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Innenpolitik

17, 182 oder 1163 Corona-Infizierte: Daten-Chaos zwischen Bund und Land

Von Alexander Zens  24. Juni 2021 00:04 Uhr

Testergebnisse im Meldesystem

LINZ / WIEN. Zahlen von Gesundheitsministerium, AGES und Land Oberösterreich klaffen auseinander

15 Monate nach Ausbruch der Pandemie gibt es immer noch massive Unterschiede bei den Corona-Zahlen zwischen Ministerium, AGES und Land. Das Gesundheitsministerium wies auf seiner Homepage Mittwochfrüh 17 aktuell Infizierte (bzw. aktiv Infizierte) für Oberösterreich aus. Laut Land Oberösterreich waren es Stand gestern aber 182. Und auf dem Dashboard der AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit), die dem Gesundheitsministerium zuzuordnen ist, waren es gar 1163 aktuelle Corona-Fälle in Oberösterreich.

In den vergangenen Tagen häuften sich die Beschwerde-Anrufe beim Bürgerservice des Landes. Da die Infektionslage insgesamt nun überschaubar ist, dürften die Unterschiede stärker auffallen.

Mit dem Chaos konfrontiert, heißt es aus dem Ministerium, dass die verwendeten Zahlen vom Land kommen. Dort sei nachzufragen.

"Unsere Zahlen, die wir als Land veröffentlichen, stimmen", sagt hingegen Carmen Breitwieser, Leiterin des Corona-Krisenstabes.

Die einzelnen Testergebnisse werden von den Gesundheitsbehörden der Bezirkshauptmannschaften und Magistrate in den Epidemiemonitor (EPM) des Landes eingegeben, von dem es eine Schnittstelle zum Epidemiologischen Meldesystem (EMS) gibt, mit dem die AGES arbeitet. Das Land liefert jeden Tag in der Früh die Gesamtzahlen an das Ministerium.

Breitwieser äußert zwei Vermutungen, warum die Zahl der Corona-Fälle des Ministeriums deutlich niedriger ist als jene des Landes – erstens weil das Ministerium Infizierte nach spätestens drei Wochen automatisch als genesen einstufe, zweitens weil der Bund nicht alle Daten des Landes eins zu eins übernehme, sondern auch eigene Differenzberechnungen heranziehe. Für das Land sei ein negativer Test das Kriterium für die Genesung, so Breitwieser. Bei Unklarheit werde die Person kontaktiert. Eine fundierte Datenbasis sei entscheidend, um richtige Maßnahmen in der Pandemiebekämpfung zu treffen, sagt Landeshauptmann-Stv. Christine Haberlander (VP). Oberösterreich habe seine Aufgaben erledigt. "Jetzt erwarten wir vom Gesundheitsministerium endlich ein einheitliches Datensystem."

Die AGES teilt mit, dass es bei den Einträgen der Behörden im EMS zu Verzögerungen betreffend Genesungen komme, da in der Epidemiebekämpfung Neuinfektionen und Abklärung von Infektionsketten im Vordergrund stünden. Und: "Im Schnitt treten täglich 1500 bis 2000 Mehrfachmeldungen oder fehlerhafte Einträge im EMS auf" – etwa Fälle mit positivem Schnelltest, bei denen der folgende PCR-Test negativ war. Drei AGES-Mitarbeiter seien mit dem Datenmanagement beschäftigt, heißt es.

Bei den Corona-Todesfällen sind Land und Ministerium einig: 1757. Die AGES zählt hingegen nur 1606.

Mehr als 360 Delta-Fälle, Debatte um Gratistests

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich auch in Österreich aus. Die ansteckendere Mutation wurde laut einem Bericht der AGES bis Dienstag 361 Mal festgestellt (Ende Mai waren es 18 Fälle). Diese Zahl ist bereits überholt, allein Niederösterreich meldete am Mittwoch 18 neue Fälle. Die meisten Fälle wurden laut der Gesundheitsagentur mit 256 in Wien festgestellt, wo die verlässlichen PCR-Tests großflächig eingesetzt werden. In Oberösterreich waren es dem Bericht zufolge bisher vier Delta-Fälle.

Der Gemeindebund will die Gratis-Testinfrastruktur zurückfahren. Nur über den Sommer soll sie wegen des Tourismus noch bleiben. Wer sich nicht gegen Covid impfen lässt, soll sich auf eigene Kosten testen, forderte Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl im Kurier. Der Städtebund ist dagegen und verlangt wegen der Virusvarianten den Ausbau des PCR-Testangebotes. Für den Epidemiologen Gerald Gartlehner ist ein Teststraßen-Aus „sehr gefährlich“. Das Gesundheitsministerium reagierte zurückhaltend.

 

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Redakteur Politik

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