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Außenpolitik

Evangelos Venizelos: Guter Bote mit schlechter Botschaft

20. Juni 2011

Evangelos Venizelos
Griechenlands neuer Finanzminister

Sein Vorname Evangelos bedeutet auf Deutsch so viel wie „guter Bote“, im christlichen Sinn sogar „guter Engel“. Doch genau das kann Griechenlands neuer Finanzminister Evangelos Venizelos nicht sein, wenn er die Erwartungen, die Regierungschef Giorgos Papandreou und die gesamte EU in ihn setzen, erfüllen will.

Der 54-jährige, in seiner physischen Erscheinung seinem Ruf als Genießer und durchsetzungsfähiger Politiker gerecht werdende Venizelos, soll – nein, muss seine widerspenstigen Landsleute davon überzeugen, dass das neue, 78 Milliarden schwere Sparpaket für den griechischen Staat überlebenswichtig ist. Andernfalls gibt es weder die nächste Tranche der Milliardenhilfe durch den Internationalen Währungsfonds noch das zur Erhaltung der Zahlungsfähigkeit notwendige neue EU-Kreditpaket.

Ob der frühere Verfassungsjurist, einer der profiliertesten Professoren in seinem Fach, dafür viele eigenen Ideen einbringen kann und darf, bezweifeln selbst griechische Medien. Es geht wohl eher darum, dass Venizelos seine Regierungserfahrung und seine innerparteiliche Stärke in der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (PASOK) einbringt. Venizelos war bisher Justizminister, Regierungssprecher, Kulturminister und führte zuletzt bis zum Wechsel das Verteidigungsministerium, hat aber kein erkennbares Profil als Finanzpolitiker. In der PASOK gilt der aus dem nordgriechischen Thessaloniki – neben Athen das zweite Zentrum der großen Anti-Spar-Demonstrationen – stammende Venizelos als parteipolitisches Schwergewicht. Er soll auch die Nordgriechen mit seiner Autorität als Vizepremier zumindest zur Duldung der Kürzungsprogramme bringen.

Als Macher hat sich der verheiratete Vater einer Tochter schon mehrmals einen Namen gemacht. Von 2001 bis 2004 war er für die Vorbereitungen der Olympischen Spiele in Athen verantwortlich. In der Partei ist er seit Jahren auf Augenhöhe mit dem Papandreou-Clan. Nachdem der von seinem Vorvorgänger und Vater Andreas Papandreou systematisch aufgebaute jetzige Regierungschef die zweite Wahl verloren hatte, trat Venizelos als Gegenkandidat um die Parteiführung an, verlor aber klar. Giorgos Papandreou musste den Konkurrenten dennoch in das nächste Kabinett aufnehmen. Jetzt hängt vom ehemaligen Rivalen ab, ob die seit 60 Jahren die Linke dominierende Papandreou-Familie mit dem Makel der Pleite aus der Politik scheiden muss oder nicht.

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