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Außenpolitik

"Die Welt steht vor einem neuen Zeitalter des atomaren Wettrüstens"

18. Juni 2019 00:04 Uhr

"Die Welt steht vor einem neuen Zeitalter des atomaren Wettrüstens"
Atomwaffen werden wieder wichtiger: Sowohl Russland als auch Amerika sind dabei, ihre Atomarsenale zu modernisieren und gefährlicher zu machen.

STOCKHOLM. Friedensforscher zeigen sich besorgt, denn auch zwei Abrüstungsverträge laufen aus.

Friedensforscher warnen: Der Welt droht ein neues Zeitalter des nuklearen Wettrüstens. Zwei zentrale Abrüstungsverträge zwischen den beiden mit Abstand größten Nuklearmächten USA und Russland laufen in der nahen Zukunft aus – und werden wohl nicht verlängert. Europa dürfte dann wieder ins Visier russischer Raketen rücken.

Der Jahresbericht des renommierten schwedischen Friedensforschungsinstitut Sipri ist erschütternd: Alle neun Atommächte der Erde investieren wieder vermehrt in ihre Nuklearwaffen. Zwar ging die Zahl der Atomwaffen weltweit im vergangenen Jahr um knapp vier Prozent zurück. Dafür seien die Atommächte aber wieder stärker darauf aus, ihre Waffen zu modernisieren.

"Offen gesagt, ist das ein negativer Trend", sagte der Sipri-Atomwaffenexperte Shannon Kile. Der Rückgang bei den Atomwaffen habe sich in den vergangenen Jahren entscheidend verlangsamt und sei lediglich darauf zurückzuführen, dass die USA und Russland Waffen ausrangierten, die sie nicht mehr brauchten.

"Was wir sehen, ist, dass Atomwaffen bei nationalen Sicherheits- und Militärstrategien wieder wichtiger werden", sagt Kile. Mittlerweile arbeiten die USA und Russland der Sipri-Studie zufolge auch an diversen Projekten für neue Waffenträger wie Raketen, Bomber, Cruise-Missiles oder U-Boote. Zudem werden auch die Atomsprengköpfe selbst modernisiert.

Der für die Stabilität in Europa besonders wichtige INF-Abrüstungsvertrag wiederum könnte schon in wenigen Wochen Geschichte sein. Die Sowjetunion und die USA hatten sich 1987 in dem Vertrag darauf geeinigt, alle Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 500 bis 5000 Kilometern zu verschrotten. Auch die New-Start-Vereinbarung, die seit 2010 eine Kontrolle und Begrenzung nuklearer Atomwaffen vorsieht, läuft im Jahr 2021 aus. Verhandlungen über eine Verlängerung gibt es nicht.

Bedrohung für Europa

Die USA werfen Russland aber seit Längerem vor, neue Mittelstreckenwaffen zu entwickeln. US-Präsident Donald Trump kündigte deshalb an, aus dem Vertrag auszusteigen. Moskau weist die amerikanischen Vorwürfe zurück – und will seinerseits aus dem Vertrag aussteigen. Dies soll bereits im Juli geschehen. Für Europa bedeutet das nichts weniger als eine Rückkehr der atomaren Bedrohung durch russische Mittelstreckenwaffen.

13.865 Atomwaffen weltweit

Laut dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri gab es im Jänner 2019 schätzungsweise 13.865 Atomwaffen auf der Welt. Ein Jahr zuvor waren es demnach etwa 14.465. Auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges Mitte der 1980er-Jahre gab es einst etwa 70.000 Atomsprengköpfe weltweit.

Mehr als 90 Prozent der Atomwaffen befinden sich im Besitz der USA und Russlands. Die beiden Länder verfügen den Schätzungen zufolge über 6185 beziehungsweise 6500 Atomsprengköpfe. Aber auch die weiteren drei UNO-Vetomächte Großbritannien (200), Frankreich (300) und China (290) sowie Israel (80–90) und die in einen internen Konflikt verstrickten Staaten Indien (130–140) und Pakistan (150–160) verfügen den Angaben zufolge über solche Waffen.

Die Zahl der Atomwaffen im Besitz von Nordkorea schätzen die Friedensforscher auf 20 bis 30 – nach 10 bis 20 ein Jahr zuvor.

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