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Außenpolitik

Explosionen und Schüsse vor dem Flughafen Kabul

Von OÖN   27. August 2021 00:04 Uhr

Explosionen und Schüsse vor dem Flughafen Kabul
Bei dem Anschlag hat es mindestens 60 Todesopfer und 140 Verletzte gegeben.

KABUL / WASHINGTON / BERLIN. Das US-Verteidigungsministerium geht von einem Selbstmordanschlag aus

Unmittelbar an einem Eingang des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt Kabul ist es gestern zu mindestens zwei Explosionen gekommen. Auch Schüsse sollen gefallen sein. Laut US-Verteidigungsministerium handelte es sich dabei um ein Selbstmordattentat. Das schrieb Pentagon-Sprecher John Kirby auf Twitter. Bei dem Anschlag sollen laut dem britischen Sender BBC zumindest 60 Menschen getötet und mehr als 140 zum Teil schwer verletzt worden sein.

Der in Katar beheimatete TV-Sender Al Jazeera berichtete, dass sich unter den Todesopfern auch ausländische Staatsbürger befänden. Die US-Streitkräfte teilten mit, dass es in ihren Reihen Verletzte und mindestens zwölf Tote gebe. Gleichzeitig sprach das Pentagon von einer "komplexen Attacke".

Österreicher nicht betroffen

Österreichs Außenamt teilte mit, es gebe keine Hinweise, dass Österreicher zu Schaden gekommen seien. Die Bemühungen, Österreicher und Personen mit Aufenthaltserlaubnis bei der Ausreise zu unterstützen, liefen mit Hochdruck weiter, hieß es.

Vor dem Flughafen hat es nach ersten Erkenntnissen zwei Explosionen gegeben – eine an einem der Flughafentore und eine bei einem nahe gelegenen Hotel. Ein auf Twitter geteiltes Bild, das offenbar vom Inneren des Flughafengeländes aufgenommen wurde, zeigte eine große Rauchwolke. Rossella Miccio von der der Nichtregierungsorganisation (NGO) "Emergency", die nahe des Flughafens ein Krankenhaus betreibt, sagte im britischen Fernsehen, dass das "Krankenhaus mit Patienten überfüllt" sei und das Personal "ständig eine Triage" vornehme. "Wir haben Männer, Frauen und Kinder aufgenommen. Sie alle sind afghanische Zivilisten."

Verletzte in Scheibtruhen

Der lokale Fernsehsender ToloNews veröffentlichte auf Twitter Bilder, auf denen zu sehen ist, wie Verletzte in Scheibtruhen abtransportiert werden. Ein Augenzeuge erzählte, die Explosion sei stark gewesen. Menschen seien ins Wasser – an einem Gate liegt ein langer Wassergraben – und mehrere ausländische Soldaten zu Boden gefallen. Er habe auch Tote gesehen.

Der gut vernetzte afghanische Journalist Bilal Sarwari twitterte, ein Selbstmordattentäter habe sich in einer Menschenmenge in die Luft gesprengt. Ein weiterer Angreifer habe danach das Feuer eröffnet. Sarwari berief sich auf mehrere Augenzeugen in dem Gebiet.

Nach der Explosion hätten US-Soldaten an einem weiteren Gate Tränengas eingesetzt, um die Menschen auseinanderzutreiben, sagte ein Augenzeuge, der an diesem Gate war. Er schätzte, zu dem Zeitpunkt seien dort 2000 bis 4000 Menschen gestanden.

Deutschland hat seinen Evakuierungseinsatz wegen des bevorstehenden Abzugs der US-Armee und der Terrorgefahr gestern beendet, die drei letzten Maschinen hoben am Nachmittag ab. Frankreich wird die Evakuierungen heute beenden, wie Ministerpräsident Jean Castex mitteilte. Belgien hat seine Evakuierungsflüge bereits eingestellt, wie Ministerpräsident Alexander De Croo sagte. Grund dafür seien die Warnungen vor Anschlägen. Auch Ungarn hat seine zwei Militärmaschinen bereits abgezogen.

Die US-Regierung geht davon aus, dass die Extremisten-Gruppe IS-Khorasan, der afghanische Ableger des Islamischen Staats, hinter dem Angriff steckt. Die islamistische IS-Terrormiliz und die nun in Afghanistan herrschenden Taliban sind verfeindet.

Tiere evakuieren?

Ein Brite in Afghanistan hat die Taliban um sicheres Geleit für mehr als 150 Katzen und Hunde für die Ausreise gebeten. Paul Farthing, ein ehemaliger Soldat, hatte in Kabul ein Tierheim aufgebaut und will nun mit seinen 70 Mitarbeitern und den Tieren nach Großbritannien fliegen.

Nachdem Verteidigungsminister Ben Wallace das Ansinnen abgelehnt hatte, gab er nun nach. Farthing hatte inzwischen eine Social-Media-Kampagne gestartet und ein Flugzeug gechartert. Noch am Dienstag hatte Wallace gesagt, er werde nicht Tiere Menschen vorziehen, die sich in echter Gefahr befänden. Woher der Sinneswandel bei Wallace kam, ist unklar. Spekuliert wurde, die als besonders tierlieb bekannte Frau des Premiers könnte sich eingeschaltet haben.

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