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Außenpolitik

Der Krieg gegen die Islamisten in Mali kostet mehr als 950 Millionen Dollar

Von Heidi Riepl   30. Januar 2013 00:04 Uhr

Der Krieg gegen die Islamisten in Mali kostet mehr als 950 Millionen Dollar

BAMAKO. Die Angst vor einem Guerillakrieg wächst – Terrorwarnungen auch in Deutschland

Trotz der täglichen Erfolgsmeldungen wird der Militäreinsatz in Mali teurer als geplant. Mehr als 950 Millionen Dollar soll der Einsatz gegen die Islamisten laut Schätzungen der Westafrikanischen Staatengemeinschaft (ECOWAS) kosten. Etwas mehr als die Hälfte davon, 456 Millionen Dollar, hat eine internationale Geberkonferenz jetzt zugesichert. Den größten Anteil übernehmen die USA, die mit einem langen Krieg rechnen.

1 Warum hat Frankreich so schnell eingegriffen? Als ehemalige Kolonialmacht sieht Paris nicht nur eine Gefahr für die rund 7000 in Mali lebenden Franzosen. Auch in Frankreich selbst lebt eine große malische Gemeinde. Wenn der Norden Malis komplett an die Islamisten gefallen wäre und sich das Gebiet zu einem neuen Trainingslager von Al-Kaida entwickeln würde, müsste Frankreich auch im eigenen Land Anschläge und neue Terrorzellen fürchten. Die französischen Truppen erhalten natürlich logistische Unterstützung von mehreren Ländern, unter anderem von den USA, Großbritannien und Deutschland.

2 Welche Rolle spielen die Bodenschätze? Natürlich verfolgt Paris auch wirtschaftliche Interessen. So liegen rund um Mali viele der von Frankreich ausgebeuteten Uranminen, die das Land dringend für seine Atomkraftwerke braucht. Der französische Atomkonzern Areva fördert Uran im Nachbarland Niger, das inzwischen der größte Uranproduzent des Kontinents ist. Auch in Mali selbst wurde Uran gefunden. Die atomare Unabhängigkeit steht in Frankreich ganz oben auf der Agenda jeder Regierung.

3 Wer sind die Rebellen? Die selbsternannten Rebellen sind ein Zusammenschluss verschiedener islamistischer Gruppierungen. Sie haben das Machtvakuum in Mali geschickt genützt, um im Norden des Landes die Kontrolle zu übernehmen und einen fundamentalistischen Gottesstaat nach dem Vorbild der Taliban-Kämpfer in Afghanistan zu errichten. Nachrichtendienste gaben die Zahl der Kämpfer der Islamisten zuletzt mit etwa 2000 an, allerdings zieht der neue Gottesstaat seit Monaten Dschihad-Rekruten aus aller Welt an. Nach der Intervention der französischen Truppen dürften Reisen von sogenannten Terror-Touristen in die Krisenzone noch attraktiver werden. Durch ihre internationalen Kontakte verfügen die Rebellen über professionelle Waffen

4 Franzosen und Malier haben beinahe kampflos wieder die Kontrolle über Gao und Timbuktu errungen. Ist der Krieg bald vorbei? Militärexperten sind sich einig: Die Islamisten zogen sich nur deshalb so rasch zurück, weil sie wussten, dass sie einen konventionellen Krieg nicht gewinnen können. Stattdessen bereiten sie sich auf einen Guerillakrieg vor. Die USA, die mit einem langen Krieg rechnen, erwägen die Stationierung von Drohnen im Nordwesten Afrikas, die die Islamisten in der Region überwachen sollen.

5 Müssen wir nun Racheaktionen der Islamisten befürchten? Das Geiseldrama in Algerien vor zwei Wochen hat drastisch vor Augen geführt, dass sich der Militäreinsatz gegen die Islamisten nicht auf Mali begrenzen lässt. Die Islamisten haben auch mit Anschlägen in Europa gedroht. Im Visier steht vor allem Frankreich. Auch in Deutschland warnen die Behörden: „Fanatisierte Einzeltäter oder Kleinstgruppen könnten das Engagement der Bundeswehr in Mali zum Anlass nehmen, Anschläge zu verüben.“

6 Die USA und viele europäische Staaten unterstützen den Mali-Einsatz. Wird sich auch Österreich beteiligen? In Österreich ist eine Beteiligung umstritten: Bundeskanzler Werner Faymann meinte gestern, dass Österreich durchaus mit Ausbildungskräften mit von der Partie sein kann – „wenn die Kampfhandlungen vorbei sind“. Verteidigungsminister Norbert Darabos hatte eine Beteiligung bisher mit Verweis auf die anderen Auslandseinsätze des Bundesheeres abgelehnt, Vizekanzler Michael Spindelegger indes wird nicht müde, darauf zu drängen, österreichische Soldaten zu entsenden.

 

 

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