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Außenpolitik

Täter des Anschlags an Geschichtslehrer hatte Kontakt zu Vater einer Schülerin

Von nachrichten.at/apa   20. Oktober 2020 20:46 Uhr

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Abgeordnete der Nationalversammlung ehrten den getöteten Geschichtslehrer am Dienstag.

PARIS. Der nach dem islamistischen Anschlag auf einen Geschichtslehrer bei Paris festgenommene Vater einer Schülerin soll in Kontakt mit dem Täter gestanden haben.

Nach Angaben aus Ermittlerkreisen tauschten der Vater und der 18-jährige Täter am Tag des Anschlags Nachrichten im Online-Dienst WhatsApp aus. Wegen der Enthauptung des Lehrers bei Paris waren am Dienstagabend insgesamt 16 Menschen in Polizeigewahrsam, darunter auch der Vater der Schülerin.

Vater rief zu Vorgehen gegen den Lehrer auf

Der Vater der Schülerin hatte sich rund eine Woche vor dem Anschlag auf der Online-Plattform Facebook darüber beschwert, dass der Lehrer seinen Schülern Nackt-Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt habe. In einer Botschaft begleitet von einem Video rief er zu einem Vorgehen gegen den Geschichtslehrer auf und hinterließ auch seine Telefonnummer. Die Tochter des Mannes besuchte den Angaben zufolge die achte Klasse der Schule in Conflans-Sainte-Honorine, an der der enthauptete Lehrer unterrichtet hatte. Sie soll an dem Tag, als der Lehrer seinen Schülern Mohammed-Karikaturen zeigte, jedoch nicht am Unterricht teilgenommen haben, wie aus Ermittlerkreisen verlautete.

Vor rund einer Woche stellte der Vater erneut ein Video ins Internet, in dem er gemeinsam mit einem islamistischen Aktivisten auftrat. Die Halbschwester des Vaters soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft für die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) nach Syrien gegangen sein.

Stärkeres Vorgehen gegen radikalen Islam

Präsident Macron kündigte am Dienstagabend an, verstärkt gegen den "radikalen Islam" vorzugehen. Das pro-palästinensische Kollektiv, benannt nach dem Hamas-Gründer Scheich Ahmed Jassin, das laut Macron "direkt" an der Ermordung des Lehrers beteiligt war, soll am Mittwoch durch einen Beschluss im Ministerrat aufgelöst werden. Weitere "Entscheidungen dieser Art gegen Verbände und Gruppen von Einzelpersonen" sollen demnach folgen.

Maßnahmen gegen Hass im Netz

Nach dem blutigen Anschlag will Frankreich zudem verstärkt gegen Hass im Internet vorgehen. Regierungschef Jean Castex kündigte am Dienstag in der Nationalversammlung an, eine Gefährdung durch Veröffentlichung persönlicher Daten solle zur Straftat werden. Ein bereits existierendes Gesetz gegen Hasskommentare im Internet, das nach rechtlichen Bedenken ohnehin nachgebessert werden muss, solle ergänzt werden, sagte der Mitte-Rechts-Politiker.

Grausamer Mord nach Zeigen von Mohammed-Karikaturen 

Paty war am vergangenen Freitag Ermittlern zufolge von einem 18-jährigen Tatverdächtigen in einem Pariser Vorort auf offener Straße enthauptet worden. Paty soll vor einigen Wochen Karikaturen des Propheten Mohammed im Unterricht gezeigt haben. Staatschef Emmanuel Macron hatte von einem islamistischen Terrorakt gesprochen.

Der Druck der Opposition ist groß. Macrons Hauptkonkurrentin, die Rechtspopulistin Marine Le Pen, fordert, mit einer Ausnahmegesetzgebung gegen den Terrorismus vorzugehen.

Abgeordnete der Nationalversammlung (Anmerkung: des Unterhauses des französischen Parlaments) gedachten des Lehrers am Dienstag mit einer Schweigeminute.

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