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Außenpolitik

Sjewjerodonezk vollständig von russischen Truppen eingenommen

Von nachrichten.at/apa   25. Juni 2022 17:11 Uhr

Sjewjerodonezk

KIEW/MOSKAU/SJEWJERODONEZK. Die Stadt Sjewjerodonezk in der Ostukraine ist nach Angaben ihres ukrainischen Bürgermeisters Olexander Strjuk vollständig von russischen Truppen besetzt.

"Sie versuchen, ihre eigene Ordnung herzustellen. Soweit ich weiß, haben sie eine Art Kommandanten ernannt", sagt Strjuk im ukrainischen Fernsehen. Wo Strjuk sich aufhält, wurde nicht genannt.

Die ukrainischen Truppen haben sich zu großen Teilen aus dem schwer umkämpften Sjewjerodonezk zurückgezogen. Sie hätten andere Stellungen bezogen, sagte Strjuk am Samstag der ukrainischen Nachrichtenseite 24tv zufolge. Zahlen und Details nannte er nicht. Die Truppen hätten die Chemiefabrik "Asot" verlassen. Dort hielten sich demnach noch Zivilisten auf.

Die ukrainische Armee hatte am Freitag ihren Rückzug aus der Stadt angeordnet. Das sollte einige Tage in Anspruch nehmen. Sjewjerodonezk zählte bisher zu den letzten Teilen des Gebietes Luhansk, die noch nicht von russischen und pro-russischen Kämpfern erobert waren.

In der Stadt leben heute noch einige Tausend Menschen. Nach Darstellung der pro-russischen Separatisten sollen inzwischen mehr als 800 Zivilisten das Chemiewerk verlassen haben, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete. Zuletzt gab es unterschiedliche Angaben, wie viele Menschen in der Fabrik Schutz vor den Angriffen gesucht haben.

Schwerer Raketenbeschuss in der Nacht

Russland nahm nach Angaben der Ukraine in der Nacht auf Samstag Ziele allen Landesteilen unter schweren Beschuss genommen. "48 Marschflugkörper. Nachts. In der ganzen Ukraine", schrieb einer der Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj, Mychajlo Podoljak, auf Twitter. "Russland versucht weiter, die Ukraine einzuschüchtern, Panik zu schüren und die Menschen in Angst zu versetzen." Von russischer Seite lag zunächst keine Stellungnahme vor.

Aus dem Norden meldete die Ukraine am Samstag Raketenangriffe nahe den Städten Schytomyr, Tschernihiw und Charkiw. Die russischen Streitkräfte hätten fast 30 Raketen auf eine militärische Infrastruktureinrichtung bei Schytomyr abgefeuert, teilte Gouverneur Witalij Bunetschko mit. Knapp zehn Raketen seien abgefangen und zerstört worden. Mindestens ein Soldat sei bei dem Angriff getötet worden.

In der Region Tschernihiw sei die Kleinstadt Desna unter massiven Raketenbeschuss geraten, teilte Gouverneur Wjatscheslaw Tschaus mit. Es habe keine Verletzten, aber Schäden an der Infrastruktur gegeben. In Desna befindet sich ein Ausbildungszentrum für die ukrainische Infanterie. Auch die Region Charkiw wurde nach Angaben des ukrainischen Generalstabs von Raketenangriffen getroffen.

Angriffe vom Schwarzen Meer

In der Westukraine wurden ukrainischen Angaben zufolge bei einem russischen Raketenangriff auf eine Militäranlage in Jaworiw vier Menschen verletzt. Die russischen Streitkräfte hätten sechs Raketen vom Schwarzen Meer aus abgefeuert, sagt der Gouverneur der Region Lwiw, Maxym Kosyzkyj, in einer Videobotschaft. Vier Raketen hätten den Stützpunkt getroffen, zwei seien von der ukrainischen Luftabwehr abgefangen und zerstört worden. Im März waren bei einem russischen Angriff auf ein Ausbildungslager des ukrainischen Militärs nahe Jaworiw nach Behördenangaben 35 Menschen getötet und mindestens 130 verletzt worden.

In der südukrainischen Stadt Mykolajiw und deren Umland schlugen nach Angaben von Bürgermeister Olexander Senkewytsch fünf russische Raketen ein. Die Zahl der Opfer werde noch geklärt, teilte er mit.

Russland hat den Angriffskrieg, den die Regierung in Moskau als "militärische Spezialoperation" bezeichnet, am 24. Februar begonnen. Anfangs rechneten viele Experten damit, dass die Ukraine nach wenigen Tagen besiegt sein würde. Doch schlugen die Ukrainer die russischen Truppen etwa vor den Toren der Hauptstadt Kiew zurück. Russland verstärkte seine Angriffe daraufhin auf den Osten des Landes, wo es trotz heftiger Verluste zuletzt immer mehr Gebiete einnehmen konnte. Westliche Wirtschaftssanktionen gegen Russland, russische Gaslieferbeschränkungen sowie die Blockade ukrainischer Getreideexporte lasten auf Volkswirtschaften weltweit.

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