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Außenpolitik

Wohin flossen die Hilfs-Milliarden für Griechenland wirklich?

Von Hermann Neumüller   09. Juli 2015 00:04 Uhr

Wohin flossen die Hilfs-Milliarden für Griechenland wirklich?
Hans-Werner Sinn

Analyse: Die Legende von der Bankenrettung stimmt nur zum Teil; viel Hilfsgeld verschoben reiche Griechen im Ausland.

Die Rettungspakete der Europartner wurden nur für die Banken geschnürt, die Griechen bekamen davon nichts. So hört man es in fast jeder Debatte über die griechische Schuldenkrise. Aber stimmt dieses Argument?

Es stimmt zum Teil. Genauer gesagt zu rund einem Drittel. 220 Milliarden Euro haben die Europartner, die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds bei Krisenbeginn nach Athen überwiesen.

Man könne grob davon ausgehen, dass von den öffentlichen Kreditmitteln, die Griechenland während der Krise bekommen hat, ein Drittel der Finanzierung der griechischen Leistungsbilanzdefizite, ein Drittel der Tilgung von griechischen Auslandsschulden und ein Drittel der Vermögensanlage von Griechen im Ausland diente, heißt es in einer Analyse von Hans-Werner Sinn, dem Leiter des Münchner ifo-Instituts.

Von der Tilgung dieser Auslandsschulden profitierten internationale Großbanken. Laut der Analyse des ifo-Chefs hatten Ende März 2010 französische Banken Ansprüche von 53 Milliarden Euro gegenüber privaten und öffentlichen Schuldnern in Griechenland, deutsche Banken hatten Außenstände von 33 Milliarden Euro und bei den US-Instituten waren es zehn Milliarden Euro.

Beim zweiten Drittel endet die Mär, nur die Banken hätten von der Griechenland-Hilfe profitiert. Eine negative Leistungsbilanz hat ein Land dann, wenn es – salopp formuliert – über seine Verhältnisse lebt. Das entsteht dann, wenn die Importe von Gütern und Dienstleistungen wertmäßig höher sind als die Exporte. Das ist zwar auch in den USA der Fall, die Amerikaner können aber dieses Defizit durch Kapitalimporte finanzieren. Das war bei den Griechen bis zum Ausbruch der Krise auch der Fall, was freilich den privaten und öffentlichen Schuldenberg wachsen ließ. Danach mussten die Europartner mit ihren Hilfsmilliarden einspringen.

Dass die Griechen seither darben, lässt sich statistisch nicht belegen. In einer Übersicht des europäischen Statistikamtes Eurostat, in der der "tatsächliche Individualverbrauch" verglichen wird, ein um die Kaufkraft bereinigter Wert für den materiellen Wohlstand von Haushalten, lag Griechenland im Vorjahr auf Rang 15 im EU-Vergleich, mit einem Konsumniveau, das 17 Prozent unter dem EU-Durchschnitt liegt. Damit ließen die Griechen praktisch alle neuen EU-Staaten hinter sich. In der Tschechischen Republik etwa lag das Wohlstandsniveau um 25 Prozent unter dem EU-Schnitt, im Euroland Slowakei um 26 Prozent.

Neben dem Geld für die Auslandsbanken und dem künstlich gestützten Konsum nennt ifo-Chef Sinn vor allem die reichen Griechen als Profiteure der Hilfskredite. "In der Tat gibt es anekdotische Berichte, dass Griechen in großem Umfang Bargeld ins Ausland transferiert haben, um dort Vermögenswerte zu erwerben, so zum Beispiel nach Bulgarien, wo sie als Immobilienkäufer in Erscheinung traten", schreibt Sinn.

Geradezu legendär sind auch die unversteuerten Konten reicher Griechen in der Schweiz. Experten gehen von bis zu 80 Milliarden Franken (76 Milliarden Euro) aus. Aber immerhin hier tut sich was. Angeblich stehen die Schweiz und Griechenland kurz vor einem Steuerabkommen. Die Regierung Tsipras tut etwas, im Gegensatz zu ihren Vorgänger-Regierungen.

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