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Außenpolitik

Nach Skandal: Historisches Verfahren im Vatikan

28. Juli 2021 00:04 Uhr

Nach Skandal: Historisches Verfahren im Vatikan
Muss sich seit gestern der weltlichen Gerichtsbarkeit im Vatikan stellen: Kardinal Angelo Becciu

ROM. Erstmals muss sich ein Kardinal der weltlichen Strafverfolgung stellen. Es geht um Veruntreuung und Amtsmissbrauch.

Im Vatikan hat ein historisches Verfahren wegen eines großen Finanzskandals begonnen. Zehn Personen, darunter Kardinal Angelo Becciu, sind wegen Veruntreuung und Amtsmissbrauch angeklagt. Es ist das erste Mal, dass ein Kardinal von der vatikanischen Strafverfolgung angeklagt wird. Becciu war bis zu seiner Entlassung im September 2020 als Äquivalent eines Stabschefs für Papst Franziskus tätig.

Im Zentrum des Verfahrens steht ein ruinöses Immobiliengeschäft in London: der Kauf eines 17.000 Quadratmeter großen Ex-Lagerhauses, das in Luxuswohnungen umgewandelt werden sollte. Der völlig überhöhte Preis von 350 Millionen Euro bedeutete laut Vatikan "erhebliche Verluste" für die Staatskasse und wurde teilweise mit Mitteln bezahlt, "die für die persönliche karitative Arbeit des Heiligen Vaters bestimmt waren".

Der Vatikan hatte sich für den Immobilienkauf mehr als 200 Millionen Dollar geliehen und in einen Luxemburger Fonds des Finanziers Raffaele Mincione investiert. Die Hälfte des Geldes floss in den Kauf eines Teils besagter Londoner Immobilie.

Der Vatikan hatte keine Kontrolle über die Verwendung des Restbetrags und Mincione nutzte die Mittel für Hochrisikogeschäfte. 2018 engagierte der Kirchenstaat deshalb Gianluigi Torzi, um die Verbindungen mit Mincione zu kappen und den Kauf der Londoner Immobilie zu finalisieren. Angeblich machte Torzi jedoch mit Mincione gemeinsame Sache. Außerdem fügte er eine Klausel in die Verträge ein, die ihm die Kontrolle über die Immobilie übertrug.

Papst-Verbot

Papst Franziskus reagierte rasch auf die Missstände, die mit der Fehlinvestition in London zutage kamen. Er verbot, dass vom Staatssekretariat aus weiter Geld verwaltet wurde. Die Aufgaben übernahm die Vermögensverwaltung APSA (Administrazione del Patrimonio della Santa Sede). Deren Vermögen geht unter anderem auf das Konkordat von 1929 zwischen dem Italien Mussolinis und dem Heiligen Stuhl zurück. Damals wurde eine Situation bereinigt, die seit 1870 in der Schwebe war, als Truppen des italienischen Königs in Rom einmarschierten und dem bis dahin existierenden Kirchenstaat ein Ende machten. Die "Entschädigung" für den Vatikan: 750 Millionen Lire in bar und eine Milliarde Lire in Staatstiteln.

Vatikan: Milliarden-Vermögen

Unterdessen hat der Vatikan erstmals einen Überblick über einen Teil seiner Vermögensanlagen veröffentlicht, dazu eine tief reichende Analyse der Haushaltslage des Heiligen Stuhls nach dem Krisenjahr 2020. Aus den veröffentlichten Daten lässt sich ableiten, dass buchhalterisch die Bruttoanlagen des Vatikans rund 3,8 Milliarden Euro wert sind. Allerdings gibt es bei der Bewertung der Vermögensbestände große Unsicherheiten.

In den Angaben für Ende 2020 ist die Rede von einem Bruttovermögen von rund 1,4 Milliarden Euro und einem Nettovermögen von 883 Millionen Euro.

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