anlauf nicht Österreichs Bundespräsident werden, aber er kann im Kampf um die Stichwahl Zünglein an der Waage werden.

Mit Richard Lugner wird die Auswahl bei der Bundespräsidenten-Wahl 2016 um einen glamourösen Kandidaten erweitert. Der 83-jährige Wiener Baumeister will heute die Details seiner Hofburg-Kampagne erläutern. Als Wahlkampf-Managerin mit dabei ist seine fünfte Ehefrau Cathy, von ihm genannt "Spatzi".

Lugner kann auf einen Achtungserfolg bei der Bundespräsidenten-Wahl 1998 verweisen, bei der er 9,91 Prozent erreicht hat. Eine von ihm selbst in Auftrag gegebene "Humaninstitut"-Umfrage sehe ihn auch diesmal bei rund zehn Prozent, erklärte Lugner.

Kein Vergleich zu 1998

Für den Politologen Fritz Plasser ist das unrealistisch. 1998 haben SPÖ und FPÖ bei der Wiederwahl von Thomas Klestil auf eigene Kandidaten verzichtet. Diesmal sei "der Pluralismus der durch die Kandidaten abgedeckten Strömungen so groß wie nie". Das werde auch die massenmediale Aufmerksamkeit für den Society-Löwen einschränken, prophezeit Plasser im Gespräch mit den OÖNachrichten.

Doch auch wenn Lugners Potenzial diesmal bei einem Drittel seiner 413.066 Wähler im Jahr 1998 liegen sollte, sieht ihn Plasser in einer nicht unbedeutenden Rolle.

"Rechts der Mitte wird es noch knapper werden." Vor allem für Andreas Khol (VP) und Norbert Hofer (FP) könne der ohnehin harte Konkurrenzkampf noch härter werden. Im Hinblick auf den Ein- zug in die Stichwahl "können 10.000 oder 15.000 Stimmen", die man an Lugner verliert, den Ausschlag geben, sagt Plasser. Auch der Politikberater Thomas Hofer sieht den Baumeister, der 1998 vor allem FP-Wähler angesprochen habe, in der Rolle des indirekten Faktors rechts der Mitte.

Als erste Einzelkämpferin hat Irmgard Griss im Dezember ihre Kandidatur angekündigt. Bei Griss und bei Lugner, der über entsprechende Mittel verfügt, gehen Beobachter davon aus, dass sie die Hürde der Unterstützungserklärungen (siehe Kasten) schaffen. Chancen werden auch Robert Marschall eingeräumt. Der Chef der EU-Austrittspartei hat bei der Europa-Wahl 2014 mit der Liste EU-Stop mit 2,76 Prozent das beste Ergebnis einer Kleinpartei erzielt.

 

Der Weg zur Kandidatur

Für die Zulassung bei einer Bundespräsidentenwahl müssen alle Kandidaten zumindest 6000 Personen dazu bewegen, eine Unterstützungserklärung für sie zu unterschreiben. Jeder muss persönlich am Gemeindeamt erscheinen, um bestätigen zu lassen, dass man am Stichtag wahlberechtigt war. Dieser Stichtag ist der 23. Februar.
Für die Parteikandidaten sollte dieses Prozedere keine Hürde sein, doch auch sie brauchen 6000 Unterschriften, weil bei dieser Wahl Abgeordnete und Bürger gleich viel zählen.

Bis zum 18. März um 17 Uhr müssen die zumindest 6000 Wahlvorschläge bei der Wahlbehörde eingereicht werden.

Auch die Millionenshow-Gewinnerin und Autorin Elfriede Awadalla will antreten. Vom Millionengewinn sei aber nichts mehr übrig, bat Awadalla bereits um Wahlkampfspenden. Nach drei gescheiterten Versuchen kündigte der pensionierte Richter Martin Wabl an, noch einmal Unterschriften sammeln zu wollen.

In der illustren Liste der Parteifreien finden sich weiters Adrien Luxemburg ( Autor und Künstler), Gustav Jobstmann (Ex-Kapitän und Menschenrechtler), Gernot Pointner ("Arbeits- und Parteiloser"), Georg Zakrajsek (Waffenrechts-Liberalisierer), Thomas Unden (Arzt) und Thomas Reitmayer vom Österreich-Ableger der Satire-Truppe "Die Partei". Ihnen allen werden kaum Chancen eingeräumt, bis 18. März den Sprung auf den Wahlzettel zu schaffen.

 

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