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Weltspiegel

Trauriges Ende einer verzweifelten Rettungsaktion - Julen ist tot

Von nachrichten.at/apa   26. Januar 2019

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Bild 1/12 Bildergalerie: Dramatische Suche nach zweijährigem Julen

TOTALAN. Nach zwei Wochen zwischen Hoffen und Bangen haben die Eltern des kleinen Julen aus Spanien traurige Gewissheit: Der in ein Bohrloch gestürzte Zweijährige ist tot. Eine Obduktion soll noch am Samstag Aufschluss über die Todesursache geben.

Nach den jüngsten amtlichen Erkenntnissen fiel Julen am 13. Jänner durch das enge Loch rund 71 Meter tief "im freien und schnellen Fall". "Darauf deutet die Stellung des Körpers hin", erklärte am Samstag vor Journalisten der Delegierte der Zentralregierung in Andalusien, Alfonso Rodriguez Gomez de Celis. Der Kleine war, mutmaßten Medien, wohl sofort tot.

Nach dem tragischen Ausgang nahmen viele Anteil. "Ganz Spanien teilt die unendliche Traurigkeit von Julens Familie", twitterte mitten in der Nacht Ministerpräsident Pedro Sanchez, der sich auch bei den Helfern bedankte. König Felipe VI. sprach der Familie des Buben sein "tiefempfundenes Beileid" aus. Die Stadt Malaga verkündete eine dreitägige Trauer, vor dem Rathaus der Küstenstadt versammelten sich am Samstagvormittag Hunderte zu einer Trauerkundgebung und einer Schweigeminute zu Ehren des Kleinen.

Tiefe Trauer weit über die Grenzen hinaus

Politiker, Persönlichkeiten wie die italienische Sängerin Laura Pausini ("Ich kann es nicht glauben") und Hollywoodstar Antonio Banderas, der sich "erschüttert" zeigte, der spanische Fußballverband und auch sehr viele Menschen im Ausland, die ebenfalls tagelang mitgezittert hatten, versuchten den Eltern Jose und Victoria auf den sozialen Netzwerken Trost zuzusprechen. Ein äußerst schwieriges Unterfangen, denn der arbeitslose Marktverkäufer und die Mitarbeiterin einer Fastfood-Kette hatten 2017 bereits einen Sohn verloren. Julens älterer Bruder Oliver starb bei einem Strandspaziergang mit drei Jahren an Herzversagen.

Wie hart der Schlag nicht nur für die Menschen in der Provinz Malaga, sondern in ganz Spanien war, beweist die Verzweiflung vieler auch im 500 Kilometer entfernten Madrid. "Ich bin aufgeblieben, um die Rettungsaktionen im Fernsehen zu verfolgen. Nachdem die schreckliche Nachricht kam, konnte ich nicht mehr einschlafen", sagte weinend die Bankangestellte Maria in einer Bäckerei der Hauptstadt. Nicht wenige hatten bis zuletzt an das viel beschworene "Wunder von Totalan" geglaubt. Im Malaga-Vorort El Palo, dem Wohnort der Familie, hatten Menschen noch in der Nacht auf Samstag mit weißen und roten Kerzen ein großes Herz geformt. In vielen Kirchen wurde seit Tagen für den Kleinen gebetet, Bürger organisierten Wachen. Doch das Wunder blieb am Ende aus.

Retter hatten seit dem 13. Jänner versucht, zu dem Kind in dem extrem engen, 25 Zentimeter breiten Schacht vorzudringen. Allerdings gab es keine Lebenszeichen von ihm, zudem war unklar, in welcher Tiefe des illegal auf der Suche nach Wasser gegrabenen Loches es sich befand. Das Loch wurde nach Aussagen der Familie vom Freund einer Cousine des Vaters in Auftrag gegeben. "Die Einsatzkräfte haben um 1.25 Uhr den unglücklicherweise leblosen Körper des Kleinen lokalisiert", twitterte Rodriguez Gomez de Celis. Die spanische Zivilgarde schrieb: "Leider haben wir es trotz aller Bemühungen so vieler Menschen nicht geschafft ... Ruhe in Frieden Julen."

Experten hatten bis zuletzt versichert, dass es nicht ausgeschlossen sei, das Kind lebend zu finden. Jedoch waren die Hoffnungen auf ein glückliches Ende mit jeder Minute geschrumpft. Besonders bei der Bohrung eines Parallel-Tunnels war es zu immer neuen Verzögerungen gekommen, weil die Retter auf extrem hartes Gestein stießen.

Zu wenig Regen in Spanien

Seit Jahren regnet es in Spanien aufgrund es Klimawandels zu wenig. Flüsse trocknen aus, vor allem im Süden und im Landesinneren gibt es immer mehr steinwüstenähnliche Landschaften. Besitzer von Grundstücken und Fincas beauftragen deshalb sogennante "Poceros", erfahrene "Löchergräber", mit Bohrungen, die oft in wahren Nacht- und Nebelaktionen nur bei Mondlicht durchgeführt werden. Im Volksmund heißen diese Schächte deshalb "Mondscheinlöcher".

Der erfahrene "Pocero" Antonio Jesus Peralvarez, der für seine Arbeit 2.000 bis 4.000 Euro kassiert, nahm im Gespräch mit "El Mundo" kein Blatt vor dem Mund. "Meine Aufgabe ist es, das Loch zu bohren. Um die Abdeckung kümmert sich auch bei legalen Bohrungen der Auftraggeber. Zumal der oft nach einigen Tagen wieder schauen will, ob Wasser herauskommt." Normal sei es, die Öffnung des Loches "mit einem großen Stein zuzudecken, den ein Kind nicht aufheben kann".

Unfall-Loch war nicht ausreichend gesichert

Julens Vater, der arbeitslose Marktverkäufer Jose Rosello, räumte ein, dass das Unfall-Loch mit der nur 25 Zentimeter breiten Öffnung auf dem Grundstück des Freundes einer seiner Cousinen offenbar nicht ausreichend gesichert war: "Es war mit einigen Steinen zugedeckt, die sie (die Cousine und der Freund) draufgelegt haben." Niemand habe diese Steine entfernt. "Aber die Steine waren wahrscheinlich nicht ganz fest. Julen ist wohl draufgetreten und durchgerutscht. Der Zweijährige ist sehr schlank, er wiegt nur elf Kilo."

Auch wenn die Behörden bereits Ermittlungen einleiteten: Die Frage nach dem oder den Schuldigen beschäftigte die Spanier und die Welt zunächst eher weniger. Journalisten und Kamerateams aus der ganzen Welt hielten in großer Entfernung zu der von der Polizei abgeriegelten Unfallstelle am Hügel Cerro de la Corona Wache. Die spanische Bischofskonferenz rief zu Gebeten für das Kind auf. Regierungschef Pedro Sanchez und andere Prominente riefen Eltern und Helfer zum Durchhalten auf.

Erwachsene und Kinder gingen mit Schildern auf die Straße: "Halt' durch, Julen!" und "Wir und Gott sind bei Dir!" war unter anderem zu lesen. In El Palo, einem armen Vorort Malagas, in dem Julens Familie wohnt, leiden die Menschen mit. "Ich wache nachts auf und sage mir: Mein Gott, wie ist das möglich", sagte eine ältere Frau. Die Eltern hatten 2017 einen Sohn verloren, der mit drei Jahren einem Herzversagen erlag. Am Donnerstagabend fand in Totalan eine Nachtwache für die Familie statt, Julens Eltern Jose und Vicky konnten dabei die Tränen nicht zurückhalten.

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