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Außenpolitik

Australische Kriegsverbrechen in Afghanistan: Mord als Aufnahmeritual

20. November 2020 00:04 Uhr

Australische Kriegsverbrechen in Afghanistan: Mord als Aufnahmeritual
Australische Soldaten beim Einsatz der internationalen Streitkräfte in Afghanistan.

CANBERRA. Jüngere Soldaten sollen gezwungen worden sein, Gefangene zu erschießen.

Mit der Ankündigung, es werde "brutale Wahrheiten" geben, hatte Premierminister Scott Morrison die Australier schon vor einer Woche auf schlimme Ergebnisse einer Untersuchung eingestimmt. Doch das, was gestern öffentlich wurde, übersteigt wohl die Befürchtungen, die viele zu mutmaßlichen Kriegsverbrechen australischer Sondereinheiten in Afghanistan gehabt hatten.

Im Bericht ist die Rede von der "rechtswidrigen" Tötung von 39 Afghanen durch oder unter Beteiligung von mindestens 25 australischen Soldaten. Zudem geht es um die Misshandlung von Personen unter Kontrolle der australischen Streitkräfte. Die Opfer waren Zivilisten oder zumindest keine aktiven Kämpfer. Keines dieser mutmaßlichen Verbrechen ereignete sich direkt bei Kampfhandlungen, heißt es in dem Bericht.

Für den Bericht war der Generalinspektor des australischen Militärs vier Jahre lang Hinweisen auf unrechtmäßige Tötungen und Verstöße gegen das Kriegsvölkerrecht zwischen 2005 und 2016 nachgegangen. Mehr als 400 Zeugen wurden angehört, in 57 Fällen Ermittlungen aufgenommen.

Es handle sich um eine "beschämende Bilanz" und skizziere eine Kultur "toxischen Konkurrenzdenkens" innerhalb einer Sondereinheit, die dazu geführt habe, dass einige Verfahren abgekürzt, Regeln ignoriert und gebeugt hätten, sagte der Oberbefehlshaber der Verteidigungsstreitkräfte, General Angus Campbell.

"Als die Regeln einmal gebrochen waren, fielen bei manchen alle Hemmungen. Diejenigen, die sich dagegen aussprachen, wurden den Anschuldigungen zufolge entmutigt, eingeschüchtert und diskreditiert", sagte Campbell. Keine dieser "unrechtmäßigen Tötungen" sei "in der Hitze des Gefechts" passiert. "Jede Person, mit der während dieser Untersuchung gesprochen wurde, verstand das Kriegsvölkerrecht und die Einsatzregeln, unter denen sie im Einsatz war."

Entsetzliche Aufnahmerituale

Campbell sagte, einige der 25 verdächtigen Soldaten dienten noch immer bei den Streitkräften. "Jüngere Soldaten wurden gezwungen, Gefangene zu erschießen, um auf diese Weise die erste Tötung als Soldat auszuführen. Diese entsetzlichen Aufnahmerituale wurden als blooding bezeichnet." Außerdem seien den mutmaßlichen Opfern Waffen und Funkgeräte untergeschoben worden, um den Eindruck zu erwecken, dass es sich um Tötungen im Rahmen von regulären Kampfhandlungen gehandelt hätte.

Empfohlen wurde, 36 Fälle, an denen 19 Personen beteiligt seien, zur strafrechtlichen Untersuchung an die australische Bundespolizei zu verweisen. Zudem sollten die Opfer und ihre Familien entschädigt werden. Campbell sagte, er werde "so schnell wie möglich mit der afghanischen Regierung zusammenarbeiten", um einen Plan für Entschädigungen zu entwickeln.

1550 Australier in Afghanistan

Australien hatte nach den Anschlägen vom 11. September 2001 Truppen nach Afghanistan entsandt. Sie waren Teil des von den USA geführten internationalen Militäreinsatzes zum Sturz der Taliban-Herrschaft. Derzeit befinden sich rund 1550 australische Soldaten in dem Land.

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