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Außenpolitik

Die Stimmung in Deutschland kippt

03. Oktober 2015 00:04 Uhr

Die Stimmung in Deutschland kippt
200.000 Flüchtlinge sind allein im September nach Deutschland gekommen. In den heillos überfüllten Asylheimen wächst die Gewalt.

BERLIN. Der massive Flüchtlingsandrang macht der deutschen Bevölkerung zunehmend Angst.

Nachdem im September mit mehr als 200.000 Asylsuchenden so viele wie noch nie in einem Monat nach Deutschland kamen, beginnt die Stimmung zu kippen. Eine Mehrheit von 51 Prozent der Deutschen sagt inzwischen, dass es ihnen Angst macht, dass so viele Flüchtlinge kommen. Das sind 13 Punkte mehr als vor einem Monat, heißt es im ARD-Deutschlandtrend von Infratest Dimap.

Die Flüchtlingskrise schadet auch dem Ansehen der Bundeskanzlerin: Mit der Arbeit von Angela Merkel sind 54 Prozent der Befragten zufrieden, 9 Punkte weniger als im Vormonat. Das ist der niedrigste Wert, der im ARD-Deutschland-Trend seit 2011 gemessen wurde. CSU-Chef Horst Seehofer, der stets härte Asylregelungen gefordert hatte, legt hingegen um 11 Punkte zu.

Ein Grund für die Angst der Deutschen dürfte unter anderem die Gewalt in den deutschen Asylheimen sein. Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, spricht inzwischen von der "Gefahr, dass die Lage nicht nur an der Grenze, sondern auch in den Flüchtlingsunterkünften außer Kontrolle gerät". Es komme "sehr gezielt und gut vorbereitet nahezu täglich zu ethnischen oder religiös motivierten gewaltsamen Auseinandersetzungen", sagte er.

Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel sieht Deutschland am Rande der Kapazitäten. "Wir nähern uns mit rasanter Geschwindigkeit den Grenzen unserer Möglichkeiten."

"Bis zum Sommer waren die Flüchtlinge dankbar, bei uns zu sein", sagte auch Innenminister Thomas de Maiziere. "Jetzt streiken sie, weil ihnen die Unterkunft nicht gefällt, und machen Ärger." Die deutsche Regierung versucht nun, mit rechtlichen Änderungen die Flüchtlingszahlen einzudämmen. De Maiziere will Flüchtlinge künftig bis zu einer Woche in Transitzonen an der Landesgrenze festhalten. In dieser Zeit soll geprüft werden, ob sie Anspruch auf Asyl in Deutschland haben.

Auch die EU ist mit den Flüchtlingsmassen heillos überfordert: Elf Registrierungszentren für Flüchtlinge, genannt "Hotspots", will die EU bis Ende November an den Außengrenzen in Italien und Griechenland errichten. Ob das auch gelingt, ist noch völlig offen. "Wir können die Migranten nicht zwingen, ihre Fingerabdrücke abzugeben, und das wissen sie", klagen Grenzbeamte.

 

Hotspots an den EU-Außengrenzen (Grafik):

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