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Krieg im Gazastreifen: Dutzende Tote bei Angriff auf Flüchtlingsstadt

Von nachrichten.at/apa, 18. November 2023, 16:40 Uhr
Jabalia
Jabalia liegt nach mehreren Angriffen in Trümmern (Archivbild) Bild: (APA/AFP/-)

JABALIA/GAZA. Bei zwei israelischen Angriffen auf die hauptsächlich von Flüchtlingen bewohnte Stadt Jabalia im Gazastreifen sind nach Angaben des von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums am Samstag mehr als 80 Menschen getötet worden.

Unterdessen wurde das Shifa-Krankenhaus in der Stadt Gaza größtenteils geräumt.

Die von der UNO betriebene und als Flüchtlingsunterkunft genutzte Al-Fachura-Schule in Jabalia sei am Samstag früh beschossen worden, sagte ein Ministeriumsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Dabei seien 50 Menschen getötet worden. Bei einem zweiten Angriff auf ein weiteres Gebäude wurden laut Ministeriumsvertreter 32 Mitglieder einer Familie getötet.

19 Kinder getötet

Online verbreitete Aufnahmen zeigten mit Staub und Blut befleckte Leichen in der Al-Fachura-Schule, wo Matratzen unter Schulbänken ausgebreitet waren. Die Echtheit der Aufnahmen ließ sich nicht verifizieren. Das Gesundheitsministerium veröffentlichte eine Liste mit den Namen aller beim zweiten Angriff getöteten Familienmitglieder. Den Angaben nach waren 19 der Todesopfer Kinder. Die israelische Armee antwortete auf Bitten um eine Stellungnahme zunächst nicht.

Jabalia im Norden des Gazastreifens ist das größte von acht Flüchtlingslagern in dem Palästinensergebiet, das zu einer Stadt angewachsen ist. Mehr als 80 Prozent der Bewohner der Lager sind Flüchtlinge oder Nachkommen von Flüchtlingen, die ihre Häuser bei der Gründung des Staats Israel im Jahr 1948 verlassen hatten.

Anfang November hatte die Hamas-Regierung erklärt, dass bei israelischen Bombardierungen des Flüchtlingslagers mehr als 200 Menschen innerhalb von drei Tagen getötet worden seien. Hunderte weitere Menschen seien verletzt worden.

Shifa-Krankenhaus geräumt

Im Shifa-Krankenhaus sind unterdessen laut dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium nur noch etwa 120 Verletzte und eine nicht näher genannte Zahl von Frühgeborenen in der größten Klinik des Gazastreifens. Das israelische Militär hatte zuvor erklärt, die Evakuierung geschehe auf Wunsch von deren Direktor.

Krankenhausleiter Mohammed Abu Salmiya hatte zuvor erklärt, er sei von der israelischen Armee angewiesen worden, "die Evakuierung von Patienten, Verletzten, Vertriebenen und medizinischem Personal" sicherzustellen. Die Armee betonte dagegen, zu keinem Zeitpunkt die Evakuierung von Patienten oder medizinischem Personal angeordnet, sondern lediglich dem "Ersuchen" des Direktors stattgegeben zu haben, die Evakuierung weiterer Menschen aus dem Krankenhaus zu ermöglichen. Es gehe darum, weiteren Menschen, die in der Klinik Schutz gesucht hätten, zu ermöglichen, "dies über den sicheren Weg zu tun". Medizinisches Personal werde im Krankenhaus bleiben, um sich um Patienten zu kümmern, die die Klinik nicht verlassen könnten, hieß es weiter.

Ärzte eingeschlossen

Auch Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen und deren Angehörige sind nach Angaben der Hilfsorganisation in der Nähe des Shifa-Krankenhauses eingeschlossen. Insgesamt gehe es um 137 Menschen, darunter 65 Kinder, denen es wegen der anhaltenden heftigen Kämpfe nicht möglich sei, das Gebiet sicher zu verlassen, erklärte die Organisation am Samstag. Bisherige Versuche, die Mitarbeiter und deren Familien zu evakuieren, seien gescheitert.

Die israelische Armee durchsuchte den vierten Tag in Folge den weitläufigen Gebäudekomplex des Krankenhauses, unter dem sie eine Kommandozentrale der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas vermutet. UNO-Angaben zufolge befanden sich vor der jüngsten Evakuierung rund 2.300 Patienten, Verletzte und Vertriebene in dem Krankenhaus.

Aufruf zur Evakuierung

Israel ruft die Menschen in Gaza und dem nördlichen Gazastreifen seit Wochen dazu auf, aus Sicherheitsgründen in den Süden des abgeriegelten Küstenstreifens zu fliehen. Am Samstag forderte die Armee die Bewohner mehrerer Viertel der Stadt Gaza erneut zur Evakuierung auf. Bis 16.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MEZ) sollten Anrainer zu ihrer eigenen Sicherheit aus den Stadtteilen im nördlichen Gazastreifen in den Süden fliehen, schrieb ein Sprecher der Armee am Samstag auf Arabisch auf der Plattform X, vormals Twitter. Zur Evakuierung aufgerufen waren auch Bewohner des Flüchtlingsviertels Jabalia.

Zivilisten, die von der Terrororganisation Hamas an der Flucht gehindert würden, könnten sich per Telefon oder über die Plattform Telegram an die israelische Armee wenden, hieß es. Die Armee kündigte zudem eine vierstündige "taktische" Kampfpause im Flüchtlingslager Shabura in Rafah im Süden des Gazastreifens aus humanitären Gründen an. In der Gegend liegt auch der Grenzübergang nach Ägypten.

Angriffe im Westjordanland

Im Westjordanland tötete Israels Armee indes eigenen Angaben zufolge "mehrere Terroristen" in einem Flüchtlingslager in der Stadt Nablus. Ein Fluggerät habe bei dem Einsatz in Balata deren Versteck angegriffen, teilte das Militär am Samstag mit. Palästinensischen Angaben zufolge wurden bei dem Drohnenangriff der israelischen Armee in der Nacht auf Samstag fünf Männer getötet. Laut der palästinensischen Nachrichtenagentur WAFA wurden dabei auch zwei Menschen verletzt.

Die getöteten Palästinenser planten nach Darstellung der Armee Anschläge gegen israelische Zivilisten und militärische Ziele. Einer der Toten sei in der Vergangenheit bereits an Anschlägen beteiligt gewesen. Während der Razzia in dem Flüchtlingslager hätten Angreifer auf die Einsatzkräfte geschossen. Die Soldaten erwiderten Armeeangaben zufolge das Feuer.

Nach einem WAFA-Bericht wurde auch in Tubas im Norden des Westjordanlands ein Palästinenser bei Konfrontationen im Zuge einer Razzia des israelischen Militärs getötet.

Die Lage im Westjordanland hat sich seit Beginn des Kriegs zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas am 7. Oktober deutlich zugespitzt. Rund 200 Palästinenser wurden seither nach Angaben des Gesundheitsministeriums getötet.

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