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Außenpolitik

Vor zehn Jahren wurde "Staatsfeind Nummer 1" getötet

Von Clemens Schuhmann  03. Mai 2021 00:04 Uhr

Vor zehn Jahren wurde "Staatsfeind Nummer 1" getötet
Osama bin Laden

WASHINGTON. Osama bin Laden wurde am 2. Mai 2011 von US-Spezialeinheiten in Pakistan erschossen.

Am 2. Mai 2011 haben US-Spezialeinheiten Osama bin Laden in einem Haus in der pakistanischen Stadt Abbottabad getötet. Der Gründer des Terrornetzwerks Al-Kaida war damals "Staatsfeind Nummer 1" der Vereinigten Staaten. Dazu die zehn wichtigsten Fragen und Antworten.

1 Warum hatten es die USA auf Osama bin Laden abgesehen?

Bis zu seiner Erschießung durch US-Spezialeinheiten in der pakistanischen Stadt Abbottabad, rund 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Islamabad, war der gebürtige Saudi mit einem Kopfgeld von 50 Millionen Dollar (41,4 Millionen Euro) der weltweit am meisten gesuchte Terrorist. Für die USA war er "Staatsfeind Nummer 1". Bin Laden gründete das Terrornetzwerk Al-Kaida und war für zahlreiche schwere Terroranschläge verantwortlich. Zur Last gelegt wurden ihm etwa die Bombenattentate auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania 1998 mit 224 Toten, der Anschlag auf das US-Kriegsschiff USS Cole vor der jemenitischen Küste im Oktober 2000 und natürlich die Terroranschläge vom 11. September 2001 in den USA.

Vor zehn Jahren wurde "Staatsfeind Nummer 1" getötet
Angespannte Stimmung in der Nacht auf 2. Mai 2011 im „Situation Room“ im Weißen Haus in Washington: der damalige Vizepräsident Joe Biden (li.), US-Präsident Barack Obama (2.v.l.) und Außenministerin Hillary Clinton (2.v.r.)

2| Wie reagierten die USA darauf?

Bereits am 17. September 2001 erklärte der damalige US-Präsident Goerge W. Bush Osama bin Laden zum Hauptverantwortlichen für die Anschläge mit 2977 Todesopfern – und verlangte dessen Festnahme "tot oder lebendig". Da sich die in Afghanistan herrschenden Taliban-Milizen weigerten, bin Laden auszuliefern, marschierten die USA im Oktober in Afghanistan ein. Das war der Startschuss zum bisher längsten Krieg der USA. Erst der aktuelle Präsident Joe Biden will bis 11. September 2021 alle US-Truppen abziehen, zum 20. Jahrestag der Anschläge.

3| Wie wurde Osama bin Laden in Abbottabad aufgespürt?

Da die direkte Fahndung trotz des hohen Kopfgeldes erfolglos blieb, konzentrierte sich der US-Auslandsgeheimdienst CIA ab 2006/07 auf mögliche persönliche Kuriere des Terrorpaten. Von einem im Irak inhaftierten Al-Kaida-Terroristen erfuhr man schließlich von einem Kurier mit Decknamen "al-Kuwaiti", der die US-Agenten schließlich nach Abbottabad führte. Im September 2010 wurde das 3500 Quadratmeter große Anwesen in der pakistanischen Stadt erstmals beschrieben. Und es gab die ersten Vermutungen, dass sich bin Laden dort aufhalten könnte. Zweifelsfrei geklärt ist das jedoch nicht, denn es gibt auch Gerüchte, wonach Pakistanis bin Ladens Aufenthaltsort an die Vereinigten Staaten verraten hätten. Der pakistanische Arzt Shakeel Afridi sitzt beispielsweise seit zehn Jahren in seiner Heimat in Isolationshaft. Ihm wird vorgeworfen, damals mit der CIA kooperiert zu haben.

4| War der Gebäudekomplex besonders auffällig?

