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Außenpolitik

355 Angeklagte: Mega-Prozess gegen die "’Ndrangheta" in Italien gestartet

Von OÖN   14. Januar 2021 00:04 Uhr

355 Angeklagte: Mega-Prozess gegen die "’Ndrangheta" in Italien gestartet
Umgebaute Halle als Gerichtssaal

LAMEZIA TERME. Vor Gericht müssen sich auch mutmaßliche Helfer aus der Politik verantworten

In einer zum Gerichtssaal umgebauten riesigen Halle in Lamezia Terme in Kalabrien begann gestern der größte Mafiaprozess in Italien seit 30 Jahren. Er richtet sich gegen die kalabrische Mafiaorganisation ’Ndrangheta. Angeklagt sind mehr als 350 Mitglieder des Mancuso-Clans und mutmaßliche Helfer, unter anderem in Verwaltungen und in der Politik. 90 weitere Angeklagte hatten sich für ein Schnellverfahren entschieden. Prozessbeginn gegen sie soll am 27. Jänner sein.

An dem Verfahren sind rund 400 Anwälte beteiligt, mehr als 900 Zeugen sollen gehört werden. Darunter sind auch Ex-Mafiosi, die bereit sind, das sogenannte Gesetz des Schweigens, die Omertà, zu brechen. Den Beschuldigten, darunter Clan-Chef Luigi Mancuso, werden unter anderem Mord, versuchter Mord, Drogenhandel, Geldwäsche und Amtsmissbrauch vorgeworfen. Die Anklage vertritt der berühmte Antimafiastaatsanwalt Nicola Gratteri. Es wird damit gerechnet, dass der Prozess mindestens ein Jahr lang dauern wird.

Die meisten Angeklagten waren im Dezember 2019 bei nächtlichen Razzien in Italien, Deutschland, der Schweiz und Bulgarien festgenommen worden. Dass auch Politiker, Anwälte und Geschäftsleute auf der Anklagebank sitzen, zeigt nach Angaben von Experten, wie gut vernetzt die weltweit agierende ’Ndrangheta in ihrer süditalienischen Heimatregion Kalabrien ist.

Experten sehen den Prozess in der süditalienischen Stadt als ein Signal des Staates: Die Justiz kann damit Stärke gegen die Organisierte Kriminalität zeigen.

Die ’Ndrangheta gilt als die brutalste und mächtigste Mafiaorganisation in Italien. Sie hat ihren Ursprung in der Region Kalabrien mit der Hauptstadt Catanzaro. Aus ihrer Heimat steuert sie weltweit große Teile des Kokainhandels und verdient jährlich viele Milliarden Euro mit illegalen Geschäften.

Zwei Staatsanwälte ermordet

In den 1980er-Jahren machte ein Großprozess gegen Siziliens Cosa Nostra in Palermo weltweit Schlagzeilen. Damals waren mehr als 400 mutmaßliche Mitglieder angeklagt, ein Großteil wurde verurteilt. Als Rache ermordete die Mafia später die Staatsanwälte Giovanni Falcone und Paolo Borsellino.

Nicola-Gratteri-Porträt in der Rubrik Mensch des Tages.

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