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Außenpolitik

"Genug ist genug": Ärzte ohne Grenzen fordern Verteilung von Flüchtlingen in der EU

Von nachrichten .at/apa   17. September 2020 15:35 Uhr

A woman holds a baby as refugees and migrants from the destroyed Moria camp protest near a new temporary camp, on the island of Lesbos
Leiden besonders: eine Mutter mit ihrem Kind auf Lesbos.

LESBOS/WIEN. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenze (MSF) fordert von EU-Staaten eindringlich die Aufnahme von Migranten aus dem abgebrannten Flüchtlingslager Moria.

Es sei nicht die Hilfe vor Ort oder das Geld, sondern wenn europäische Länder wirklich helfen wollen, dann sollten sie helfen, die Asylsuchenden innerhalb der EU zu verteilen, betonte der MSF-Mitarbeiter vor Ort, Faris Al-Jawad, am Donnerstag.

Einwohner greifen mittlerweile NGOs an

"Genug ist genug", zeigte er sich bei der Online-Pressekonferenz enttäuscht von den EU-Staaten. Die Aufnahme der 400 unbegleiteten Minderjährigen sei nur ein "Feigenblatt", so Jawad mit Verweis darauf, dass es hier 4.000 Kinder gebe. Auch die Stimmung auf der Insel sei entsprechend angespannt, berichtete der MSF-Mitarbeiter von Angriffen der Einwohner Lesbos' auf NGOs. Das neue Lager, erklärte er, sei als Kurzzeitlösung "ganz okay", aber alles was Moria ähnelt, keine Option.

Ärzte ohne Grenzen betreiben mittlerweile zwei Kliniken vor Ort. Am Donnerstagvormittag hatte sie eine großangelegte Polizeiaktion für mehrere Stunden von der Arbeit in einer Klinik abgehalten. Die Sicherheitsbeamten sollten offenbar die noch auf der Straße lebenden Migranten in das neue Lager bringen. Dort befinden sich nach Angaben von Jawad von den insgesamt rund 13.000 Asylsuchenden auf Lesbos erst 1.300, darunter 47 auf COVID-19 positiv getestete Menschen.

Das neue Lager "ist nicht bereit, Menschen würdevoll unterzubringen und in einem COVID-19-Kontext ist es unverständlich, dass ein Lager überhaupt in dieser Form aufgebaut wird", sagte Marcus Bachmann von Ärzte ohne Grenzen Österreich. Er könne sich nicht vorstellen, wie man so "eine Epidemie unter Kontrolle bekommen sollte". Ein Flüchtlingslager sei unter anderem angesichts des engen Raums eine "perfekte Brutstätte" für einen Virus.

Kranke Menschen können nicht ordentlich versorgt werden

Es sei "nicht nur eine angekündigte Katastrophe, als die ersten COVID-Fälle Anfang des Monats identifiziert wurden," gewesen, sondern es sei eine "produzierte Katastrophe", kritisierte Bachmann, und er fügte hinzu: "Notfallpläne, Vorbereitungsmaßnahmen für den Fall eines COVID-19-Ausfalls in dem Lager waren nach unsere Wahrnehmung nicht vorhanden." Es gebe hunderte Patienten mit "dringenden medizinischen Bedürfnisse, die vor Ort nicht versorgt werden können", erklärte Bachmann. Selbst in Griechenland könnten sie keine "adäquate Behandlung" bekommen. Sie müssten in Länder evakuiert werden, die über die medizinischen Kapazitäten verfügten wie etwa Österreich, forderte der MSF-Mitarbeiter mit Verweis auf leerstehende Lager.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betreibt laut Bachmann eine Opfer-Täter-Umkehr. Knapp 13.000 Menschen in Lesbos seien "Opfer der Verhältnisse", sagte er. "Österreich", so Bachmann, "als ein Teil der EU muss dazu beitragen, weil es dazu beitragen kann, weil es sehr, sehr viele Ressourcen hat".

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