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Weltspiegel

Zehn Jahre nach Erdbeben - Frau übernahm Vormundschaft von 64 Kindern

Von nachrichten.at/apa   10. Januar 2020 10:10 Uhr

PORT-AU-PRINCE. Die Haitianerin Loune Viaud hatte bereits eine Tochter und zwei Adoptivsöhne, als sie die Vormundschaft für Dutzende weitere Kinder übernahm.

Das Ganze fing am Tag des schweren Erdbebens in Haiti mit mehr als 220.000 Toten vor zehn Jahren an.

38 Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und 19 Jahren, viele von ihnen mit körperlichen oder geistigen Behinderungen, waren schon vor der Katastrophe von ihren Familien ins Generalkrankenhaus der Hauptstadt Port-au-Prince gebracht und verlassen worden. Viaud, die für eine medizinische Hilfsorganisation aus den USA arbeitete, fuhr gleich nach dem Beben ins Krankenhaus, um zu sehen, ob sie helfen konnte. Der medizinische Direktor habe ihr vorgeschlagen, die Kinder an sich zu nehmen, erzählt sie. Sie müsse unter Schock gestanden haben, als sie ja sagte, meint sie. "Wir hatten Angst und waren traumatisiert. Überall auf den Straßen sahen wir Leichen, und wir suchten unsere Angehörige."

Die nächsten zwei Monate schliefen sie und ihre neuen Schützlinge in Zelten vor einem Kinderkrankenhaus. Schließlich kaufte Viauds Organisation ein Grundstück und verwandelte es in ein Kinderheim. Die 53-Jährige ist die Leiterin und wohnt auch dort. Es wurden weitere Kinder ins Heim gebracht - heute sind es 64.

Die Kinder wurden getauft und bekamen Geburtsurkunden. Alle haben demnach am selben Tag Geburtstag wie Viaud: am 17. März. Sie tragen nun zudem alle den zusätzlichen Namen "Beni", was in der haitianischen Sprache Kreol "Segen" bedeutet. Die meisten Kinder könnten sich nicht an ihre leiblichen Familien erinnern, erzählt Viaud. Sie habe die Eltern gesucht - ohne Erfolg.

Im Heim Zanmi Beni (gesegnete Freunde) am Rande von Port-au-Prince gibt es eine Bäckerei, einen Spielplatz, einen Pool und einen Fußballplatz. Es arbeiten dort 150 Menschen, darunter auch Psychiater. "Wir haben einen kleinen Buben, der sagt, dass seine Eltern im Erdbeben gestorben sind. Er war im Haus und hat vier Tage unter den Trümmern verbracht, bevor er gerettet wurde", erzählt Viaud. "Diese Traumata werden wahrscheinlich nie überwunden."

Im Laufe der Jahre sprächen die Kinder immer weniger über das Erlebte. An den Jahrestagen des Erdbebens, wenn im Heim gesungen und getanzt werde, kämen manche dann aber doch ins Erzählen.

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