Gebaut wurde das Anwesen zwischen 2003 und 2005, Eigentümer soll der persönliche Kurier "al-Kuwaiti" gewesen sein. Komplett umgeben war der Komplex von einer Mauer, die zwischen 3,7 und 5,5 Meter hoch war. Oben drauf war Stacheldraht angebracht – und es gab eine Reihe von Überwachungskameras. Auffällig waren die Größe des Gebäudekomplexes, die vergleichsweise kleinen Fenster und die enormen Sicherheitsvorkehrungen. Innen gab es laut einem Bericht des britischen "Guardian" einen großen Gemüsegarten für die Selbstversorgung, gehalten wurden auch Kühe und Hühner. Der Müll wurde übrigens nicht auf die Straße gestellt, sondern stets auf dem Grundstück verbrannt.

5| Wie bereitete sich die US-Spezialeinheit auf den Einsatz vor?

Das Anwesen in Abbottabad, in dem bin Laden vermutet wurde, wurde in den USA nachgebaut, damit die Marinesoldaten dort üben konnten. In der zweiten Aprilhälfte 2011 wurde die Spezialeinheit der Navy Seals nach Afghanistan verlegt. Auch dort wurde der Gebäudekomplex nachgebaut, damit die Soldaten bis zuletzt üben konnten.

6| Wie viele Personen waren unmittelbar am Einsatz beteiligt?

79 Soldaten und ein Diensthund. Der Vierbeiner sollte möglichen Sprengstoff aufspüren und davor warnen. Vier Hubschrauber transportierten die Einsatzkräfte, zwei davon flogen das Gebäude an. Die anderen beiden Helikopter warteten in der Nähe des Gebäudes. Angegeben wurde, dass der Einsatz 38 Minuten gedauert hat. Live übertragen wurde die Aktion in den sogenannten Situation Room im Weißen Haus – siehe Foto oben.

7| Wie sicher war der US-Geheimdienst CIA, dass sich bin Laden in dem Gebäudekomplex befand?

Unmittelbar vor Beginn der "Operation Neptune Spear" sprach die CIA von 40 bis 60 Prozent, Obama musste damals also eine 50:50-Entscheidung treffen.

8| War Pakistans Regierung in die Aktion eingebunden?

Nein, offiziell nicht, da kein ausreichendes Vertrauensverhältnis zu Islamabad bestand. Schwierig war daher der Flug von Afghanistan nach Abbottabad, da man damit den Luftraum Pakistans verletzte. In einer der letzten Einsatzbesprechungen wurde noch betont, dass der Schutz der US-Einsatzkräfte über den Interessen Pakistans stehe. Bemerkenswert ist, dass Abbottabad ein wichtiger Standort der Armee des Landes ist. Nicht nur in Pakistan wurde daher diskutiert, wie bin Laden dort jahrelang unentdeckt leben konnte.

9| Was passierte mit der Leiche Osama bin Ladens?

Der Leichnam wurde fotografiert und nach Afghanistan ausgeflogen, wo dann eine DNA-Analyse gemacht wurde. Schließlich wurde er an Bord eines US-Flugzeugträgers gebracht und unter Einhaltung muslimischer Bestattungsvorschriften im Meer zwischen der Arabischen Halbinsel und Indien bestattet. Damit wurde verhindert, dass ein Pilgerort für bin Ladens Anhänger geschaffen wurde.

10| Wie ging es mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida weiter?

Für den deutschen Terrorismusexperten Guido Steinberg war der Tod bin Ladens ein "Epochendatum in der Geschichte des islamistischen Terrorismus". Der Verlust des Anführers habe den Niedergang Al-Kaidas besiegelt. Der geplante Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan könnte jedoch zu einem Wiederaufstieg führen, befürchtet Steinberg. Er erwartet, dass sich die Taliban im Land durchsetzen werden.

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Artikel von

Clemens Schuhmann

Redakteur Außenpolitik, Weltspiegel

Clemens Schuhmann
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