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Außenpolitik

Der Iran – zwischen Freund und Feind im Nahen Osten

Von Eike-Clemens Kullmann 15. Januar 2020 00:04 Uhr

Iran USA
  

TEHERAN/WASHINGTON. Gegnern USA, Saudi-Arabien, Israel stehen vor allem Milizen und Russland gegenüber.

Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA hat sich nicht erst an der Tötung des Generals Qassem Soleimani entzündet. Und auch die Aufkündigung des Atom-Deals durch die Amerikaner 2018 war nicht der Anfang allen Übels in dieser Auseinandersetzung im Nahen Osten. Bereits seit 1980 bestehen keine diplomatischen Beziehungen mehr. Die brachen die Vereinigten Staaten als Reaktion auf die Geiselnahme amerikanischer Botschaftsangehöriger infolge des Sturzes von Mohammad Reza Pahlavi (1978) und der Islamischen Revolution ab.

Im Konflikt in der Region geht es aber vor allem um zwei Punkte: einerseits den Streit mit Saudi-Arabien um die Vorherrschaft, andererseits um die Angst des schiitischen Iran, der sich von den mehrheitlich sunnitischen Nachbarländern eingekesselt fühlt. Das Mullah-Regime treibt dagegen eine schiitische Achse vom Iran über den Irak, Syrien und den Libanon bis ans Mittelmeer voran.

  • Irak: Hier gewannen vom Iran unterstützte Schiiten-Milizen nach der US-Invasion 2003 immer mehr an Einfluss. Diese Kämpfer, die Rede ist von mehreren Zehntausend, werden vom Iran ausgebildet und finanziert. Zuletzt stand die Miliz Kata'ib Hisbollah im Blickpunkt, deren Gründer Abu Mahdi al-Muhandis bei der US-Drohnen-Attacke auf Soleimani ebenfalls ermordet wurde. Zuvor hatten die USA Stellungen dieser Einheiten angegriffen, die wiederum mit Übergriffen auf die US-Botschaft in Bagdad reagierten.
  • Syrien: Im Bürgerkrieg kämpfen mit Teheran verbündete Milizen an der Seite von Diktator Baschar al-Assad. Der Iran hat in den vergangenen Jahren viele Waffen geliefert und seine Militärpräsenz – zum Missfallen des Erzfeindes Israel – ausgebaut. Ohne die Intervention durch die kampferprobte Hisbollah sowie die massive Unterstützung Russlands hätte Assad seine Herrschaft längst verloren.
  • Libanon: Die Gründung der libanesischen Hisbollah – besonders gefördert durch die iranischen Revolutionsgarden – geht auf das Jahr 1982 zurück. Heute umfasst diese Truppe Zehntausende Kämpfer, die weit über die Grenzen des Vielvölkerstaates hinaus (Irak, Syrien, Jemen) Einfluss aufgebaut hat.
  • Jemen: Die Hisbollah prägte auch die Huthis im Jemen. Diese werden vom Iran gesteuert und kämpfen seit fünf Jahren gegen eine von Saudi-Arabien geführte Militärallianz. Die Mullahs in Teheran preisen diese Rebellen gar als Teil ihrer regionalen "Achse des Widerstandes".

Paramilitärische Garden

Mit all diesen Gruppen ist die Militärmacht des Iran deutlich größer, als es die offiziellen Zahlen erscheinen ließen, umfassen die iranischen Streitkräfte doch "nur" 520.000 Mann. Damit rangiert die Armee im Ranking aus dem Jahr 2018 aber immerhin auf Platz acht.

Zur Unterstützung durch Milizen in mehreren Ländern kommt allerdings noch Irans wichtigstes Militär: die Revolutionsgarden. Diese paramilitärische Einheit wurde 1979 gegründet und untersteht direkt dem politischen und geistlichen Führer Ayatollah Ali Khamenei. Laut Experten zählt diese Truppe 125.000 Soldaten.

Die Revolutionsgarden wurden von den USA im April 2019 als Terrororganisation eingestuft. Die Gardisten haben auch großen Einfluss auf die iranische Gesellschaft, sind ein wichtiger Spieler bei Vergabe und Durchführung von Infrastrukturprojekten. Ihr Einfluss auf die Medien und den Telekommunikationssektor ist erheblich.

Ungeachtet dessen wirkt der Großteil der Garden nur als militärischer Arm im Inland. Alle Aktivitäten im Ausland werden von der Quds-Brigade gesteuert. Und diese Spezialeinheit – Quds ist der arabische Name für Jerusalem – wurde von Soleimani kommandiert.

Gegenspieler Saudi-Arabien

Größter lokaler Gegenspieler ist Saudi-Arabien. Das sunnitische Königreich konkurriert um die Rolle einer regionalen Hegemonialmacht. Um den Einfluss Teherans zurückzudrängen, ging Saudi-Arabien sogar ein informelles Bündnis mit Israel ein. Zudem versucht es, die Golfstaaten auf Linie zu bringen. Diplomatisches Opfer: das Emirat Katar. Saudi-Arabien, Ägypten, Bahrain und die Arabischen Emirate setzten die Beziehungen aus. Grund: Katar unterstütze Terroristen. In Wahrheit will das Golf-Emirat seine Iran-Beziehungen nicht riskieren, teilen sich beide Länder doch ein riesiges Gasfeld.

Artikel von

Eike-Clemens Kullmann

Redakteur Außenpolitik, Weltspiegel

Eike-Clemens Kullmann
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