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Außenpolitik

Amazon sperrt die Server für WikiLeaks

03. Dezember 2010 00:04 Uhr

Amazon sperrt die Server für WikiLeaks
Der Druck auf die Aufdecker-Plattform WikiLeaks steigt an verschiedenen Fronten.

LONDON/STOCKHOLM. Während immer neue Enthüllungen auf der WikiLeaks-Internetseite auftauchen, wird es für den Gründer der Plattform immer enger: Schwedens oberstes Gericht bestätigte gestern den Haftbefehl gegen Julian Assange. Und der Amazon-Konzern verbannte WikiLeaks von seinen Servern.

 

Allerdings arbeitet WikiLeaks auf verschiedenen Servern und hat offenbar in Europa Ersatz gefunden. Die Entscheidung von Amazon dürfte auf politischen Druck hin geschehen sein: Der parteilose US-Senator Joe Lieberman soll mit einem Boykott gedroht haben. Lieberman ist Vorsitzender des Senatsausschusses für Heimatschutz. Er rief auch dazu auf, WikiLeaks in anderen Ländern die Servernutzung zu verwehren: „Kein verantwortungsbewusstes Unternehmen – ob amerikanisch oder ausländisch – sollte WikiLeaks bei seinen Bemühungen helfen, gestohlenes Material zu verbreiten.“ Auf der Internetplattform Facebook gibt es mittlerweile einen Boykottaufruf gegen den Internetbuchhändler Amazon.

Verhaftung von Assange gescheitert

Der Haftbefehl gegen Assange in Schweden wurde unterdessen höchstinstanzlich bestätigt. Der Australier wird dort wegen Verdachts auf Vergewaltigung und Nötigung gesucht. Konkret soll es darum gehen, dass Assange zwei Frauen zu ungeschütztem Geschlechtsverkehr gezwungen haben soll. Den internationalen Haftbefehl gegen Assange haben die Schweden aber offenbar unvollständig ausgefüllt. Das soll auch der Grund sein, warum die britischen Behörden Assange, der sich angeblich in England aufhält, noch nicht verhaften konnten. Sie sollen seinen Aufenthaltsort und seine Telefonnummer kennen. Die Mutter von Julian Assange macht sich derzeit Sorgen um die Sicherheit ihres abgetauchten Sohnes. Laut einem WikiLeaks-Sprecher erhält Assange Morddrohungen.

Bislang hat WikiLeaks mehr als 600 der insgesamt angeblich 250.000 Dokumente aus US-Botschaften veröffentlicht. In einer Depesche nennt ein spanischer Staatsanwalt Russland „quasi“ einen „Mafiastaat“. Frankreichs Präsident Sarkozy soll 2008 den russischen Außenminister Lawrow bei einem Treffen am Revers gepackt und als Lügner bezeichnet haben. Besonders erzürnt über die US-Texte ist der türkische Premier Erdogan. Er fordert angeblich eine Strafverfolgung von US-Diplomaten, die in ihren Berichten über angebliche ausländische Konten Erdogans geschrieben hatten.

In der deutschen FDP soll unterdessen jener Mann enttarnt worden sein, der die US-Botschaft mit vertraulichen Informationen aus den Koalitionsverhandlungen versorgt hatte, wie WikiLeaks enthüllt hatte. Es soll sich um den Büroleiter von FDP-Chef Guido Westerwelle handeln.

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