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Außenpolitik

Türkische Offensive: Syrische Kurden melden Flucht von 785 IS-Angehörigen

14. Oktober 2019 00:04 Uhr

Türkische Offensive: Syrische Kurden melden Flucht von 785 IS-Angehörigen
Leidtragende der von syrischen Kämpfern unterstützten türkischen Militäroffensive in Nordsyrien ist vor allem die Zivilbevölkerung.

ANKARA/TALL ABYAD. Frankreich und Deutschland schränken Waffenlieferungen an Türkei ein – Trump droht.

Die internationalen Befürchtungen, wonach die militärische Offensive der Türkei in Nordsyrien die Terrormiliz IS stärken könnte, scheinen sich zu bewahrheiten. Jedenfalls, wenn die Meldung der syrischen Kurden stimmt. Laut der kurdischen Autonomieverwaltung sollen alleine aus einem Lager bei Ain Issa 785 Frauen und Kinder, alles Angehörige von Kämpfern des IS, geflohen sein, nachdem es in der Nähe türkische Luftangriffe gegeben hat. Die Insassen des IS-Lagers hätten demnach die Wachen angegriffen und die Tore geöffnet.

In den kurdischen Gefängnissen in Nordsyrien sind rund 12.000 IS-Kämpfer inhaftiert, darunter bis zu 3000 Ausländer. Ein Teil der Gefängnisse liegt unmittelbar in der Kampfzone.

> Video: Verena Gleitsmann (ORF) zur Lage in den IS-Lagern

In Internierungslagern in der Region leben zudem rund 12.000 ausländische Frauen und Kinder. Viele von ihnen waren im März bei der Eroberung der letzten IS-Bastion Baghouz im Osten Syriens durch die YPG-Miliz in Gefangenschaft geraten. Die syrische Kurdenmiliz ist ein wichtiger Verbündeter des Westens im Kampf gegen die Dschihadisten, gilt Ankara aber wegen ihrer engen Verbindungen zu kurdischen Rebellen in der Türkei als Bedrohung.

EU-Außenminister beraten

International wächst seit Tagen die Kritik an der Türkei. Nachdem mehrere EU-Staaten ihre Rüstungsexporte an Ankara auf Eis gelegt hatten, schränkten auch Deutschland und Frankreich am Samstag ihre Waffenlieferungen ein. Der EU-Außenministerrat soll heute über eine koordinierte europäische Haltung in dieser Frage entscheiden. Frankreich hatte sich bereits zuvor für EU-Sanktionen ausgesprochen.

> Video: Proteste für Kurden und gegen türkische Syrien-Offensive

Die USA haben ihre Sanktionsdrohungen gegen die Türkei bekräftigt und vor der Flucht gefangen genommener IS-Kämpfer gewarnt. "Ich habe der Türkei klargemacht, dass wir schnelle, starke und harte Wirtschaftssanktionen verhängen, wenn sie ihre Verpflichtungen nicht einhält", sagte Präsident Donald Trump. Zu diesen Verpflichtungen gehöre der "Schutz religiöser Minderheiten und auch die Überwachung von IS-Häftlingen, die wir gefangen haben". Den kurdischen Kämpfern riet er dazu, sich aus dem umkämpften Grenzgebiet zur Türkei zurückzuziehen.

Schon 130.000 Flüchtlinge

Bei der Offensive wurden laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 104 kurdische Kämpfer und 52 Zivilisten getötet, während mehr als 130.000 Menschen in die Flucht getrieben wurden. Bei Gefechten in Tall Abyad hätten syrische Milizionäre neun Zivilisten "hingerichtet". Nach kurdischen Angaben war auch die kurdische Politikerin Hervin Khalaf unter den Opfern. Khalaf war Co-Vorsitzende der säkularen Partei Syriens Zukunft. Tall Abyad soll gestern von der türkischen Armee eingenommen worden sein.

Aus Protest gegen die Offensive gingen am Samstag in zahlreichen europäischen Städten zehntausende Menschen auf die Straße, in Wien waren es mehr als 3000.

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