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Außenpolitik

Theresa May: Tränen zum Abschied

Von Jochen Wittmann 25. Mai 2019 00:04 Uhr

Der Abgang fiel ihr sichtlich schwer: Premierministerin Theresa May

LONDON. Die Britische Premierministerin kündigte ihren Abgang an - zuerst als Parteichefin am 7. Juni.

Erst als um 9.49 Uhr am Freitagmorgen das braune Podium vor die Tür der Number 10 Downing Street geschleppt wurde, war endgültig klar: Dies wird jetzt wirklich der Abgang von Theresa May.

Um kurz nach zehn Uhr trat sie ans Podium für eine kurze Adresse an die Nation. Während ihr Ehemann Philip und ihre engsten Mitarbeiter im Hintergrund zuhörten, erklärte May, dass sie am 7. Juni als Chefin der Konservativen Partei zurücktreten werde. Sie bleibe als Interims-Regierungschefin bis zum Finden eines neuen Vorsitzenden der Partei im Amt.

"Es wird immer mein größtes Bedauern sein, den Brexit nicht liefern zu können", sagte sie. Sie habe ihr Bestes gegeben, um das Unterhaus von ihrem Deal zu überzeugen, aber "leider gelang mir das nicht. Es ist mir nun klar geworden, dass es im besten Interesse des Landes ist, wenn ein neuer Premierminister diese Anstrengung übernimmt."

Zum Ende ihre kurzen Rede wallten die Emotionen hoch. Sie gehe nicht mit Groll, sagte sie, "sondern mit großer und bleibender Dankbarkeit, die Gelegenheit gehabt zu haben, dem Land zu dienen, das ich liebe". Da brach die Stimme, Tränen schossen in die Augen und Theresa May drehte sich um und ging. Als Reaktion auf die Rücktrittsankündigung stieg das britische Pfund deutlich.

Mays Erklärung besiegelte ihr politisches Ende, aber noch nicht das ihrer Amtszeit. Sie wird noch Anfang Juni US-Präsident Donald Trump zum Staatsbesuch in London begrüßen. Und sollten die Konservativen bis zur Sommerpause des Parlaments Ende Juli es nicht schaffen, einen Nachfolger zu finden, dann könnte May noch bis September in der Downing Street verbleiben. Aber der Appetit bei den Torys ist groß, die Amtsübernahme rasch zu regeln.

Mehr als ein Dutzend Bewerber dürfte es geben, wenn der Startschuss offiziell am 7. Juni erklingt. Das Prozedere des Kampfes um die Nachfolge ist wichtig. Zuerst darf die Fraktion auswählen. Die Tory-Abgeordneten ermitteln aus einem breiten Kandidatenfeld zwei Bewerber. Die Finalisten stellen sich dann einer Urwahl. Damit bestimmen letztlich die 125.000 Mitglieder der Konservativen Partei, wer nächster Regierungschef wird. Und dabei weiß man: Die Tory-Basis ist ausgesprochen Brexit-fanatisch. Wer von den beiden Finalisten sich als kompromisslosester Hardliner aufspielt, dürfte das Rennen machen.

Boris Johnson eindeutiger Favorit

Zur Zeit ist Ex-Außenminister Boris Johnson der eindeutige Favorit. Er genießt bei den Parteimitgliedern die größte Popularität, deutlich vor dem Ex-Brexit-Minister Dominic Raab. Beim Wettbüro Betfair schossen Johnsons Chancen von noch rund 25 Prozent in der letzten Woche auf satte 40 Prozent am Freitag. Sollte er die Hürde in der Fraktion nehmen können und es bis unter die letzten zwei Bewerber schaffen, hätte er in der Urwahl ein Heimspiel.

Wer auch immer May beerben wird, steht vor einem Trümmerhaufen. Denn weder wird sich mit einem neuen Parteivorsitzenden und Regierungschef etwas an der verfahrenen Brexit-Problematik ändern noch an der verkeilten Machtsituation im Parlament.

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