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Außenpolitik

Nasrallahs Gotteskrieger intervenieren in Syrien

Von Michael Wrase aus Limassol   18. Februar 2013 15:54 Uhr

Nasrallah
Nasrallah

BEIRUT. Der Aufbau einer „Volksarmee“ geschieht nach iranischem Vorbild. Die UNO verurteilt „zunehmende Kriegsverbrechen“.

Kämpfer der Hisbollah haben nach einem Bericht des Beiruter Daily Star „massiv“ in den syrischen Bürgerkrieg eingegriffen. Nach Informationen des Blattes, das sich auf libanesische Geheimdienstkreise beruft, sollen Mitglieder der pro-iranischen Miliz in den letzten Tagen mehrere von der „Freien Syrischen Armee“ (FSA) kontrollierte Dörfer in der Nähe von Kusseir mit schweren Waffen angegriffen haben. 12 Kämpfer der „FSA“-Kämpfer und drei Hisbollah-Milizionäre seien bei den Gefechten ums Leben gekommen. Fast 1000 Zivilisten flohen aus den umkämpften Gebieten.

Die syrische Opposition stellte den Vorstoss der Hisbollah als eine „Intervention zugunsten des Assad-Regimes“ dar. Eine vom „Daily Star“ zititierte Quelle der Schiiten-Miliz sprach von einem „Eingriff zum Schutz von libanesischen Schiiten“. Diese leben nicht nur im Libanon, sondern auch in rund 20 Dörfern nordöstlich der Grenze, also auf syrischem Territorium, wo ihre Sicherheit nicht mehr gewährleistet werden könne. Interventionen zu ihrem Schutz, angeblich auf „individueller Basis“, hatte vor einigen Monaten auch Hisbollah-Führer Nasrallah abgesegnet und Verluste in den eigenen Reihen zugegeben.

Nicht nur zum Schutz der Schiiten

Für westliche Militärbeobachter im Libanon beschränken sich die Vorstösse der Hisbollah keinesfalls nur auf den Schutz von Schiiten in Syrien. Die Miliz versuche der regulären syrischen Armee den „Rücken freizuhalten“ und die Kontrolle über den Gebiet zu erlangen, durch welches auch die Nachschublinien der syrischen Rebellen führen. Die Assad-Armee werde so bei ihrem Bemühen, die eigenen Vorsogungswege vom Mittelmeer in die Grossstadt Homs (und dann weiter nach Damaskus) zu sichern, massiv entlastet. Je stärker der Druck auf die syrische Armee werde, desto massiver könnte sich die Hisbollah in Syrien engagieren, mutmassen Militärbeobachter, die auch direktes Engagement iranischer Revolutionsgardisten „in absehbarer Zeit“ für möglich halten.

Nach Informationen der Washigton Post sollen der Iran und die Hisbollah damit begonnen, in Syrien eine neue Freiwilligen-Miliz auszubilden. Die „Jaisch al Schabi“ – deutsch Volksarmee – stelle ein „Gemeinschaftsunternehmen von Hisbollah und Iran dar“, wird der stellvertretende amerikanische Finanzminister David Cohen von der Zeitung zititiert. Ziel sei es, ein 50 000-Mann-Miliz aufzustellen, die von Iran finanziert werde, und auch nach einem Zusammenbruch des Assad-Regimes in Regionen Syriens eingesetzt werden könne, die für Iran und die Hisbollah von strategischer Bedeutung sind.

Kriegsverbrechen auf beiden Seiten

Die vom UNO-Menschenrechtsrat berufene Syrien-Kommissin hat unterdessen in ihrem jüngsten Bericht die zunehmenden Kriegsverbrechen auf beiden Seiten angeprangert. Weite Teile Syriens seien inzwischen Zonen andauernder Kämpfe, „mit immer brutaleren Taktiken und immer neuen militärischen Kapazitäten auf allen beteiligten Seiten“, heisst es in dem 131 Seiten umfassenden Bericht. „Die zerstörerische Dynamik der Bürgerkrieges“ treffe nicht nur die Zivilbevölkerung, sondern reisse auch „die komplexe soziale Struktur des Landes auseinander. Der Konflikt gefährde künftige Generationen und untergrabe den Frieden und die Sicherheit in der gesamten Region.

Um eine weitere Eskalation des Konfliktes zu verhindern, will die Europäische Union keine Waffen an die syrische Opposition mehr liefern. Das Ende Februar auslaufende Waffenembargo für Syrien, hiess es gestern in Brüssel, werde um sechs Monate verlängert werden. Der Waffenfluss nach Syrien dürfte durch diese Massnahme nicht eingedämmt werden, weil Russland und der Iran (für das Assad-Regime) sowie die arabischen Golfstaaten die kämpfenden Parteien weiterhin mit Kriegsgerät versorgen werden.

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