Lade Inhalte...

Außenpolitik

Darum ist Mariupol strategisch so wichtig

Von nachrichten.at/apa   22. April 2022 09:13 Uhr

UKRAINE-RUSSIA-CONFLICT
Blick auf das weitgehend zerstörte Mariupol am 12. April.

MARIUPOL. Die südostukrainische Hafenstadt Mariupol ist eines der Zentren des russischen Angriffskriegs.

Warum ist die Stadt so umkämpft und strategisch so wichtig?

Mariupol ist die größte ukrainische Stadt am Asowschen Meer, das über die enge Wasserstraße von Kertsch an das Schwarze Meer grenzt. Sie liegt rund 70 Kilometer westlich der russischen Grenze und nur ein paar Kilometer entfernt von den seit 2014 kontrollierten pro-russischen Separatistengebieten im Osten der Ukraine. Den Namen hat die Stadt von Maria Feodorowna, die Frau des russischen Kaisers Alexander III, der Ende des 19. Jahrhunderts herrschte. Für Russland ist die Einnahme der Stadt entscheidend für das Ziel, eine Landbrücke von seinem Festland zur 2014 von der Ukraine annektierten Halbinsel Krim zu bilden.

Dann hätte Russland auch die Kontrolle der gesamten ukrainischen Küste am Asowschen Meer übernommen. Damit aber nicht genug, zielen die russischen Streitkräfte darauf ab, die Ukraine auch vom Schwarzen Meer abzuschneiden. Die Hafenstadt Cherson - rund 380 Kilometer westlich von Mariupol - hat Russland bereits unter seiner Kontrolle. 

Wichtig für Export

Schon zu Sowjet-Zeiten war der Hafen von Mariupol für Kohle-Exporte ein Zentrum. Von 1948 bis 1989 trug die Stadt den Namen Chandow, benannt nach einem kommunistischen Führer, der dort geboren worden war. Vor Beginn des russischen Angriffs am 24. Februar exportierte die Ukraine von Mariupol aus Eisen, Stahl, Getreide und Maschinen. Damit war die Stadt auch ein relevanter Einnahmefaktor für die Regierung in Kiew. Ein ranghoher Industrievertreter bezifferte die Verluste allein aus den Getreide-Exporten auf sechs Milliarden Dollar. Auch Länder, die vom Getreide-Import aus der Ukraine abhängen, dürften dies zu spüren bekommen. Zu den Hauptabnehmern zählen die Türkei, Ägypten und Jemen.

In Mariupol angesiedelt sind die Illitsch Eisen und Stahl Werke, das zweitgrößte metallurgische Unternehmen der Ukraine. Auch Asowstal Eisen hat seinen Sitz in der Stadt, einer der größten Stahlwalzbetriebe des Landes. Der Hafen von Mariupol eignet sich für den Export solcher Güter besonders, weil er tiefergehende Liegeplätze hat als andere Häfen in der Region. Für Russland ist der Hafen auch deshalb ein strategisch wichtiger Ort zur Sicherung von Nachschub für die Streitkräfte und andere Güter für die Regionen im Donbass und auch für die Krim.

Mittlerweile ist Mariupol zum Symbol für den ukrainischen Widerstand gegen die Angreifer aus Russland geworden. Den Kämpfern dort wird von der ukrainischen Propaganda Heldenstatus verliehen, die einen Kampf ausfechten nach dem biblischen Vorbild von David gegen Goliath. 

0  Kommentare 0  Kommentare

Die Kommentarfunktion steht von 22 bis 6 Uhr nicht zur Verfügung