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Außenpolitik

"Revolution" in Little Havanna

Von Thomas J. Spang   21. März 2015 00:04 Uhr

Auf Rundgang mit der Anthropologin Corina Moebius

LITTLE HAVANA. Die Reformer gewinnen Oberwasser in der größten kubanischen Gemeinde der USA.

Die Flamme auf dem Denkmal für die 114 Gefallenen der Invasion der Schweinebucht von 1961 lodert noch immer im Herzen Little Havannas. "Warum auch nicht?", fragt Antonio Zamora (74), der sich als 20-Jähriger vom CIA für die fehlgeschlagene Militäraktion gegen die Revolutionäre in seiner Heimat anwerben ließ. Die gemeinsame Erfahrung der im Altersdurchschnitt nicht viel älteren Veteranen machte sie zu lebenslangen Freunden.

"Jenseits aller Politik", betont Zamora, der aus einer Professoren-Familie in Havanna stammt. Nach zwei Jahren Gefangenschaft auf Kuba kam Zamora 1963 frei. Wenn er auf seinem Balkon mit Blick über die "Brickell"-Bucht von der gemeinsamen Erfahrung spricht, bleibt kein Zweifel an den Gefühlen, die er für seine Kameraden teilt.

Umso gravierender ist die Abkehr vom Hardliner-Kurs, den Zamora als Veteranen-Sekretär und – wichtiger – Justiziar der "Cuba American National Foundation" über Jahrzehnte vertreten hatte. Heute wirbt er offen für das Embargo-Ende.

Botschaften "wichtiger Schritt"

Die bevorstehende Eröffnung der Botschaften in Havanna und Washington lobt der einflussreiche Ex-Funktionär "der Stiftung" – wie die wohl mächtigste Kubaner-Lobby in Miami ehrfurchtsvoll heißt – als wichtigen Schritt, dem weitere folgen müssten. Aus seinen 50 Reisen nach Kuba in offizieller Mission als Fachanwalt für Auslands-Investitionen habe er gelernt, wie sehr Klischees und Wunschdenken die Kuba-Politik der USA dominierten.

Wer Beispiele dafür sucht, braucht nur im "Versailles" an der "Calle Ocho" einen Cafe Cubano bestellen. Oder die knorrigen Alten zu fragen, die im "Maximo Gomez Park" Dominos legen. Auch der Gründer des Früchte-Markts "Los Pinarenos", Angel Hernandez, ein Veteran der Schweinebucht-Brigade 2506, konnte das Trauma nicht überwinden. Sohn Peter (47), der die älteste "Fruteria" von Miami gleich neben dem Veteranen-Denkmal fortführt, findet es "einfach nur traurig, wie der Schmerz dieser Generation von der Politik ausgebeutet wird".

Wie der Stab in der Hernandez-Familie von einer Generation an die nächste überging, wandelte sich die kubanische Gemeinde insgesamt. Während die Zahl der Revolutionsflüchtlinge abnahm, wuchs das Gewicht der Kubaner, die 1980 auf Boten aus dem Hafen Mariel in die USA kamen. Die nächste Einwanderungswelle brachte in den 1990er-Jahren eine Mischung aus Wirtschafts-Immigranten und Dissidenten.

"Die Neuankömmlinge haben Little Havanna mehr verändert, als die Leute realisiert haben", meint die Anthropologin Corina Moebius. Wer mit ihr auf einen Rundgang durch das quirlige Viertel geht, versteht: Vom "Cubaocho"-Kulturzentrum über das DAF-Tanzstudio bis hin zur Wiedereröffnung des kubanischen Kultlokals "Ball & Chain" hinterlässt eine neue Generation ihre Spuren.

"Dieser demographische Wandel macht einen riesigen Unterschied", erklärt Jorge Dunay vom "Cuban Research Institut" der Florida International University, warum Präsident Barack Obama aus seiner Sicht "kein großes Risiko einging", als er am 17. Dezember 2014 seine Kuba-Öffnungspolitik verkündete. Laut Befunden der jährlichen "Cuba Poll" vom Juni 2014 sind im Großraum Miami 52 Prozent aller Kubaner gegen die Fortführung des Embargos.

Carlos Saladrigas sieht in den Umfrage-Ergebnissen seine These bestätigt, dass die Politik dem Wandel der Einstellung in der Bevölkerung hinterherhinkt. "Mehr Leute haben versucht einen Flug nach Kuba zu buchen als gegen die Ankündigung Obamas zu protestierten", beschreibt der Multimillionär und Ex-Anti-Castro-Hardliner die Reaktion in Little Havanna.

Saladrigas gehörte zu den ersten einflussreichen US-Kubanern, die sich öffentlich für "Wandel durch Annäherung" einsetzten. Dafür fiel er bei den einstigen Mitstreitern in Ungnade. Obamas Öffnungspolitik sei ein wichtiger erster Schritt, "aber nicht genug". Der Kongress müsse mit einer Aufhebung des Embargos nachlegen.

"Enormes Interesse"

"Ohne ein Ende des Embargos bleibt der Spielraum beschränkt", meint der deutsch-stämmige Johannes Werner, der in Tampa, der Stadt mit der zweitgrößten Kubaner-Gemeinde der USA, den "Cubastandard" (www.cubastandard.com) herausgibt. Eine Online-Publikation, die sich an Unternehmen richtet, die in Kuba investieren wollen.

Tony Zamora arbeitet seinerseits daran, Hürden abzubauen. Aus seiner Praxis kann er von "enormem Interesse" in der Wirtschaft berichten. Auch wenn es im Schneckentempo vorwärtsgehe, bleibt Zamora Optimist: "Ich denke die Situation wird sich nicht mehr umkehren lassen."

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