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Außenpolitik

Russland warnt: "Die Welt steht am Rande einer nuklearen Katastrophe"

13. August 2022 00:04 Uhr

Russland warnt: "Die Welt steht am Rande einer nuklearen Katastrophe"
"Nein und nochmals nein!": Russische Politiker weigern sich, Europas größtes Atomkraftwerk wieder an die Ukraine zu übergeben.

MOSKAU/KIEW. Wieder Angriffe auf das Atomkraftwerk Saporischschja – IAEO-Experten wollen Lage prüfen.

Die Situation um das seit März von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk Saporischschja im Süden der Ukraine hat sich dramatisch zugespitzt. Mehrfach wurde die Anlage in den letzten Stunden beschossen und beschädigt. "Dies ist eine ernste Stunde, eine Grabesstunde", warnte die Internationale Atomenergieagentur (IAEO).

Zwar konnte IAEO-Chef Rafael Grossi vorsichtig beruhigen: Es gebe zwar Schäden an dem Atomkraftwerk, die Strahlenmessungen seien aber auf einem normalen Niveau, sagte er. Doch gleichzeitig warnte er: Dies alles könne sich jeden Moment ändern. Deshalb forderte er in einer Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrats: "Jede Militäraktion, die die nukleare Sicherheit gefährdet, muss sofort gestoppt werden."

IAEO-Experten sollen prüfen

Nach Saporischschja sollen nun Experten entsandt werden, "um Bedenken in Bezug auf die nukleare Sicherheit zu klären". Die USA wollen rund um das AKW eine entmilitarisierte Zone einrichten. Der russische Botschafter bei den Vereinten Nationen, Wassili Nebensja, zeigte sich ebenfalls alarmiert. Die Welt stehe "am Rande einer nuklearen Katastrophe", vergleichbar mit dem Super-GAU im ukrainischen Tschernobyl im April 1986, warnte er und bekräftigte, dass die Inspekteure der Atomenergie-Organisation IAEO das Kraftwerk noch in diesem Monat besuchen können.

Doch ein Abzug aus Saporischschja ist für Russland im Moment kein Thema: "Nein und nochmals nein!" – mit diesen Worten lehnten führende russische Politiker die Forderung der G7-Staaten nach einer Übergabe des Atomkraftwerks Saporischschja an die Ukraine ab. Konstantin Kossatschow, Vizechef des russischen Parlamentsoberhauses, begründete das mit "Sicherheitsbedenken".

Selenskyj erteilt Redeverbot

Unterdessen berichteten britische Geheimdienstexperten, dass die Explosionen auf der Krim die russische Schwarzmeerflotte deutlich geschwächt hätten. Mindestens acht Flugzeuge seien dabei zerstört oder beschädigt worden, hieß es. Russland nutzt die Krim als Hauptnachschubroute für seine Invasionstruppen im Süden der Ukraine. Ukrainische Beamte haben inzwischen indirekt zugegeben, dass Kiew hinter dem Angriff steckt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erteilte ihnen aber Redeverbot. Sie dürften die militärische Taktik gegen Russland nicht verraten.

Hausarrest in Moskau & weitere Getreide-Exporte

Wegen ihrer Kritik an Russlands Krieg gegen die Ukraine muss die frühere russische TV-Journalistin Marina Owsjannikowa bis 9. Oktober in Hausarrest. Der Arrest ist Teil eines Strafverfahrens, in dem die 44-Jährige wegen der angeblichen Verbreitung von Falschinformationen über die russischen Streitkräfte angeklagt ist. Dabei drohen ihr zwischen fünf und zehn Jahren Haft. Die Journalistin hatte im März ein Antikriegsplakat in die laufende Kamera gehalten.

Zum ersten Mal seit der Wiederaufnahme von Agrarexporten über das Schwarze Meer hat gestern ein mit Weizen beladener Frachter von der Ukraine abgelegt. Die „Sormowsky“ habe den Hafen Tschornomorsk mit etwas mehr als 3000 Tonnen Getreide an Bord verlassen und sei auf dem Weg in den Nordwesten der Türkei, hieß es.
Auch ein mit 60.000 Tonnen Mais beladenes Schiff verließ gestern einen ukrainischen Hafen in Richtung Türkei.

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