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Weltspiegel

Papst feierte historische Messe in Bagdad

Von nachrichten.at/apa   06. März 2021 17:28 Uhr

Pope Francis visits Iraq
Es war sein erster Gottesdienst nach dem Ritus der Ostkirchen. Zuvor hatte Papst Franziskus den höchsten schiitischen Geistlichen des Landes, Großayatollah Ali al-Sistani, getroffen.

BAGDAD. Das katholische Oberhaupt, Papst Franziskus, sprach am Samstag angesichts der Corona-Restriktionen vor wenigen Gläubigen sowie Regierungsvertretern in der chaldäischen St.-Josefs-Kirche im Zentrum von Bagdad.

In seiner Predigt appellierte Franziskus an die kleine christliche Gemeinde im Irak, sich nicht schwach zu fühlen. "Manchmal fühlen wir uns unfähig, nutzlos", sagte der 84-Jährige vor rund 180 Anwesenden. "Daran dürfen wir nicht glauben, denn Gott will genau durch unsere Schwäche hindurch große Wunder wirken."

Mit der Messe endete der offizielle Teil des zweiten Reisetages Franziskus' im Zweistromland. Der Samstag markierte den religiösen Höhepunkt des Papst-Besuchs. Vor der Messfeier traf Franziskus den höchsten schiitischen Geistlichen im Irak, Großayatollah Ali al-Sistani, in der südirakischen Najaf. Der Papst dankte dem 90-Jährigen dafür, dass er sich für die Verfolgten einsetze. Al-Sistani will darauf achten, dass Christen im Irak "in Frieden und Sicherheit leben" könnten. Zudem warb der Papst für die Zusammenarbeit zwischen den Religionsgemeinschaften.

IRAQ-VATICAN-POPE
Worshippers sit in the courtyard outside while a mass is led by the pope at Baghdad's Saint Joseph Cathedral on the second day of the first papal visit to Iraq on March 6, 2021. - Pope Francis made a plea for peace today, telling those gathered at an interreligious service in southern Iraq that he hoped the world would "journey from conflict to unity." (Photo by Vincenzo PINTO / AFP)
Pope Francis visits Iraq
People standing outside listen as Pope Francis holds a Mass at the Chaldean Cathedral of 'Saint Joseph' in Baghdad, Iraq, March 6, 2021. REUTERS/Yara Nardi
Pope Francis visits Iraq
A woman standing outside holds a child as she listens as Pope Francis holds a Mass at the Chaldean Cathedral of 'Saint Joseph' in Baghdad, Iraq, March 6, 2021. REUTERS/Yara Nardi

Treffen hinter verschlossenen Türen

Das Treffen der beiden geistlichen Oberhäupter traf hinter verschlossenen Türen statt. Das Oberhaupt der katholischen Kirche habe dabei dem 90-Jährigen für dessen stabilisierende Rolle in den vergangenen Jahren gedankt, wie der Vatikan mitteilte. Angesichts von Gewalt und Schwierigkeiten habe der muslimische Geistliche "seine Stimme zur Verteidigung der Schwächsten und Verfolgten erhoben", sagte Vatikansprecher Matteo Bruni nach Angaben von Kathpress. Darum sei al-Sistani ein wichtiger Faktor für die Einheit des irakischen Volkes.

Wie Vatican News mitteilte, sei es eine Gelegenheit für den Papst gewesen, dem Großayatollah zu danken, weil der muslimische Religionsführer zusammen mit der schiitischen Gemeinschaft auch die Heiligkeit des menschlichen Lebens und die Bedeutung der Einheit des irakischen Volkes bekräftigt habe. Bei der Verabschiedung wiederholte der Papst sein Gebet zu Gott für eine Zukunft des Friedens und der Geschwisterlichkeit für das Land Irak, für den Nahen Osten und für die ganze Welt.

Das Büro des 90-jährigen al-Sistani, der sich nie in der Öffentlichkeit zeigt, veröffentlichte im Anschluss an das Treffen ein Foto der Begegnung sowie eine Erklärung, in der der Großayatollah dem Papst für seinen Besuch in Najaf dankt. Zugleich versicherte der Schiitenführer, persönlich darauf zu achten, "dass die christlichen Bürger wie alle Iraker in Frieden und Sicherheit leben, mit all ihren verfassungsmäßigen Rechten".

Keine gemeinsame Erklärung

Eine gemeinsame Erklärung unterzeichneten der Papst und der Großayatollah jedoch nicht. Es wäre ein Erfolg für Franziskus' Reise gewesen. Der Papst hatte im Jahr 2019 bei seinem Besuch in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein gemeinsames Dokument mit dem Großimam Ägyptens und hohen religiösen Vertreter des sunnitischen Islams, Ahmad al-Tayyib, unterschrieben. Es trug den Titel "Die Brüderlichkeit aller Menschen - Für ein friedliches Zusammenleben in der Welt".

Najaf, rund 150 Kilometer südlich der Hauptstadt Bagdad, ist ein wichtiges Zentrum des schiitischen Islam. Hier steht unter anderem die Imam-Ali-Moschee, wo der 661 getötete Schwiegersohn des Propheten Mohammed, Ali, begraben sein soll. Auf ihn geht der schiitische Islam zurück, neben dem sunnitische Islam die zweite große Strömung der Weltreligion. Die Schiiten stellen im Irak die Mehrheit.

Nach dem Gespräch mit al-Sistani bekräftigte der Papst laut Kathpress bei einem interreligiösen Treffen in der Stadt Ur seine Botschaft von Dialog und Geschwisterlichkeit aller Menschen. Das Land, das vor genau 100 Jahren ohne Rücksicht auf ethnische und religiöse Grenzen als Nationalstaat entstand, droht bis heute immer wieder entlang der alten Bruchlinien zu zerbrechen. Franziskus warb in Ur, einem zentralen Ort für die irakische Identität, für eine Mitgestaltung der Religionen in der Gesellschaft.

In der antiken sumerischen Stadt, die nach biblischem Zeugnis die Heimat Abrahams ist, leitete er ein interreligiöses Treffen. Juden, Christen und Muslime beziehen sich auf Abraham als gemeinsamen Stammvater. Vor den Ruinen Urs und dem 4.000 Jahre alten Stufentempel in der Wüste des Südirak beschwor er Vertreter aller Glaubensgemeinschaften, jeglichem Hass entgegenzutreten.

Als Grundlage dafür verweist der Papst auf die gemeinsame Gotteskindschaft aller Menschen; Religionen betrachtet er als Wegbereiter der Verständigung: "Wir dienen Gott, um aus der Sklaverei des Ichs herauszukommen", sagte er. "Vom Haus unseres Vaters Abraham aus bekräftigen wir: Gott ist barmherzig, und die größte Beleidigung und Lästerung ist es, seinen Namen zu entweihen, indem man den Bruder oder die Schwester hasst." Feindseligkeit, Extremismus und Gewalt seien "Verrat an der Religion", erklärte Franziskus. "Wir Gläubigen dürfen nicht schweigen, wenn der Terrorismus die Religion missbraucht."

In der von Konflikten zerrissenen Region mahnte der Papst, es werde keinen Frieden geben "ohne Völker, die anderen Völkern die Hand reichen". Ohne das Ringen des Iran und arabischer Staaten um die Vorherrschaft im Mittleren Osten als Beispiel zu nennen, warnte er, Bündnisse gegeneinander verstärkten nur die Spaltung. "Frieden erfordert weder Sieger noch Besiegte, sondern Brüder und Schwestern, die trotz der Missverständnisse und Wunden der Vergangenheit den Weg vom Konflikt zur Einheit gehen."

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