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Außenpolitik

Vor 20 Jahren: Jugoslawiens Ende wird besiegelt

Von Clemens Schuhmann   25. Juni 2011 00:04 Uhr

Zerfall Jugoslawien

LINZ. Am 25. Juni 1991 erklärten Slowenien und Kroatien als erste Teilrepubliken ihre Unabhängigkeit vom Vielvölkerstaat Jugoslawien. Die Folge waren jahrelange, blutige Kriege mit zehntausenden Toten – und schließlich die völlige politische Neuordnung auf dem Balkan.

Unmittelbar nachdem sich Slowenien und Kroatien mit ihrer Unabhängigkeitserklärung vor genau 20 Jahren aus dem fragilen Vielvölkerstaat Jugoslawien lösten, übernahmen Polizei und slowenische Territorialverteidigung die Kontrolle der Grenzen zu Italien, Österreich und Ungarn. Ante Markovic, der Premier Jugoslawiens, ermächtigte daraufhin die Volksarmee, „die Staatsgrenzen zu schützen, sowohl an Grenzübergängen als auch in Regionen, die im Grenzgebiet liegen“.

In der Nacht auf den 27. Juni rollten daher die ersten Panzer der jugoslawischen Volksarmee in Slowenien. Im darauffolgenden Zehn-Tage-Krieg, der mit einem von der Europäischen Gemeinschaft (EG) vermittelten Waffenstillstand endete, starben 67 Menschen – und am 26. Oktober 1991 verließ der letzte jugoslawische Soldat Slowenien. Die diplomatische Anerkennung durch 30 Staaten – darunter die gesamte EG und auch Österreich – erfolgte am 15. Jänner 1992.

Bewährungsprobe für das Bundesheer

Die bewaffneten Auseinandersetzungen in Slowenien hatten auch massive Auswirkungen auf Österreich: Bereits wenige Stunden nach der Unabhängigkeitserklärung spielten sich an der Grenze zu Kärnten und der Steiermark dramatische Szenen ab: Jugoslawische MiG-Flugzeuge verirrten sich in den heimischen Luftraum, und am Grenzübergang Bleiburg forderten heftige Gefechte zwei Todesopfer.

Der damalige Verteidigungsminister Werner Fasslabend (VP) beorderte daraufhin 7500 Soldaten zum Sicherungseinsatz in die Grenzregion – damit konnte sich das Bundesheer erstmals seit seiner Gründung im Jahr 1955 in der Kernkompetenz Landesverteidigung beweisen. Und verzeichnete einen spontanen Imagegewinn in der Bevölkerung. „Wir konnten endlich zeigen, dass das Bundesheer nicht nur zum Schneeschaufeln da ist“, sagte Oberst Robert Brieger kürzlich. Der letzte rot-weiß-rote Soldat wurde am 31. Juli 1991 von der Grenze abgezogen.

Wesentlich blutiger als in Slowenien verlief die Loslösung der anderen jugoslawischen Teilrepubliken. Seinen vorläufigen Abschluss fand der Zerfallsprozess Jugoslawiens am 17. Februar 2008 – mit der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo (siehe Grafik rechts).

Kroatien wird 28. EU-Mitglied

Nächster Meilenstein in der politischen Neuordnung auf dem Balkan ist der für 1. Juli 2013 geplante EU-Beitritt Kroatiens. Erst am Freitag gaben die Staats- und Regierungschefs der EU beim Gipfel in Brüssel grünes Licht für den Beitritt. Demnach soll der Beitrittsvertrag noch in diesem Jahr unterzeichnet werden. Mit Mazedonien hat ein weiterer Balkanstaat seit 2005 Kandidatenstatus. Verhandlungen liegen aber wegen eines Namensstreits mit Griechenland auf Eis.

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