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Außenpolitik

China rüstet auf und wird auch militärisch zum Rivalen der USA

Von Bernhard Bartsch aus Peking   11. Januar 2011 00:04 Uhr

China rüstet stark auf und wird auch militärisch zum Rivalen der USA
China will auch militärisch in Asien den Ton angeben.

Die Konkurrenz zwischen den USA und China weitet sich von Wirtschaft und Politik nun auch aufs Militär aus. Das konnte US-Verteidigungsminister Robert Gates gestern bei seinem Besuch in Peking nicht kaschieren.

„Wir sind uns einig, dass sich die Gefahr von Misskommunikation nur reduzieren lässt, wenn unsere zwischenmilitärischen Beziehungen verlässlich sind“, sagte Gates nach einem Gespräch mit seinem chinesischen Amtskollegen Liang Guanglie. Doch die Nachrichten der vergangenen Wochen scheinen wenig Spielraum für Interpretationen zu lassen: Chinas militärische Ambitionen entwickeln sich zum nächsten Konfliktpunkt zwischen Peking und Washington.

Vor einigen Wochen präsentierte Chinas Marine eine bald einsatzfähige Rakete, die stark genug sein soll, US-Flugzeugträger zu versenken. Den Prototypen eines chinesischen Tarnkappenbombers gibt es bereits. Und bald könnte Chinas erster Flugzeugträger in See stechen. Peking scheint fest entschlossen, die US-Dominanz in Asien herausfordern zu wollen.

„Dem Zeitplan voraus“

„Die Entwicklung von Chinas militärischer Schlagkraft ist dem Zeitplan weit voraus“, sagt der Militärexperte Ni Lexiong. „Die Richtung ist klar: Früher oder später wird China die USA militärisch überholen.“ Es dürfte kein Zufall sein, dass China die Welt ausgerechnet jetzt in ihr Waffenarsenal schauen lässt. Kommende Woche reist Chinas Präsident Hu Jintao nach Washington, ein schwieriger Besuch, der das angeschlagene chinesisch-amerikanische Verhältnis reparieren soll, das 2010 unter anderem durch Währungs- und Handelsstreitigkeiten sowie den Nordkorea-Konflikt beschädigt wurde. Als Reaktion auf US-Waffenverkäufe an Taiwan, das in Peking als abtrünnige Provinz gilt, hatte China die Militär-Kontakte mit den USA weitgehend abgebrochen. „Die diplomatischen Probleme führen dazu, dass wir uns in einer Phase der Muskelspiele befinden“, sagt Ni.

Kurz vor seiner Peking-Reise warnte US-Verteidigungsminister Gates davor, dass Chinas Waffenentwicklungen die US-Kontrolle über den Asien-Pazifik-Raum gefährdeten. Doch während die USA ihr Verteidigungsbudget stark zusammenstreichen müssen, weitet China seine Ausgaben sprunghaft aus. Einem Pentagonbericht zufolge lag der chinesische Verteidigungsetat 2009 bei 150 Milliarden Dollar. Die USA geben jährlich mit 700 Milliarden Dollar aber weit mehr aus.

„Besseres Gleichgewicht“

Chinesische Experten werfen den USA vor, die Aufrüstung der Volksrepublik selbst ausgelöst zu haben. Denn Peking beobachtet nervös, wie Washington versucht, China durch eine Kette von Allianzen in der Region zu isolieren. China wolle für ein besseres Gleichgewicht sorgen, heißt es.

 

Neue Waffen:

Dongfeng 21-D

Antischiffsrakete, Spitzname: Flugzeugträgerkiller. Entwickelt wurde sie mit dem Ziel, US-Flugzeugträger abzuschießen, die China zu nahe kommen. Die Reichweite beträgt 1500 Kilometer.

J-20

Tarnkappenbomber; vergangene Woche tauchten erste Fotos eines Prototypen auf. Probeflüge sollen noch im Jänner stattfinden, doch im Einsatz dürften sie erst um 2017 sein. Noch vergangenes Jahr hatte das Pentagon den Chinesen eine derart schnelle Entwicklung von Tarnkappenbombern nicht zugetraut.

Flugzeugträger

Chinas Marine renoviert derzeit einen Flugzeugträger aus alten Sowjetbeständen, den sie von der Ukraine gekauft hat. Das Schiff soll spätestens Anfang 2012 fahren, gefolgt von zwei selbstentwickelten 50.000-Tonnen-Schiffen, die derzeit in Shanghai gebaut werden und 2014 vom Stapel laufen sollen.

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