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Außenpolitik

"Katastrophe": Klimagipfel endete ohne Fortschritte

16. Dezember 2019 00:04 Uhr

"Katastrophe": Klimagipfel endete ohne Fortschritte
Die Klimakonferenz dauerte zwei Tage länger als geplant.

MADRID. Trotz zweitägiger Verlängerung gelang in Madrid lediglich ein Minimalkompromiss "Gipfel der Schande": Aktivisten und Umweltorganisationen sind entsetzt.

"Klimakonferenz der Schande", "völlig unzureichend", "Katastrophe für das Klima" oder "kein zählbares Ergebnis": Umweltorganisationen und -aktivisten haben mit heftiger Kritik und Enttäuschung auf die Ergebnisse der gestern zu Ende gegangenen Klimakonferenz in Madrid (COP25) reagiert. Trotz der weltweiten Klimaproteste in diesem Jahr und einer Verlängerung der Konferenz um zwei Tage konnten im Kampf gegen den Klimawandel keine Fortschritte erzielt werden. Entsprechend vage fiel die Abschlusserklärung aus.

"Katastrophe": Klimagipfel endete ohne Fortschritte
Proteste begleiteten die klimakonferenz.

Carolina Schmidt, Chiles Umweltministerin und COP-Vorsitzende, verlas die Beschlüsse vor Delegierten aus rund 200 Ländern. Darin wurde die Notwendigkeit anerkannt, dass die Länder ihre nationalen Klimaziele anheben.

Chiles Umweltministerin und COP25-Vorsitzende Carolina Schmidt.

Erster klimaneutraler Kontinent

Schmidt lobte, dass sich inzwischen 120 Staaten zum Ziel der Klimaneutralität bis 2050 bekannt hätten. Die Zahl der Staaten in der sogenannten "Climate Ambition Alliance" habe sich damit verdoppelt. Die EU hatte sich zuvor zum "Green Deal" bekannt und auch dazu, bis 2050 der erste "klimaneutrale" Kontinent zu werden.

Im Beschluss zur Klimaschutz-Ambition wird auf die "Kluft" zwischen den notwendigen und den tatsächlichen Maßnahmen zur Umsetzung des Pariser Abkommens von 2015 hingewiesen.

"Höchstmögliche Ambition"

Die Staaten werden daher "ermutigt", 2020 "die höchstmögliche Ambition als Reaktion auf die Dringlichkeit" des Kampfs gegen die Erderwärmung zu zeigen und auf Grundlage der Wissenschaft ehrgeizigere nationale Klimaziele vorzulegen. Die Hoffnung von Entwicklungsländern und Inselstaaten auf einen eigenen internationalen Fonds zur Bewältigung von bereits eintretenden klimabedingten Schäden und Verlusten erfüllte sich nicht.

Hoffnung auf Glasgow 2020

Die Ausgestaltung von Artikel 6 des Pariser Abkommens gelang ebenfalls nicht. Damit bleibt das sogenannte Regelbuch zur Umsetzung des Paris-Abkommens unvollständig. Alle anderen Kapitel waren vor einem Jahr bei der Konferenz in Kattowitz beschlossen worden. Die Artikel-6-Verhandlungen wurden damals auf die diesjährige Weltklimakonferenz vertagt und sollen nun auch die nächste UN-Klimakonferenz 2020 in Glasgow beschäftigen.

Artikel 6 sieht vor, auch Marktmechanismen zur Steigerung und Umsetzung der nationalen Klimaschutzbeiträge (NDC) zu nutzen. So könnte ein Industrieland ein Solarkraftwerk in einem afrikanischen Land finanzieren, um dort die Nutzung fossiler Energieträger zu verringern, und sich diese Emissionseinsparung auf seine NDC anrechnen lassen.

Zwist um Verschmutzungsrechte

Besonders umstritten war, ob unter dem 1997 unterzeichneten Kyoto-Protokoll vergebene Verschmutzungsrechte unter dem Paris-Abkommen weiter gelten sollen. Darum kämpften insbesondere Brasilien, aber auch die USA, Australien oder Indien.

Die EU stemmte sich dagegen, da aus ihrer Sicht die Anerkennung alter Zertifikate – genauso wie Schlupflöcher etwa für Doppelzählungen – das gesamte Pariser Klimaschutzabkommen unterlaufen würde.

"Katastrophe": Klimagipfel endete ohne Fortschritte
EU-Vizekommissionspräsident Frans Timmermans muss die Klimaschutzpläne der EU umsetzen.

Zitate:

"Die internationale Gemeinschaft hat eine wichtige Gelegenheit verstreichen lassen, mehr Ehrgeiz im Kampf gegen die Klimakrise zu zeigen. Aber wir dürfen nicht aufgeben. Und ich werde nicht aufgeben." Antonio Gutemes, UNO-Generalsekretär, ist enttäuscht.

"Es gibt Millionen von Menschen in der ganzen Welt, die schon jetzt unter den Folgen des Klimawandels leiden. Dieses Faktum zu bestreiten, könnte von einigen als Verbrechen gegen die Menschlichkeit interpretiert werden." Ian Fry, Vertreter der Delegation von Tuvalu.

"Die Weltgemeinschaft scheitert derzeit sogar an Minimalkompromissen, von ambitionierten Maßnahmen ganz zu schweigen", Lisa Platter, WWF Österreich

"Die Regierungen müssen sich komplett neu aufstellen, denn das Ergebnis der COP25 ist völlig inakzeptabel. Diese Klimakonferenz hat offenbart, wie Klimasünder die Politik beeinflussen und wie tief das Misstrauen der Jugendlichen gegenüber ihren Regierungen ist." Jennifer Morgan, Executive Director Greenpeace International

"Derzeit verliert Grönland sechs Mal schneller an Masse als zuvor und die Antarktis mindestens zwei Mal schneller. Australien steht in Flammen, und das bei einem Grad Erderhitzung. Wir wissen, dass das Überschreiten von zwei Grad ein hohes Risiko darstellt. Wir haben keine Zeit für scheiternde Klimaverhandlungen." Pam Pearson, Direktor der International Cryosphere Climate Initiative

"Weniger als erhofft, mehr als erwartet“

Österreichs Umweltministerin Maria Patek.

Während sich zahlreiche Umweltverbände und Klimaaktivisten tief enttäuscht und teils wütend über das Ergebnis des Klimagipfels zeigten, zog Österreichs Umweltministerium eine nicht allzu negative Bilanz. „Das Ergebnis lässt sich zusammenfassen: weniger als erhofft, mehr als erwartet“, sagte Umweltministerin Maria Patek.

"Es ist gut und richtig, dass die EU beim Thema Marktmechanismen standhaft geblieben ist – besser kein Deal als ein schlechter Deal. Wichtig ist und bleibt auch für die Zukunft, dass die Weltgemeinschaft im Rahmen dieser Konferenz an einen Tisch kommt. Denn wir können nur gemeinsam dem Klimawandel entgegenwirken“, resümierte die Umweltministerin. Zudem sei von Anfang an klar gewesen, dass „die Madrider Klimakonferenz eine sehr technische ist. Große politische Entscheidungen standen nicht auf der Agenda."

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