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Außenpolitik

IAEA: Ukrainisches AKW keine unmittelbare Bedrohung, aber Sorge ist groß

Von nachrichten.at/apa   11. August 2022 16:23 Uhr

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Russischer Soldat vor dem Atomkraftwerk

KIEW/MOSKAU. KIEW/MOSKAU. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) stuft das AKW derzeit nicht als unmittelbare Bedrohung ein. Dies könne sich aber jederzeit ändern, hieß es. UN-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich sehr besorgt.

Das unter anhaltendem Beschuss stehende ukrainische AKW Saporischschja ist nach Angaben der IAEA momentan kein Sicherheitsrisiko. "IAEA-Experten haben vorläufig festgestellt, dass keine unmittelbare Bedrohung der Sicherheit infolge des Beschusses oder anderer militärischer Aktionen besteht. Dies kann sich jedoch jederzeit ändern", sagte IAEA-Chef Rafael Grossi am Donnerstag bei einer Dringlichkeitssitzung des UNO-Sicherheitsrates in New York.

Er forderte Moskau und Kiew auf, einen Besuch internationaler Experten schnell zu ermöglichen. "Ich persönlich bin bereit, eine solche Mission zu leiten." Nur wenige Stunden vor der von Russland angefragten Sitzung des mächtigsten UNO-Gremiums war Europas größtes Atomkraftwerk erneut unter Beschuss geraten.

Saporischschja sei mit schwerer Artillerie und Raketenwerfern angegriffen worden, teilte ein Vertreter der russischen Besatzungsbehörden, Wladimir Rogow, am Donnerstag im Nachrichtenkanal Telegram mit. Zuvor hatte die Ukraine Russland beschuldigt, das AKW ins Visier zu nehmen.

Guterres höchst besorgt

Sollten die "zutiefst beunruhigenden Vorfälle" rund um das umkämpfte ukrainische Atomkraftwerk andauern, könnten sie "ein Desaster auslösen", so UN-Generalsekretär Antonio Guterres. 

Größtes Atomkraftwerk Europas unter Beschuss geraten

Jeder Schaden in Saporischschja oder an einer anderen Atomanlage in der Ukraine könnte "katastrophale Folgen nicht nur für die Umgebung, sondern für die Region und darüber hinaus haben", erklärte Guterres. "Bedauerlicherweise" habe es bisher keine Deeskalation gegeben. Er habe alle Seiten gebeten, "Vernunft und gesunden Menschenverstand zu beweisen und nichts zu tun, das die Unversehrtheit und die Sicherheit des größten Atomkraftwerks Europas gefährden könnte".

Guterres rief dazu auf, "umgehend" sämtliche militärische Aktivität rund um das Kraftwerk einzustellen und "nicht auf es zu zielen". Rund um das Akw Saporischschja sei eine "entmilitarisierte Zone" nötig, um die Sicherheit der Umgebung zu gewährleisten.

Das Atomkraftwerk in Saporischschja ist das größte in Europa. Russische Truppen brachten es im März kurz nach Beginn ihres Angriffskriegs gegen die Ukraine unter ihre Kontrolle. Nach den Angriffen vom Wochenende musste ein Reaktor heruntergefahren werden.

USA unterstützen Errichtung entmilitarisierter Zone

Die USA unterstützen Forderungen nach einer entmilitarisierten Zone rund um das Atomkraftwerk. Das Gelände des AKW wurde bereits mehrfach getroffen, wofür beide Seiten einander verantwortlich machen. "Kämpfe in der Nähe eines Kernkraftwerks sind gefährlich und unverantwortlich", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. "Wir fordern Russland weiterhin auf, alle Militäreinsätze in oder in der Nähe ukrainischer Kernkraftwerke einzustellen und die volle Kontrolle an die Ukraine zurückzugeben. Und wir unterstützen die ukrainischen Forderungen nach einer entmilitarisierten Zone um das Kernkraftwerk herum."

Kiew will Großteil der Donbass-Bewohner evakuieren

Kiew will noch vor Wintereinbruch zwei Drittel der Einwohner in den von ihr beherrschten Gebieten im Donbass evakuieren. Die stellvertretende Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk erklärte, rund 220.000 Menschen, darunter 52.000 Kinder, sollten aus den Kampfgebieten gebracht werden. Die Regierung fürchtet, dass die Menschen unter anderem wegen der Schäden an der Infrastruktur nicht werden heizen können. Im Donbass im Osten der Ukraine wird besonders heftig gekämpft.

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