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Außenpolitik

Britische Navy verhinderte Kaperung eines Öltankers durch den Iran

Von Michael Wrase 12. Juli 2019 00:04 Uhr

Mohammed Javad Zarif

TEHERAN/LONDON. Der Iran bestreitet Revanche-Attacke auf die "British Heritage" in der Straße von Hormuz.

Die "British Heritage" hatte gerade die nordwestlich von Dubai liegende iranische Insel Abu Mussa passiert, als fünf bewaffnete Patrouillenboote der Revolutionsgardisten versuchten, den Supertanker in die Zange zu nehmen. Die Kaperung des mehrere Fußballfelder großen Schiffes wäre geglückt, wenn nicht die britische Fregatte "HMS Montrose" der "British Heritage" mit zehn Kilometern Abstand gefolgt wäre.

Nachdem aus britischer Sicht die feindlichen Absichten der Iraner offensichtlich waren, sah sich die Fregatte gezwungen, "sich zwischen Öltanker und iranischen Booten zu positionieren und verbale Warnungen abzugeben", erklärte das Londoner Verteidigungsministerium. Erst als die "HMS Montrose" ihre Bordkanonen auf die Patrouillenboote gerichtet habe, seien die abgedreht.

Das iranische Außenministerium bezeichnete die britische Darstellung als Erfindung. "Einen solchen Zwischenfall hat es nicht gegeben", behauptete Außenminister Mohammed Javad Zarif. Mit ihren "wertlosen Unterstellungen" wollten die Briten erneut Spannungen provozieren.

Dementis nicht glaubwürdig

Auch das Dementi der Revolutionsgardisten erfolgte umgehend. Zwischenfälle mit ausländischen Schiffen habe es in den vergangenen 24 Stunden nicht gegeben. Sollte die Garde allerdings zum Handeln aufgefordert werden, werde sie dies "sofort, entschlossen und schnell" tun.

Glaubwürdig klingen die Dementis nicht. Erst in der vergangenen Woche war es in Teheran zu einem Sturm der Entrüstung gekommen, nachdem der unter der Flagge Panamas fahrende iranische Supertanker "Grace 1" vor der Küste von Gibraltar von britischen Marines festgesetzt worden war. Das Schiff sollte zwei Millionen Fass Öl nach Syrien bringen und hätte so gegen US- und EU-Sanktionen verstoßen. Da die Kaperung in internationalen Gewässern erfolgte, musste sich London vom Iran den Vorwurf der "Piraterie" gefallen lassen. "Wenn Großbritannien den Öltanker nicht freigibt", drohte Revolutionsgardisten-General Mohsen Rezai, "ist es die Pflicht der iranischen Behörden, eine erwidernde Aktion durchzuführen und einen britischen Tanker zu beschlagnahmen." Spätestens nach dieser Warnung mussten die Briten mit einer Attacke rechnen.

Die Entsendung der "HMS Montrose" war eine Vorsichtsmaßnahme, welche sich nach dem gestrigen "Zwischenfall" an der Einfahrt der Straße von Hormuz als goldrichtig herausstellte.

Britische Fregatten werden vermutlich noch länger im Persischen Golf zum Einsatz kommen. Auch wenn die Iraner den gestrigen "Zwischenfall" bestreiten, könnten sie bei nächstbester Gelegenheit erneut versuchen, einen britischen Tanker zu kapern. Erst wenn die in Gibraltar festgesetzte "Grace 1" zurück in den Iran fahren dürfte, wäre das Risiko einer Revanche-Attacke gebannt.

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Michael Wrase

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